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Markus Söder und sein Selbstbild: „Captain Bavaria“

Markus Söder hat vom Bayrischen Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA ein sehr eigenartiges Geschenk bekommen. Das Gemälde „Captain Bavaria“ stellt Söder als stattlichen Superhelden dar - lustig oder ironisch gemeint ist das nicht. Hier imitiert Kunst die Realität oder besser gesagt: Söders großes Ego.

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Die Welt braucht einen Helden – und ganz besonders Deutschland. Wir sind ein hilfloses Fräulein in Nöten und wir brauchen einen selbstlosen, furchtlosen, starken und tapferen Helden. So jemanden wie Markus Söder – oder wie er sich gerne nennen lässt: Captain Bavaria. Ich wünschte das wäre Satire gemischt mit einem sehr schlechten Groschenroman, doch das ist es leider nicht. Markus Söder selbst hat am Mittwochvormittag ein Bild auf Instagram und Twitter gepostet, das einen wirklich an der Echtheit des Accounts zweifeln ließ. Doch es ist kein Parodie-Account und es ist wirklich die Wirklichkeit. Und plötzlich kann man Habeck verstehen, der kürzlich erklärte, sich von der Wirklichkeit umzingelt zu fühlen. 

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„Captain Bavaria“ ist ein Gemälde, das Markus Söder in seinem Tweet ganz unironisch als „tolles Geschenk“ bezeichnete und es zeigt den Ministerpräsidenten höchst selbst, dargestellt als Superhelden. Angelehnt an die Comicfigur Captain America, hält Supersöder ein Schild mit dem bayrischen Wappen und eine Rüstung mit der Bayrischen Flagge auf der Heldenbrust. Die Figur des Muskelprotzes ist natürlich die gleiche wie in Wirklichkeit – jedenfalls unterstelle ich, dass gewisse involvierte Personen das so sehen. Das Kunstwerk stammt von Damir Corell, ein Künstler, der nach erfolgreichen Darstellungen von Stars wie Marilyn Monroe, jetzt endlich mal eine echte Legende malen durfte. 

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Der narzisstische Ministerpräsident Deutschlands? 

Corells Philosophie lautet: „Ein Kunstwerk ohne Aussage ist wie ein Mensch ohne Persönlichkeit.“ Glücklicherweise fehlt es diesem Kunstwerk nicht an einer Aussage und schon gar nicht an Persönlichkeit – Markus Söder hat jetzt sogar zwei: Beliebtester Politiker Deutschlands bei Tag, größter Superheld bei Nacht. Und wenn es jemanden gibt, der seine Persönlichkeiten und sein beeindruckendes Aussehen definitiv zu schätzen weiß, dann ist das auch niemand geringeres als Markus Söder. Das ist dann wohl auch der Grund weshalb keiner besser verstehen kann als er, warum dieses Bild entstanden ist. 

Jetzt mal ganz im Ernst: Wenn jemand so ein Bild von Ihnen malen würde – würden Sie sich wirklich geschmeichelt fühlen? Ich würde es definitiv für einen Scherz halten und könnte es nicht annehmen, ohne mich halb kaputt zu lachen. Doch dieses Gemälde ist ernst gemeint – es gibt jedenfalls keinen Anlass zu glauben, dass es nicht so ist. Markus Söder nahm das Gemälde mit Anmut entgegen, bedankte sich höflich. Der Künstler des Werkes bezeichnete es als große Ehre beteiligt gewesen sein zu dürfen. Die Menge klatschte und jubelte, es war kein Lachen zu hören. Die Gönner, die dieses Geschenk überhaupt in Auftrag gaben, machten bei der Übergabe ganz und gar keine Anstalten, das ganze irgendwie lustig zu verpacken. 

Super-Söder rettet die Gastronomie 

Das bringt mich zu dem Ursprung dieses Spektakels. Tatsächlich war das Gemälde nicht Söders Idee, der Maler vermeldet DEHOGA Bayern als seinen Auftraggeber. DEHOGA bezeichnet sich selbst als „Sprachrohr, Interessenvertretung und Anwalt“ der Hotellerie und Gastronomie in Deutschland. DEHOGA Bayern postete das Gemälde selbst kommentarlos in seiner Instagram-Story, mit Verweis auf Markus Söder. Der schrieb neben seinem Dank an der Verband: „Die Bayerische Staatsregierung steht an der Seite unserer Gastronomie.“ Weiter führte er aus, dass „die Erhöhung der Gastro-Steuer durch die Ampel ist ein schwerer Fehler“ sei, die Arbeitsplätze vernichtet und den Betrieben schadet. Er fordert stattdessen eine Senkung der Steuer auf Grundnahrungsmittel, sowie eine dauerhafte Reduzierung der Umsatzsteuer auch auf Getränke. 

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Dieser Text wurde auf Twitter durch eine spezielle Funktion von Usern mit dem Kontext versehen, dass diese Aussage falsch sei, weil es sich nicht um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie, sondern die planmäßige Umkehrung einer zeitlich befristete Senkung, also die Rückkehr zum Normalzustand handele. Nichtsdestotrotz, kann man hier inhaltlich mit Söder einer Meinung sein – wenn Deutschland gerade etwas nicht braucht, dann sind das höhere Steuern, ob nun als Normalzustand oder nicht. Doch muss man sich davon abgesehen eine Frage stellen: Wenn dieses Geschenk nicht so unglaublich absurd wäre – würde man dann nicht misstrauisch werden? 

Einfach schmierig oder schon Schmiergeld?

Wir haben es hier mit einem Lobbyverband zu tun, der einem Politiker nicht einfach nur ein Geschenk macht, sondern ihn absolut glorifiziert, anhimmelt und schmeichelt. Wie soll man das noch toppen? Das ist im Grunde unmöglich, wenn man ihm nicht eine Goldbüste, eine Marmorstatue oder einen Euro widmet – alles von ihm natürlich. Um das ganze einmal klischeehaft zuzuspitzen: Man stelle sich vor, ein Öl-Lobbyverband schenkt einem Politiker einen Porsche und der bedankt sich mit einem Tweet, in dem er ankündigt in Zukunft die Politik zu machen, die sich dieser Lobbyverband wünscht – da würde das Wort Korruption definitiv im Raum stehen. 

Hier haben wir ein Geschenk, über das sich Söder in seinem Narzissmus wahrscheinlich noch viel mehr freut als über einen Porsche. Und lassen wir uns nicht vergessen, dass ein handgefertigtes Gemälde eines angesehenen Künstlers sicher nicht günstig war. Aber niemand kommt darauf, Motiv und Wirkung zu hinterfragen, weil man nur dankbar ist, dass Captain Söder nicht Superman nachempfunden wurde, weil niemand Markus Söder in Strumpf- und Unterhose sehen will.  Abgesehen davon, dass ich die Forderungen der Gastronomiebranche verständlich und vernünftig finde, ist diese Art von Geschenk weder vernünftig noch verständlich, so sehr man über Geschmack auch streiten kann. 

Das Leben hat vielen Helden, Söder ist keiner davon

Ich glaube nicht, dass ich erklären muss, weshalb Söder so gar kein Superheld ist und sich auch nicht zu einem eignet. Captain Americas Catchphrase war „I can do this all day.“ Söder kann so einen Slogan gar nicht haben, weil das bedeuten würde, tatsächlich regelmäßig das Gleiche zu vertreten und zu sagen, doch das ist eine Eigenschaft, die Söder komplett fehlt. Das wird Söder wohl nie einsehen.

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Wenn es ein Witz wäre, fände ich ihn gelungen, aber außer mir lacht hier keiner. Dieses Bild war tatsächlich ernst gemeint und ich was ich ganz und gar nicht mehr lustig finde, ist die Selbstwahrnehmung, die dieser Mann hat. Man muss sich inzwischen fragen, ob er dieses Gemälde deshalb so selbstverständlich angenommen hat, weil er bereits mit sämtlichen solcher Darstellungen sein Schlafzimmer zugepflastert hat. Allerdings sprechen wir hier von dem Mann, der mitten in der tiefsten Corona-Lockdown-Zeit komplett unironisch die Bayrische Verfassungsmedaille angenommen hat. Also weiß ich nicht, warum ich mich überhaupt noch aufrege. 

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