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Im ZDF-Morgenmagazin

Palästinensischer Botschafter will sich nicht von Hamas-Angriff distanzieren 

Im ZDF-Morgenmagazin wurde der Botschafter der palästinensischen Autonomiebehörde zur aktuellen Lage in Israel interviewt. Obwohl sich der Palästinenser-Vertreter weigerte, sich vom Angriff der Hamas am 7. Oktober zu distanzieren und allein Israel als Aggressor verurteilte, framt das ZDF ihn als friedensuchenden Diplomaten.

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„Wir bleiben hoffnungsvoll“, betitelt das ZDF in seiner Mediathek ein Interview mit dem palästinensischen Botschafter Laith Arafeh am Montagmorgen im Morgenmagazin. Gleich im Begleittext wird erläutert, dass es die Zwei-Staaten-Lösung sei, auf die der Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland hoffe. Außerdem wünsche er sich, dass „Mitgefühl“ auch seinem Volk gegenüber ausgedrückt werde. Ein besonnener Diplomat, der sich ganz ohne Aggression eine einvernehmliche Lösung des Nahostkonflikts wünsche – diesen Eindruck bekommt der Zuschauer, wenn er dieses Framing des ZDF erblickt. 

Guckt man sich das etwa zehnminütige Interview jedoch tatsächlich an, fällt schnell auf, dass es sich bei dem palästinensischen Botschafter mitnichten – wie suggeriert – um einen friedliebenden Diplomaten handelt. Im Gegenteil.

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Laith Arafeh „hofft“ zwar auf eine Zwei-Staaten-Lösung, erklärt aber ganz klar, dass diese damit beginne, dass die israelische „Besatzung“ der palästinensischen Gebiete beendet werde, sodass das palästinensische Volk sein „Recht auf Selbstbestimmung“ ausüben könne und die Palästinenser in einem unabhängigen Staat leben können – innerhalb der Grenzen von 1967 mit Ostjerusalem als Hauptstadt. 

Arafeh: Israel wolle Palästinenser „vertreiben“

Immerhin sei es – so behauptet der Palästinenser-Botschafter – das erklärte Ziel der aktuellen „israelischen Aggression“, das auf die „ärmsten und unschuldigsten Palästinenser ziele“, 2,3 Millionen Palästinenser aus dem Gazastreifen zu vertreiben und diesen dauerhaft zu „rekolonialisieren“. Es ist unschwer zu erkennen: Für den palästinensischen Botschafter ist nicht die palästinensische Hamas, die am 7. Oktober in Israel einfiel und über tausend Israelis brutal ermordete, der Aggressor in diesem Konflikt, sondern Israel. 

Als der ZDF-Journalist den Botschafter fragt, warum er sich von den Angriffen der Hamas vom 7. Oktober auf Israel bisher nie klar distanziert habe, antwortet Arafeh nur ausweichend. Sogar der Generalsekretär der Vereinten Nationen habe gesagt, dass nichts den Angriff auf die palästinensische Bevölkerung rechtfertige, schwadroniert Arafeh.

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Als der Moderator ihn erneut konkret damit konfrontiert, dass er den Angriff am 7. Oktober nie verurteilt habe, antwortet er: „Das stimmt nicht.“ Erläutert aber danach sofort, dass die Position der palästinensischen Autonomiebehörde sowohl auf den 7. Oktober als auch auf „das, was seit vielen Jahrzehnten“ passiere, klar sei. 

Terrorismus „seit Jahrzehnten“

Die palästinensische Autonomiebehörde habe, so Arafeh weiter, den Terrorismus verurteilt, der in „seinem Teil der Welt seit sieben Jahrzehnten stattfindet“. Die „Unterdrückung“, die gegen „sein Volk und gegen jeden anderen“ seit Jahrzehnten ausgeübt werde. Der Staat Palästina, so erklärt Arafeh, sei „kriegerisch besetzt“, möchte aber ein verantwortungsbewusstes Mitglied der internationalen Gemeinschaft sein und lehne jede Verletzung des Völkerrechts ab.

Dass dies immer noch keine Distanzierung von den Gräueltaten der Hamas war, lässt der ZDF-Journalist dem Botschafter durchgehen. Stattdessen bestätigt er ihn: „Das hat die internationale Gemeinschaft auch thematisiert, der UN-Generalsekretär hat zum Beispiel gesagt, diese Angriffe der Hamas am 7. Oktober fanden nicht im luftleeren Raum statt.“ Es folgt eine kuriose Überleitung zur nächsten Frage: „Sie beklagen – manchmal auch zu Recht – fehlende Empathie hinsichtlich der Opfer in Gaza. Haben Sie denn zum Beispiel nach dem 7. Oktober ihren israelischen Botschafter-Kollegen angerufen und ihm ihr Mitgefühl, ihre Empathie nach dem Terroranschlag der Hamas ausgedrückt?“, fragt der ZDF-Journalist. 

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Mitgefühl gelte „allen Menschen“

Arafeh antwortet nur: „Unser Mitgefühl für die Menschlichkeit gab es immer.“ Bei erneuter Nachfrage erklärt er: „Ich spreche über die Menschheit und Menschlichkeit und diese kann man nicht selektiv sehen.“ Er spreche über „alle Menschen“ und teile dementsprechend sein Mitgefühl „gleichmäßig“ auf. Das sei etwas, das seinem Volk nicht widerfahren sei.

Er kritisiert, dass kein Politiker in Deutschland oder anderen Teilen der Welt sein Mitgefühl mit den abertausenden ermordeten palästinensischen Kindern und Frauen ausgedrückt habe. Er, so der Botschafter weiter, drücke sein Mitgefühl „jedem Menschen“ gegenüber aus. Seine Hoffnung sei, dass „das gleiche Mitgefühl“ auch seinem Volk gegenüber ausgedrückt werde. 

Nach zehn Minuten Interview hat der palästinensische Botschafter sich unwidersprochen als Opfer israelischer Aggression darstellen dürfen. Er distanzierte sich zudem erneut nicht von den Angriffen der Hamas auf Israel am 7. Oktober. Das ZDF lässt ihm das durchgehen – und framet den Palästinenser-Vertreter zudem noch als friedlichen Diplomaten. 

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