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Bei Vortrag in Berlin

Drosten behauptet: „Impfungen haben Nebenwirkungen“ – das ist „immer so kommuniziert worden“

Auf einem Vortrag in Berlin wurde Virologe Christian Drosten von Impfgeschädigten für seine Rolle in der Corona-Pandemie kritisiert. Daraufhin leistete sich der Mediziner eine erstaunliche Behauptung, die zeigte: Drosten will sich nicht erinnern, Impfnebenwirkungen heruntergespielt zu haben.

Am Freitag hielt der Charité-Virologe Prof. Dr. Christian Drosten im Berliner Naturkundemuseum einen Vortrag zum Thema: „Pandemische Gefahren vor und nach COVID-19“. Im Sauriersaal versammelten sich etwa hundert Leute, um dem seit der Corona-Pandemie berühmten Mediziner zuzuhören. Im Anschluss stellte sich Drosten den Fragen des Publikums. Im Internet kursieren Aufnahmen, die Ausschnitte der Fragerunde zeigen. Sie dokumentieren einen erstaunlichen Wortwechsel zwischen einem vermeintlichen Impfgeschädigten und dem Professor, der vor allem eines zeigt: Herr Drosten will sich heute offenbar nicht mehr daran erinnern, die Nebenwirkungen der Corona-Impfung heruntergespielt zu haben. Überhaupt scheint er keine seiner Aussagen während der Pandemie zu bereuen. 

Es ist ein Mann um die fünfzig, der sich erhebt, um eine Frage an Herrn Drosten zu stellen. „Ich bin dreifach geimpft“, sagt der Herr, „und bin jetzt voll mit Krebs“. Schon nach der ersten Corona-Impfung habe er einen Herzinfarkt erlitten. Als der Moderator ihn dazu drängt, seine Frage zu stellen, verliert der Mann die Fassung: „Die Regierung, alles hier, ist einfach nur eine Lüge!“, schreit er und verlässt den Raum. Dazu bekommt er vereinzelt unterstützende Zurufe aus dem Publikum, die überwiegende Mehrheit der Besucher dreht sich mit bösen Blicken um. 

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Fast unnatürlich ruhig setzt Christian Drosten zu einer Antwort an. „Es tut mir sehr leid, dass Sie mit diesem Schicksal zu kämpfen haben“, sagt Drosten. Man müsse zu dieser Grundüberlegung etwas anderes sagen. Daraufhin holt der Virologe weit aus, redet viel und verschachtelt. Schließlich erklärt er die Vielzahl der Impfnebenwirkungen unter anderem damit, dass aufgrund der großen Aufmerksamkeit, die im ganzen Land auf Impfnebenwirkungen gerichtet werde, sehr viele Krankheiten als vermeintliche Impfnebenwirkungen gemeldet werden, die jedoch in keinem kausalen Zusammenhang mit der Impfung stehen, also auch ohne die Impfung aufgetreten wären.

„Das ist ein Wahrnehmungs- und Statistikeffekt, für den niemand etwas kann, der Virusforschung macht, der Mediziner ist, der in der Pharmaindustrie arbeitet, der Impfstoffe entwickelt oder sonst etwas mit dem Gesundheitssystem zu tun hat“, sagt Drosten. Ein Satz, den man inhaltlich zwar durchaus diskutieren kann, in der Vortragsweise – angesichts der Tatsache, dass er hier vor Erwachsenen spricht – jedoch einigermaßen überheblich wirkt. Danach geht Drosten jedoch noch einen großen Schritt weiter und sagt: „Dennoch muss man auch sagen – das ist vollkommen klar, das ist aber auch immer so kommuniziert worden – Impfungen haben Nebenwirkungen.“ Wieder gibt es vereinzelten Protest aus dem Publikum. 

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Ein erstaunlicher Satz des Virologen. Zumal ihm mindestens die berüchtigte Ausgabe der Talkshow Anne Will vom 13. Februar 2022 bekannt sein sollte, in der Gesundheitsminister Karl Lauterbach die Corona-Impfung als „mehr oder weniger nebenwirkungsfrei“ bezeichnet hatte. Erst im März 2023 war Lauterbach in einem ZDF-Interview auf diese Aussage von ihm angesprochen worden. Er hatte sie daraufhin als „missglückten Tweet“ abgetan. Auch dieser Satz von Lauterbach aus dem Februar 2022 blieb vielen Menschen im Gedächtnis: „Die Leute, die sich jetzt nicht impfen lassen wollen, das sind zum Teil Opfer der schäbigen Desinformationen in den sozialen Medien gewesen.“

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Drosten hatte Impfnebenwirkungen heruntergespielt

Und nicht nur Lauterbach spielte das Risiko von Nebenwirkungen der Corona-Impfung herunter. Durchforstet man die zahlreichen Corona-Podcast-Folgen von Christian Drosten im NDR, findet sich dort beispielsweise eine Aussage aus Dezember 2021 zur Kinderimpfung, die durchaus problematisch ist: „Wir können jetzt inzwischen auch sagen, in den USA hat man ja von den kleineren Kindern durchaus auch fünf Millionen geimpft und hat keine schweren Nebenwirkungen gesehen. Insofern können wir da sehr optimistisch sein und auch vielleicht großzügig in den Empfehlungen für die Impfung kleinerer Kinder. Und das wird ja kommen, selbst für die unter Fünfjährigen laufen ja Studien.“  

Zur Einordnung: Als Drosten diesen Satz sagte, war die STIKO-Empfehlung für die Kinderimpfung noch nicht ausgesprochen worden. Der Hauptgrund wurde von STIKO-Chef Mertens damals mehrmals öffentlich erläutert: Es lagen nicht genug Daten vor, die Risiken und Nebenwirkungen der Impfung bei Kindern untersucht hatten. Dennoch tut Drosten hier so, als seien keine schlimmen Nebenwirkungen zu befürchten. Das ist vor allem unter dem Aspekt eine fatale Aussage, dass die Corona-Impfung inzwischen explizit nicht mehr für Minderjährige empfohlen wird, nachdem es in dieser Altersgruppe unter anderem vermehrt zu Herzmuskelentzündungen gekommen war.

In einer Folge aus dem September 2021 sagte Drosten außerdem: „Es gibt nach dieser gesamten Erfahrung von 100 Millionen Dosen keinerlei statistisches Signal für eine erhöhte Sterblichkeit durch die Impfung. Also das ist nicht der Begriff Übersterblichkeit, den man bei der Influenza verwenden würde. Aber es ist ein ähnliches Gedankenkonstrukt. Da lässt sich also überhaupt nicht nachweisen, dass die Impfung irgendeinen Beitrag zur bevölkerungsweiten Sterblichkeit geleistet hat.“ Auch diese Aussage ist höchst fraglich, da es inzwischen wissenschaftlicher Konsens ist, dass es in den Jahren 2021 und 2022 eine beachtliche Übersterblichkeit in Deutschland gab. Manche Statistiker und Ärzte erklären dieses Phänomen unter anderem mit dem Beginn der Impfkampagne im Frühjahr 2021. 

Dennoch scheint Drosten offensichtlich heute nichts zu bereuen. Das zeigt auch eine weitere Aussage Drostens am Ende der Videoaufnahme von Freitag. Darin sieht man einen YouTuber noch im direkten Gespräch mit Drosten. Dieser spricht dem Professor ein (wohl etwas ironisches) Lob aus. „Find ich gut, dass Sie sich trauen, hier zu sprechen“, sagt er. Drosten fragt, warum er das denn nicht sollte. „Na, weil sie einsehen müssten, dass sie vielfach daneben lagen“, antwortet der YouTuber. Drosten kontert: „Aber wo denn, nein, das sehe ich nicht.“

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