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Harvards Präsidentin tritt zurück – ihre woke Universitäts-Welt hinterlässt ideologische Ruinen

In Amerika muss die Chefin der Harvard University ihren Hut nehmen - zu zögerlich und unentschlossen handelte Claudine Gay im Angesicht der Hamas-Fans auf ihrem Campus, neue Plagiatsbelege geben ihr den Rest. Der Fall steht beispielhaft für das Ende der stolzen, universitären Tradition im Westen.

Claudine Gay muss gehen. Die Präsidentin der vielleicht berühmtesten Universität der Welt nimmt ihren Hut. Sie reagiert damit auf umfangreiche Plagiatsvorwürfe, die in den letzten Tagen und Wochen lautgeworden waren.

Gay geriet in den vergangenen Monaten in massive Kritik, nachdem Kundgebungen von Israelhassern eskaliert waren. Dr. Gay, erst seit kurzem Chefin von Harvard, saß vor dem US-Kongress und schaffte es nicht, antisemitischen Hass an ihrer Uni zu verurteilen – im Gegenteil. Auf die Frage, ob Studenten, die auf dem Campus zum „Völkermord an Juden“ aufrufen, gegen die (durchaus umfangreichen) Verhaltensregeln der Uni verstoßen, sagte sie: „Es hängt vom Kontext ab.“

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Es hängt vom Kontext ab – die Präsidentin der betont vielfältigen, inklusiven, woken und „antirassistischen“ Universität Harvard saß im Kongress und weigerte sich, Aufrufe zum Völkermord an ebenjener Uni jetzt klar zu verurteilen. Eine Präsidentin, unter der Harvard durch die Redefreiheits-Organisation FIRE als eine der repressivsten und meinungsfeindlichsten Universitäten im ganzen Land eingestuft wurde – die also sonst durchaus großzügig Rede- und Auftrittsverbote verteilt – argumentierte plötzlich für den ersten Verfassungszusatz, Rede- und Meinungsfreiheit. Die Heuchelei und Schamlosigkeit war so offenkundig, dass Gay danach de facto erledigt war. Trotzdem entschied sich die Universität, sie als Präsidentin zu behalten – die erste schwarze Frau als Präsidentin zu feuern, traute sich Harvard trotz alldem nicht.

Erst Plagiatsvorwürfe brachten Gay zu Fall

Recherchen einer US-Nachrichtenseite untermauern nun aber noch Plagiatsvorwürfe, die die angeschlagene Dr. Gay schlussendlich zum Rücktritt gedrängt haben. An über 40 Stellen hat die Präsidentin plagiiert, schreibt der Washington Free Beacon. Angestoßen hatten die Plagiatsvorwürfe der konservative Publizist Christopher Rufo. Eigene Prüfungen der Universität belegten anschließend noch weitere „Zitierungsfehler“. In der vergangenen Nacht hat die Harvard-Präsidentin deswegen ihren Rücktritt erklärt. Der Abgang ist überfällig – Gay war für ihren Job unqualifiziert und ihrer Aufgabe offensichtlich auch nicht gewachsen. Doch das Problem, das tiefergehende und größere Problem über ihre Person hinaus, löst er nicht.

Schon das Gemälde „Die Schule von Athen“ zeigt Platon und Aristoteles im Diskurs. Es ist die vielleicht berühmteste Darstellung der altgriechischen Philosophen und der Tradition, die eine elementare Grundlage allen akademischen Denkens ist. Das ist der Kern des universitären Gedankens. 

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Universitäten im Westen sind längst zum Gegenteil dieses Gedankens verkommen. Eine Institution, die einst als Kernzelle des freien Denkens, des Hinterfragens und des Grübelns erdacht worden ist, ist heute vielerorts ein Ort der Denk- und Sprechverbote und des ideologischen Diktierens geworden. Wo früher die Konfrontation stand, steht heute die Behütung: Statt ideologischer und akademischer Herausforderung bieten moderne Universitäten Safe Spaces und Sensibilitäts-Kurse.

Wo früher das Nachdenken Kern war, ist heute das Nachplappern elementar für jeden Studenten, der sein Studium in Frieden überleben möchte – nicht, dass der von beinharten Linksextremisten durchsetzte AStA oder deine Kommilitonen dich und deine Standpunkte noch für „problematisch“ erachten. Statt akademischer Herausforderung zählt vor allem die „emotionale Sicherheit“ der Studenten. Die Universität wurde vom Ort außerhalb der Komfortzone zu einer Art großem Kindergarten gemacht. Kontroverse, Debatte? Verletzte Gefühle? Bloß nicht! Lieber schützen Unis die Studenten, die angehenden Wissenschaftler, vor dem Kern der Wissenschaft.

Schon in den 60er und 70er-Jahren waren die Universitäten durchsetzt von Kommunisten, die sich damals mit Diktatoren und Massenmördern Mao Zedong und Ho Chi Min solidarisierten. Angehende Akademiker unterstützten Regime, in denen Akademiker als allererste hingerichtet wurden – an dieser bitteren Ironie hat sich heute wenig verändert. Heutzutage sind es bloß „Queerfeministen“, die sich mit der Hamas solidarisieren und die nicht die Maobibel, sondern die neomarxistischen Theorien der Postmoderne und des Postkolonialismus gefressen haben. Ein relevanter Unterschied besteht allerdings: Mittlerweile wird ihr antiakademischer Radikalismus von den Universitätsleitungen selbst gefördert. 

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Die moderne Universität heißt: Studenten und Professoren gemeinsam gegen Wissenschaft und freies Denken

Claudine Gay und die Universität Harvard sind dafür das beste Beispiel. Gay selbst ist Produkt des anti-akademischen, woken Zeitgeistes. Sie verbrachte ihre gesamte akademische Karriere an der Harvard University oder vergleichbaren Ivy-League-Schulen, war vor ihrem Topjob Dekanin der Sozialwissenschaften. Dann wurde sie vor etwas mehr als einem halben Jahr Präsidentin – als erste schwarze Frau. Dieser Umstand dürfte im Rückblick auch ihre tatsächlichen akademischen Qualifikationen überstrahlt haben. Einst zählte an Universitäten Leistung statt Herkunft – heute ist es umgekehrt.

Das passt ins Bild: Harvard gehörte auch zu den Universitäten in den Vereinigten Staaten, die mit dem Prinzip „Affirmative Action“ genau diesen Leitsatz auf ihre Studenten anwandten. Studienplätze wurden auch nach Kriterien wie Abstammung und Hautfarbe vergeben. Der ideologische Radikalismus der Studenten ist längst nach oben durchgesickert. Wokeness, ihre neue Diskriminierungslehre und Opferkategorien sind maßgeblich für fast alles, was an vielen Unis wie Harvard passiert. Verhaltensregeln, Lehrinhalte, Aktivismus: Statt wirklich zu lehren und zu lernen, bilden Professoren und Studenten eine antiwissenschaftliche Symbiose.

Das Ergebnis dieser Kultur sieht man hüben wie drüben. Beispiel Amerika: Wenn konservative Speaker auf den Campus eingeladen werden, rasten die Studenten aus – entweder werden sie direkt zu üblen Gewalttätern, oder sie führen sich wie Dreijährige auf, schreien, weinen und toben. Häufig geht auch beides Hand in Hand, wie 2017 an der University of California in Berkeley – dort mussten schlussendlich 600 Polizisten anrücken, um das verfassungsmäßige (und akademische) Recht auf Redefreiheit für einen Journalisten durchzusetzen, der über Redefreiheit reden wollte.

Für die Studenten war er ein „Hassredner“. Kaum einer von ihnen traute sich, den eingeladenen Konservativen im Diskurs zu stellen – sie konnten es auch gar nicht. Stattdessen maskierten sie sich und veranstalteten Krawall und Chaos. Solche Mobs gegen „Hass“ waren bemerkenswert abwesend, als sich wirklicher, antisemitischer Hass Bahn brach.

In Deutschland herrscht ein vergleichbares Klima. An vielen Unis sind Antifa-Kollektive und ähnliche Gruppen sonst rege präsent. Man ist viel „gegen Nazis“ – wenn dann aber genozidale Antisemiten aufmarschieren, nicht mehr so deutlich. An der FU Berlin besetzen Hamas-Fans Hörsäle, grenzen Juden aus und tun alles, außer mit ihren Ideen und Gedanken akademisch umzugehen. Zum Vergleich: An der Universität Göttingen werden Studenten namentlich und öffentlich angeprangert und für vogelfrei erklärt, weil sie etwa ein politisch unliebsames – zu rechtes – Praktikum gemacht haben.

Es ist ein zynisches, schamlos doppelzüngiges Denken von Hexenjagd und Heiligsprechung, von Infantilität und Ideologismus. Die Universität als Institution müsste diesem aus ihrem Zweck heraus eigentlich entgegenstehen – doch sie ist längst dessen Brutstätte geworden. 

Die Aufklärung wird zu Grabe getragen

An Universitäten im Westen wird gar der wissenschaftliche Gedanke selbst verleumdet und dekonstruiert: Er sei westlich-imperial, damit rassistisch und schlecht. 2 + 2 kann jetzt auch 5 ergeben, wenn es ein Vertreter einer nicht-weißen Ethnie mal irgendwo aufgeschrieben hat, und Literaturstudenten lernen eher Gedichte einer lesbischen, antikolonialen Afrikanerin als Shakespeare oder Goethe, um vom „Eurozentrismus“ wegzukommen.

Als sei der Fokus auf die Denkschulen von Renaissance und Aufklärung etwas Schlechtes. Das alles ist ganz im Sinne der „kritischen Theorien“, dass alles dekonstruiert werden soll, was einer Gesellschaft einst Sinn und Verstand gegeben hat. Universitäten im Westen, gerade im Feld der Geisteswissenschaften, verkommen zum Hort des Destruktivismus – sie wollen alles niederreißen, worauf sie einst gebaut wurden. 

Und so muss man festhalten, dass man an Universitäten nichts mehr wirklich lernt – akademisch vielleicht gerade noch, aber menschlich ganz sicher nicht. Dabei war das Wachsen als Mensch einst genauso elementarer Teil des Studiums wie das Büffeln und Pauken. Aber das ist vorbei. Genau wie die Zeit, in der das Studium ein stetiges Hinterfragen und damit den Kern jeder Wissenschaftlichkeit voraussetzte – das Gegenteil gilt heute. Und an diesem Grundproblem wird auch der Rücktritt einer Claudine Gay nichts ändern. Die Harvard-Verantwortlichen werden schlicht eine neue Claudine Gay finden – Hauptsache, Geschlecht und Hautfarbe stimmen – und der Unibetrieb wird genauso wissenschaftsfeindlich und verirrt weitergehen. Denn die Wurzeln des Problems sind längst tief in den Unis, aber auch in Zeitgeist und Gesellschaft verwachsen. 

Harvard war einst eine stolze Institution: Die älteste Uni Amerikas galt weltweit als Elite-Schmiede, als leuchtender Tempel der akademischen Disziplinen und der Wissenschaft. Nichts ist davon übrig, im Gegenteil: Harvard heutzutage ist eine gefährlich glühende Ruine voll von Ideologie und Antiwissenschaftlichkeit. Der Verfall dieser einst so großartigen Universität steht sinnbildlich für das klägliche Siechtum von Wissenschaftlichkeit, wahrlich kritischem Denken und all dem, was Aufklärung und Renaissance uns im Westen einst schenkten.

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