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Fake-Train

Aufklärung gegen „Desinformation“: Bundesinnenministerium zahlt über 470.000 Euro für Trash-TV mit Rezo

Ein neues TV-Format der Bundeszentrale für politische Bildung soll junge Leute den Umgang mit Fake News beibringen. Dafür leistet sich die Behörde fast eine halbe Million Fördergelder aus der Tasche des Steuerzahlers. Ein Blick in die Sendung zeigt: Es ist staatlich finanziertes Trash-TV.

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Rezo, der unangenehm aufdrängende YouTuber mit knallblauer Punkfrisur, hat nun seine eigene Fernsehserie. Unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung soll das Format Fake-Train Jugendliche und junge Erwachsene „unterhaltsam auf die Herausforderung durch die Verbreitung von Desinformationen im Netz aufmerksam“ machen. Ausgestrahlt werden die Folgen auf der von Amazon betriebenen Plattform freevee und können überdies in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung abgerufen werden.

Für diese hohe Aufgabe hat die Bundeszentrale ordentlich Fördergelder fließen lassen. Auf Apollo News Anfrage legte die dem Bundesinnenministerium unterstellte Behörde offen, dass der Gesamtauftragswert bei 471.554,39 Euro brutto liegt, was 78.592 Euro pro Folge und rund 2.500 Euro pro Minute entspricht. Ebenfalls bestätigte die Bundeszentrale, dass der Moderator Rezo sowie alle Teilnehmer für die Teilnahme an dem Format bezahlt wurden.

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Und wofür die ganze Kohle? Schaut man einmal in die erste bereits ausgestrahlte Folge herein, kann man seinen Augen kaum glauben. Das von Rezo moderierte Format rangiert irgendwo zwischen peinlicher Gameshow und Trash-TV. Man weiß nicht, ob man sich zuerst von den brutalen Neonfarben, in denen das U-Bahn-Setting gehalten ist, oder von den Teilnehmern mit aufgespritzten Lippen, peinlichen Outfits und Ghetto-Slang in Sicherheit bringen möchte.

Pseudo-politisches Trash-TV

In der Folge müssen zwei Influencer in einem Waggon in einer Art Quiz gegeneinander antreten. Rezo fungiert in der Rolle als Moderator und leitet die Teilnehmer durch die Spiele. Unter anderem der Rapper Xatar, die Streamerin Anna Gazani und der ehemalige Vize-Dschungelkönig Twenty4Tim durften ihr Wissen über Desinformation in dem Waggon unter Beweis stellen. Falls Sie diese Menschen nicht kennen – keine Sorge, Großteile der Apollo Redaktion haben diese Namen auch noch nie gehört.

Die Teilnehmer sollen dann im Verlauf des Spiels Aussagen über den jeweils anderen als richtig oder falsch einordnen. Dabei geht es um so extrem brisante politische Fragen wie, ob eine der Teilnehmerinnen ein Nippelpiercing habe oder nicht. Inwiefern dieses Spiel etwas mit Desinformation zu tun hat, muss bitte bei der Bundeszentrale für politische Bildung angefragt werden.

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Später dann sollen die Kontrahenten verschiedene mediale Quellen nach ihrer Seriosität beurteilen. Ganz vorn mit dabei: Natürlich die öffentlich-rechtlichen Medien, aber auch der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung werden explizit genannt. Nur mal so am Rande: Die Teilnehmerinnen der ersten Folge geben beide zu Beginn der ersten Sendung an, dass sie sich ausschließlich über TikTok und Instagram über Neuigkeiten „informieren“.

Anstatt dass das Format dieses Verhalten zur Selbstbildung hinterfragt, geht der junge Zuschauer aus dieser Sendung mit der Info, dass er sich ab sofort eben die Videos vom ÖRR und etablierten linksgerichteten Medien zu Gemüte führen soll. Die eigentlich wünschenswerte Kompetenz im Umgang mit Desinformation, durch gesunden Menschenverstand und Recherche Nachrichten (von mehr oder weniger etablierten Quellen) zu hinterfragen und nachprüfen zu können, soll in der Serie offensichtlich keine Rolle spielen. Worin genau dann der hoch bezahlte Bildungsauftrag dieses Formats bestehen soll, ist, höflich formuliert, fraglich.

Moderator Rezo hat selbst Fake-News verbreitet

Rezo, der 1992 in Wuppertal geboren wurde und studierter Informatiker ist, wurde durch sogenannte „Zerstörungsvideos“ bekannt. In denen knöpft er sich in Organisationen und Parteien wie die CDU kurz vor der Europawahl 2019 oder alle Medien im Rahmen der Coronapandemie vor. Interessant an der Auswahl der Moderator von der Bundeszentrale für politische Bildung ist, dass Rezo in der Vergangenheit bereits selbst mit schlechter Recherche und Falschinformationen aufgefallen ist.

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In seinem Video „Die Zerstörung der Presse“ aus dem Mai 2020 hatte er unter anderem behauptet, dass die Berliner Zeitung in 55 Prozent der Artikel über ihn Falschbehauptungen aufgestellt hätte. Dafür hatte Rezo 18 Artikel über sich selbst analysiert, obwohl er in dem von ihm analysierten Zeitraum in über 90 Artikeln in der Berliner Zeitung erwähnt worden war. Von den 18 Artikel wurden 7 nicht analysiert, weil diese in den Augen von Rezo und seinem Team irrelevant waren.

Mittlerweile hat Rezo in seinem Video über die Presse verschiedene Fehler zugegeben. Beispielsweise hat er Gabor Steingart als Herausgeber des Handelsblatts bezeichnet. Dies ist er jedoch seit 2018, also zwei Jahre bevor er das Video erstellte, nicht mehr. Außerdem merkte er Fehler in seiner aufgeführten Exceltabelle an.

In einer Zeit, in der sich tatsächlich immer mehr junge Menschen ausschließlich über die Sozialen Medien über politische Inhalte informieren, wäre es durchaus sinnvoll, ihnen schon früh beizubringen, wie sie lernen, Nachrichten zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Das Format Fake-Train aber kann dazu in keiner Weise einen Beitrag leisten. Im Gegenteil: Das Format ermutigt den Zuschauer nur, blind abhängig von der Quelle bestimmten Informationen zu trauen und wirkt allein durch seine Aufmache derartig nervtötend und verdummend, dass man sich nicht vorstellen kann, dass auch nur irgendein junger Mensch sich dadurch angeregt fühlen soll, sich seine eigenen Gedanken über Meldungen im Internet zu machen. Dennoch wurden dafür fast eine halbe Million Steuergelder verprasst.

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