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Aus der Asche

25 Jahre 9/11 – wie Amerika für einen Moment zurück zu alter Größe fand

Wenige Wochen nach dem 11. September reagieren die USA militärisch. Die Gesellschaft erwacht blitzartig aus dem Nebel der Idee vom „Ende der Geschichte“. Und ein Land fand für einen Moment zurück zu alter Größe.

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Sieben Wochen nach dem 11. September 2001 steigt im Yankee-Stadion in der New Yorker Bronx bald das dritte Spiel der Baseball World Series, dem großen Finale der amerikanischen Baseball-Liga. Alles scheint, wie man es auch sonst von amerikanischen Sportveranstaltungen kennt. Patriotisch wird die Nationalhymne angestimmt. Der Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush, darf den zeremoniellen ersten Pitch werfen. Es gibt einen triumphalen Überflug von mehreren Militärjets. Es ist fast schon so, als hätte die Stadt, in der das Spiel stattfindet, nicht erst vor wenigen Wochen die Hölle auf Erden durchlebt. Erst bei genauerem Hinsehen sieht man die Narben, die die Terroranschläge vom 11. September hinterlassen haben. Die Sicherheitsvorkehrungen für das Spiel waren so hoch wie nie. Die Militärjets flogen auf einer ungewöhnlichen Höhe.

Ansonsten werden die Ereignisse des 11. September weder im Stadion noch in der Berichterstattung direkt thematisiert. Die einzige Botschaft, die man durchgängig auf den selbstgemachten Plakaten der Fans beobachten und den Kommentaren der Sportjournalisten entnehmen kann: „Yanks lassen sich nicht unterkriegen“. Auch die New York Yankees, das Sportteam, das sich bis in diese World Series gekämpft hatte, hat sich nicht unterkriegen lassen. Das war das erste Spiel dieser World Series, das in New York stattfand. Bei den vorherigen beiden Spielen, die in Phoenix, Arizona stattgefunden hatten, hatten sich die Yankees geschlagen geben müssen. Die drei darauffolgenden Spiele in New York gewannen sie allesamt.

Viele Amerikaner empfinden die World Series 2001 heute als Höhepunkt der nationalen Einigung nach den Terroranschlägen. Sie ist für viele zu einem Ereignis größter Nostalgie geworden. Die normalerweise kitschig-patriotischen Bekundungen hatten dieses Mal tatsächlich einen ernsthaften Hintergrund. Schließlich wurde vor 25 Jahren am 11. September nicht nur das World Trade Center angegriffen, sondern all die Werte, für die Amerika steht. Doch wie ein Phönix aus der Asche stieg die amerikanische Gesellschaft wieder auf. Die Finalaustragung der Baseball World Series, eines Sports, der amerikanischer kaum sein kann, nur 15 Kilometer von dem Ort des Unglücks entfernt, bildete dabei einen symbolischen Höhepunkt. Es war der unbändige Wille weiterzuleben, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Bereits die Feuerwehrmänner von Ground Zero wuchsen über sich hinaus

Dieser Wille hatte sich bereits in den ersten Minuten, nachdem das erste Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers gerast war, gezeigt. Hunderte von Feuerwehrmännern eilten zum Turm. Wenn man heute die Aufnahmen aus der Lobby des Nordturms sieht, dort, wo sich die Feuerwehrmänner eilig koordinieren mussten, ist man geradezu verblüfft, mit welcher absoluten Disziplin, Ruhe und Organisiertheit die „First Responders“ auf die Ereignisse reagierten. Bereits die Lobby war wie die Vorstufe zur Hölle. Überall flog Schmutz, Müll, Papier wild umher. Gleichzeitig war alle paar Sekunden der laute Aufprall menschlicher Körper auf die Plaza vor dem Gebäude zu hören. Viele der Menschen, die im oberen Teil des World Trade Centers ausharrten, sahen keinen anderen Ausweg als zu springen.  

Von der Lobby aus machten sich zahlreiche Trupps auf, nach oben, um möglichst viele der Menschen zu retten, die immer noch oben festsaßen. Da die Fahrstühle nicht funktionierten, mussten die Männer unzählige Stockwerke hinauflaufen. Soweit es ging, stießen die Trupps nach oben vor, befreiten zahlreiche Menschen aus dem Feuerinferno, und schauten selbst nicht zurück. Viele von ihnen kehrten nie wieder in die Lobby des World Trade Centers zurück. An dem Tag ließen 343 Feuerwehrmänner ihr Leben im World Trade Center, an den Spätfolgen sind seitdem weitere 370 gestorben.

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Ein erschöpfter Feuerwehrmann sitzt auf einem demolierten Feuerwehrauto
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Am Abend des 11. September hielt Präsident George W. Bush, nach einer eigenen stundenlangen Odyssee durch verschiedenste Armeestützpunkte, aus dem Oval Office, eine ausführliche Rede zur Nation. Dabei gab er der amerikanischen Nation genau das notwendige Sprachrohr, denn auch seine Botschaft war die des unbedingten Nicht-Unterkriegen-Lassens: „Terroranschläge können die Fundamente unserer größten Gebäude erschüttern, aber sie können die Grundfesten Amerikas nicht berühren. Diese Taten haben Stahl zerschmettert, aber sie können den Stahl der amerikanischen Entschlossenheit nicht beschädigen“. Bush wurde nach den Anschlägen für kurze Zeit zum beliebtesten US-Präsidenten seit der Einführung solcher Umfragewerte. Sein Beschwören der Entschlossenheit wäre wahrscheinlich gar nicht nötig gewesen, er gab am Ende nur das wieder, was Millionen Amerikaner bereits fühlten.

Doch den Worten der unbändigen Entschlossenheit folgten, anders als oft zu heutiger Zeit, auch Taten. Bereits wenige Tage nach der Attacke wurde ein Wiederaufbau des World Trade Centers, in welcher Form auch immer, vorgeschlagen. 2006 begannen die Bauarbeiten am „One World Trade Center“. Das Gebäude überragt die ursprünglichen beiden Türme um über 100 Meter.

Eine Nation zieht wider Willen in den Krieg

Auch geopolitisch wurde eine neue Entschlossenheit entfacht. Das nationale Trauma der Vereinigten Staaten vor dem 11. September war die Niederlage im Vietnamkrieg. Eine Generation junger Männer war in den Dschungeln Südostasiens verloren gegangen. Seitdem herrschte eine regelrechte Kriegslähmung. Die USA traten, abgesehen von der sechsmonatigen Intervention in der irakischen Invasion Kuwaits, in keinen neuen Krieg mehr ein. Doch innerhalb eines Tages war alles anders.

Weniger als einen Monat nach den Vorfällen des 11. September begannen die USA die Invasion Afghanistans. Die in Afghanistan herrschenden Taliban hatten die Auslieferung des für den 11. September verantwortlichen Osama bin Laden und der al-Qaida Führungsriege verweigert. Im November bereits hatte man den Kopf der Terroristengruppe im Höhlenkomplex von Tora Bora lokalisiert. Doch in einer intensiven Schlacht konnte der Terroristenführer noch knapp entkommen. Der Nation, die vor einigen Monaten noch gar nicht in den Krieg ziehen wollte, blieb aber noch die Befreiung Afghanistans aus den Klauen der islamistischen Taliban.

Soldaten des US-Marine Corps waren plötzlich in den Bergen Afghanistans im Einsatz

Der Afghanistankrieg endete schließlich, 20 Jahre nach dem Start der Invasion, in einem Desaster. Auch die Beliebtheitswerte von Präsident Bush landeten irgendwann wieder im Keller. Die geeinte Stimmung im Land hielt nicht ewig an. Mit 9/11 waren die 90er und damit alle Vorstellungen des „Ende der Geschichte“ ein für alle Mal vorbei. Doch für einige Monate konnten die USA infolge des schwersten Angriffs auf Amerika seit Pearl Harbor über sich hinauswachsen. Für einige Monate ließen sich die Yanks wirklich durch nichts unterkriegen.

Aus heutiger Sicht erscheint als es logischer, ja unvermeidbarer Weg. Der in den 90ern mitunter vorherrschende Glaube, dass die westlichen Vorstellungen von Demokratie und Freiheit vom Rest der Welt akzeptiert wurden, zertrümmerte binnen kürzester Zeit unter dem blutigen Hass radikalislamischen Terrors, der genau diese freie Lebensart nicht akzeptieren wollte. Und daher in New York ins Herz der freien Welt schlug. Der freie Westen hat Gegner, er kann nicht an ein „Ende der Geschichte“ glauben, sondern muss sich behaupten und bereit sein, seine Freiheiten tagtäglich zu verteidigen. Manches dieser Entschlossenheit ist seitdem verloren gegangen, hat man sich zerreden lassen von post-kolonialen Mythen, die die Errungenschaften der westlichen Zivilisation verleugnen. Umso bewundernswerter erscheinen die Sekunden, Tage und Wochen, nachdem Mohammed Atta in den Nordturm des World Trade Center geflogen war.


Dieser Text erschien in einer ursprünglichen Fassung zuerst als Apollo News-Chronik und wurde anlässlich des 25. Jahrestags der islamistischen Anschläge vom 11. September 2001 in aktualisierter Fassung veröffentlicht.

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23 Kommentare

  • Gibt es auch Bilder der 4,5Mio. Toten, die im sog. „Krieg gegen den Terror“ von den USA umgebracht wurden?

    7
    • Je weniger Islam, je besser für den Planeten.
      Ausser Sie stehen auf Burka, Kalifat, Steinigungen und lieben es sich Bärtigen zu unterwerfen!

      2
      • Die Anstalt: Außenpolitik der USA im Nahen Osten
        https://www.youtube.com/watch?v=VxLFdl4S3fQ

        1
        • Die Anstalt war wirklich mal sehenswert. Lang ist’s her.,

          1
        • „war wirklich mal“

          Euer Wutbürger Frust ist halt wirklich nur Nostalgie an früher wo die Hüfte noch nicht kaputt war und nichts politisches. Früher links, heute links und alt.

          -1
      • Würde mich echt nicht wundern wenn es bei dir morgens mal klingelt und der Laptop ist dann ne Weile weg. So ein dummes Gesabbel.

        -1
        • Schau in den Spiegel.
          Da erkennst du einen Dümmlichen.

          1
  • Über 3000 Tote und heute jährt sich der Tag zum 25. ten mal.
    Hat jemand mal nachgerechnet wieviele Tote wir seit 2015 zusätzlich haben, die nicht sein müssten?
    Immerhin sind es laut Polizeistatistik pro Jahr 25000 Messerattacken.

    5
    • Welche Parteien sind da involviert?

      2
      • Merkel began mit den Grenzöffnungen, zuvor funktionierten fast alle Grenzen.
        Deutschland hatte selten Ärger mit Fremden. Danach kam die Ampel an die Macht und die haben fremde Bürger zu zigtausenden einfliegen lassen. Über das Wasser sind die von den Regierungen bezahlte NGOs aktiv. Für Geld machen die alles und sind sie nicht gestorben, so machen die das heute noch weiter.

        2
    • Wer in solchen egalitären Zahlenverhältnissen denkt der kapiert sowieso nichts von der Welt. Menschen sind nicht gleich und die Toten auch nicht. Wer schon Muffe vor „Messerattacken“ kriegt ist auch nicht fit für die Welt.

      -9
      • Es mag vielleicht nicht sehr wehtun, aber der psychische Schaden als Zufallsopfer dürfte beträchtlich sein.
        Auch durchtrennte Sehnen, Nerven und Muskeln sind alles andere als schön… wenn plötzlich Bewegungseinschränkungen bleiben oder Bereiche im Körper einfach taub bleiben.

        Klar, für Menschen wie sie ist das nur Messer rein, raus, kurz nähen und alles ist wie vorher… klar

        2
        • Mir völlig egal wovor du dir einmachst.

          -1
  • 9.11- Zehn Jahre danach von Mathias Bröckers und Christian C. Walther.

    https://bookbot.de/g/2140543/b/23941284?fallbackStrategy=mother
    Das beste Buch was ich jemals gelesen habe.
    Bröckers/Walther zerlegen jeden einzelnen Punkt des offiziellen Commission-Reports mit für jeden nachprüfbaren Fakten (Alle Quellen dazu sind im Buch angegeben).
    Die Autoren zeigen auch, wer in dieser Kommission saß und schon dabei sieht man, dass dieser Abschlussbericht eine einzige Farce und eine riesige Tatsachenverdrehung, vollgestopft mit unzähligen Lügen ist.
    Wer das Buch noch nicht kennt: Unbedingt lesen!!

    1
  • Der 11.9.2001 war der Anfang vom Ende….
    Und mir stockt noch immer der Atem, wenn ich an diese Bilder denke oder sie gar sehe.
    …ich saß damals völlig geschockt vor der Live Übertragung als der Reporter rief, da kommt noch ein Flugzeug… diese Erinnerung ist so gruselig!
    Alle Dinge die im Anschluss passierten sind natürlich genau so schlimm und auch verachtenswert- nur diese Bilder sind nicht löschbar!

    0
  • Als ich damals den Gesichtsausdruck von George W. sah, wusste ich, der weiß Bescheid. Mehr muss man dazu nicht sagen. Es wird fleißig an der Legende gewebt.

    0
  • Vor 25 Jahren wurden in Manhattan drei Hochhäuser gesprengt…

    0
    • Richtig, es war eine geplante Sprengung !!!

      1
  • Das Zitieren von Sure 9 Vers 111 führt hier zum „Warten auf Freigabe“. – Immer wieder sensationell.
    Aber Spenden sind weiterhin hochwillkommen.

    3
  • Schreckliche Erinnerung… werde ich nie vergessen Dienstag 8:46 am sass ich exakt im Flugzeug über Manhattan. .. dieser kristallklare blaue Himmel ohne einer einzigen Wolke…

    3
  • „… zurück zu alter Größe…“ da übertreiben sie maßlos. Man startet mit Kriegen und Nation Building Maßnahmen die allesamt scheitern.

    -2
  • Wenn keiner wissen will wieso die Amis es in mit Afghanistan verkackt haben…ach ja…. mit dem Iran auch…….ach ja, mit dem Irak auch..und Syrien…….und…..

    0
  • „Entschlossenheit“ heißt wegen Attentätern aus Ägypten, Saudi Arabien, UAE und Libanon die von einem Saudi befehligt wurden aus einer Höhle in Afghanistan heraus muss die US Armee eines der ärmsten, rückständigsten Länder der Erde für 20 Jahre besetzen um am Ende kläglich den Rückzug anzutreten.

    Was Max schreibt ist halt richtig peinliches Lobby Gesabbel.

    0

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