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Neuer Investor springt wegen Stromknappheit ab: Hunderte Arbeitsplätze fallen in Burgkirchen endgültig weg

Viele Mitarbeiter von Dyneon hatten nach Verkündung der Schließung ihres Werkes in Bayern auf eine neue Stelle bei einem spanischen Investor gehofft. Doch diese Pläne wurden durchkreuzt: Der spanische Konzern braucht zu viel Strom. Strom, den die Region nicht aufbringen kann.

Bayerisches Chemiedreieck

Der bayerischen Chemiekonzern Dyneon wird Deutschland verlassen. Und mit ihm 680 Arbeitsplätze. Letzteres steht nun endgültig fest. Burgkirchen, der Ort, in dem Dyneon produziert, hatte bis zuletzt konkret mit einem spanischen Investor verhandelt, der zumindest einige der insgesamt Jobs gerettet hätte. Doch dieser hat jetzt abgesagt. Die Ursache: Es fehlt der nötige Strom. Ende 2022 hatte der amerikanische Mutterkonzern von Dyneon, 3M, das Aus des bayerischen Werkes in Burgkirchen beschlossen. Die Absage des spanischen Investors macht den Job-Wegfall jetzt final.

Seit 1996 produzierte das Unternehmen am bayerischen Standort und wurde so zu einem wichtigen Arbeitgeber in der Region. Seitdem hatten dort rund 680 Mitarbeiter jährlich über 16.000 Tonnen Fluorelastomere, PTFE, Fluorthermoplaste und Spezial-Additive herstellt. Chemikalien, die als Vorprodukte für zahlreiche Bereiche gebraucht werden, etwa die Fotoindustrie, die Luftfahrt oder die galvanische Industrie. Auch bei der Herstellung von Computerchips und sogar Windrädern sei man darauf angewiesen. In über 50 Ländern vertreibt das Unternehmen seine Produkte. Burgkirchen an der Alz, war dabei Schalt-/Produktions- und Entwicklungszentrale, kurz das Herz, des Chemie-Unternehmens, das als Tochterfirma des amerikanischen Unternehmens 3M arbeitet.

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EU-Verbot und Stromknappheit machen die Produktion unmöglich

Ende 2022 versetze eine Entscheidung dieser Mutterfirma dann der Erfolgsgeschichte einen großen Riss: Das amerikanische Unternehmen 3M gab kurzerhand die Schließung der Produktion von Fluorpolymeren in Burgkirchen bekannt. 2025 sollte auf einmal alles dicht machen, die 650 Mitarbeiter ihren Job los sein. Die Ursache: Das von der EU geplante Verbot von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFAS). Die Stoffe gelten als umweltbelastend und potenziell gesundheitsgefährdend, begründete die Europäische Union das erlassene Verbot.

Bis vor Kurzem gab es aber eben noch einen Hoffnungsschimmer für die Mitarbeiter: Um die 250 Arbeitsplätze wollte Bürgermeister Johann Krichenbauer retten, indem man in Burgkirchen ein spanischer Konzern sich ansiedeln hätte können. Dieser hatte schon konkrete Pläne, sich in der Stadt anzusiedeln und so einen Teil der Belegschaft zu halten, berichtete die Passauer Neue Presse. Umsonst: Denn wie jetzt bekannt wurde, ist auch diese Hoffnung gestorben. Der spanische Investor ist raus. Der Grund: Der nötige Strom, den der spanische Konzern gebraucht hätte, kann von der Stadt nicht bereitgestellt werden. Stromknappheit in Deutschland – der Dealbreaker in der Zukunft von Burgkirchen.

Mitten im Chemiedreieck, „dem großen Hightech-Standort“, gibt es nicht genügend Strom

Das spanische Unternehmen gab nämlich hohe Vorgaben an: Es müsse eine Versorgung mit 50 Megawatt zwingend sichergestellt sein, damit man sich vorstellen könne, in Burgkirchen zu produzieren. Eine Menge, die scheinbar nicht zu erreichen war: Die Versorger TenneT und Bayernwerk gaben an, sie können Strom in dieser Größenordnung frühestens 2030 liefern.

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Bürgermeister Krichenbauer beklagt das: „Die spanische Firma kann nicht kommen, weil wir keinen Strom haben. Und das mitten im bayerischen Chemiedreieck, dem großen Hightech-Standort“, so der Bürgermeister der Freien Wähler.

Aufgeben gab man zunächst nicht: Gemeinsam mit dem bayerischen Wirtschaftsministerium bemühte man sich noch um eine Ersatzlösung für TenneT und Bayernwerk. Ein Schweizer Unternehmen, spezialisiert auf Großspeicheranlagen neben Umspannwerken, sollte einspringen.

Doch auch den Schweizern musste mitgeteilt werden, dass es derzeit „keine überschüssigen Strommengen für eine Speicherung“ gebe, wie Krichenbauer schilderte. Auch das Schweizer Unternehmen war damit raus, wieder haperte es am Strom. Die Anstrengungen also umsonst: Der Strom war nicht lieferbar. Und das spanische Unternehmen damit raus. Die 680 Mitarbeiter müssen sich also neu umschauen.

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