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Zielgruppe 14 bis 29-Jährige: ÖRR-Format porträtiert Stripperin

In einer Reportage bei "TRU DOKU", einem Format, das zu funk gehört, wird eine 24-Jährige Stripperin porträtiert. Ihr Beruf wird in dem Beitrag nahezu glorifiziert, während Kritik als "Vorurteil" abgetan wird. Zielgruppe von funk sind die 14-29-Jährigen.

„Ich bin Maria, 24 und arbeite als Stripperin“. Was darauf folgt ist ein Porträt über eine junge Agrarwissenschaftsstudentin, die nebenbei im Strip-Club arbeitet. Ausgestrahlt wird der Beitrag bei „TRU Doku“. Das gehört zu funk, dem Online-Content Netzwerk von ZDF und ARD, das sich an die Zielgruppe der 14-29-Jährigen richtet. „TRU DOKU“ selbst schreibt von sich, dass es „Bewegende Geschichten über junge Menschen“ behandelt.

In der kurzen Reportage berichtet Maria stolz von ihrem Nebenjob. Alles habe bei einem Partyurlaub in Kroatien begonnen. Dort beobachtete sie Background-Tänzerinnen eines DJs. Von deren Showeinlage sei sie „hin und weg“ gewesen. „Ich hatte irgendwie das Gefühl, diese Mädchen, die stehen da und denen ist total egal, was alle denken, und die machen da ihr Ding. Und die Menge feiert es voll ab. Ich fand das einfach richtig cool“. Wenige jahre später bewirbt sich die angehende Agrarwissenschaftlerinnen dann selbst als Stripperin.

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Ihren Beruf habe sie lange verheimlicht. Lediglich ihrer besten Freundin und ihrer Mutter habe sie sich zunächst anvertraut. Ihre Mutter berichtet von Sorgen, die sie anfangs umgetrieben hätten. Auch Vorurteile über die Branche, etwa was Kriminalität angeht, hätten mitgeschwungen. Dennoch habe sie ihre Tochter unterstützt. „Ich bin stolz darauf, wie selbstbestimmt du bist, wie charakterstark und trotzdem
kritisch und nicht so engstirnig.“ Probleme hat sie weniger mit der Berufswahl ihrer Tochter, sondern eher mit der Gesellschaft. Es würden Schubladen aufgezogen „und Maria inklusive ihrer Mutter da reingesteckt.“

Maria selbst erklärt: „Das Problem an der Sache ist natürlich, dass so wie Stripclubs, Bordelle und allgemein Sexwork dargestellt wird oft, man gar nicht die Möglichkeit hat, sich richtig darüber zu informieren und sich richtig darüber zu bilden.“

Maria verkauft ihr „Entertainment“

Dennoch ist Maria glücklich mit ihrer Berufswahl und geht mit dieser inzwischen auch selbstbewusst um. Sie verkaufe nicht sich und auch nicht ihre Seele. Sie verkaufe ihr „Entertainment“. Mit ihren Werten könne sie ihren Beruf problemlos vereinbaren, da sie ihr „ganzes Leben lang sexualisiert wurde“. „Ob ich jetzt in einer langen Hose an einer Baustelle vorbeilaufe und mir dann Pfeifen einfange oder ob ich im Kreisel
angehupt werde oder im Club einfach angepackt werde“, letztlich sei sie in vielen Lebenssituationen sexualisiert worden. Im Stripclub sei dies jedoch anders. Dort könne sie selbst zu 100 Prozent selbst entscheiden, „inwiefern ich mich jetzt sexualisieren lasse“.

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Jedoch berichtet sie auch von Schattenseiten ihres Jobs. Durch ihre Arbeit im Strip-Club hätte sie Schlafprobleme. Nach einer langen Nacht sei sie am nächsten Tag „total matschig“ sei weder lern- noch aufnahmefähig und könne sozial nicht interagieren.

Insgesamt wirkt die Reportage ziemlich unreflektiert. Kritik an der Arbeit als Stripperin werden als „Vorurteile“ abgetan, ohne näher auf sie einzugehen. Dass sich dieser Beitrag explizit auch an Minderjährige richtet, ist durchaus fragwürdig.

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