Gastbeitrag
US-Historiker entwirft in der SZ Szenarien, wie Donald Trump einen Putsch inszenieren könnte
In einem Gastbeitrag entwirft der Historiker Timothy Snyder fünf Szenarien, wie Donald Trump den Iran-Krieg vor den US-Zwischenwahlen innenpolitisch nutzen könnte, um einen Putsch zu orchestrieren. Belege für diese Zuspitzungen liefert er allerdings nicht.
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Der amerikanische Historiker und Universitätsprofessor Timothy Snyder entwirft in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung mehrere Szenarien für einen möglichen Putsch durch Donald Trump in den USA. Die Zeit dafür sei wegen des Iran-Kriegs und der sinkenden Unterstützung im eigenen Land besonders günstig. Konkrete Belege für eine tatsächlich vorbereitete Machtübernahme liefert Snyder allerdings kaum; sein Text arbeitet vor allem mit historischen Analogien und politischen Annahmen.
Der Historiker entwickelt dabei fünf mögliche Szenarien. Sein erstes Argument bezieht sich auf die Idee präsidentieller Kontinuität in Kriegszeiten. Trump könnte demnach einen andauernden Konflikt nutzen, um Wahlen infrage zu stellen oder auszusetzen – mit der Begründung, das Land brauche Stabilität und keine zusätzliche Unsicherheit durch einen Wahlkampf.
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Praktisch wäre ein solcher Schritt jedoch kaum umsetzbar. Die Wahltermine sind bundesgesetzlich festgelegt und werden vom Kongress – nicht vom Präsidenten – bestimmt. Selbst Bundesstaaten können einen Wahltag nicht eigenmächtig verschieben; der Oberste Gerichtshof bestätigte dies Ende der Neunzigerjahre im Fall Foster v. Love. Snyder räumt selbst ein, dass Trump dafür Verbündete bräuchte, die bereit wären, mitzugehen. Gerade daran aber fehlt es laut seiner eigenen Darstellung: Die Mehrheit der Amerikaner lehne den Iran-Krieg ab, und selbst innerhalb der MAGA-Bewegung gebe es Widerstand.
Snyders zweites Szenario spielt auf den sogenannten Bonapartismus an – in Trumps Fall also auf die Führung von Kriegen im Ausland, um sich als Demokratiekämpfer zu inszenieren und innenpolitisch demokratische Institutionen langsam abzubauen. „Wie der Name schon sagt, stand diese Strategie hinter den Napoleonischen Kriegen“, schreibt Snyder. Trump würde allerdings ohnehin kein Interesse an der Demokratie zeigen; vielmehr schwärme er für Diktatoren wie Wladimir Putin. Wie sich Napoleon und Donald Trump an dieser Stelle genau vergleichen lassen, lässt Snyder jedoch offen. Den Korsen als Beispiel für einen Demokratieexport anzuführen, wirkt jedenfalls erklärungsbedürftig.
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Snyders drittes Szenario zieht eine weitere historische Parallele aus dem 19. Jahrhundert – das bismarcksche Modell. Ähnlich wie Otto von Bismarck, der mehrere Kriege gegen äußere Gegner führte, um die deutsche Einheit herzustellen, könnte Trump versuchen, einen äußeren Konflikt zur nationalen Mobilisierung zu nutzen. Snyder selbst formuliert dazu: „Trump würde dieses Modell zweifellos gefallen. Sein Problem ist nur, dass er es nicht einmal schafft, einen wichtigen Krieg zu gewinnen.“ Wie aus einer nationalen Mobilisierung jedoch ein konkreter verfassungsrechtlicher Hebel gegen Wahlen entstehen soll, bleibt auch hier offen – eine Begründung liefert Snyder jedenfalls nicht.
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Am weitesten geht Snyder in seinem fünften Szenario, der Ausnutzung eines Terroranschlags oder sogar einer sogenannten False-Flag-Operation. Ein Angriff auf amerikanische Zivilisten könnte Trump demnach als Vorwand dienen, um den Ausnahmezustand auszurufen und Wahlen auszusetzen. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Trump, Putins Handlanger im Weißen Haus, diesen Ansatz in Betracht gezogen hat“, schreibt Snyder. Einen konkreten Beleg für diese Annahme liefert Snyder allerdings nicht; aus der allgemeinen Warnung vor autoritären Reflexen wird so die Unterstellung eines möglichen, bewusst herbeigeführten Anschlags, die letztlich auf einer bloßen Vermutung bleibt.
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Timothy Snyder ist ein US-Historiker, der sich auf autoritäre Regime spezialisiert hat. Er lehrt an der Universität von Toronto. Snyder positioniert sich stark gegen Donald Trump, weshalb er ihn in seinen Werken bereits mehrmals thematisiert hat. Der Gastbeitrag erschien in der Süddeutschen Zeitung.
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„Timothy Snyder ist ein US-Historiker“ … nennt man das nicht eher Verschwörungstheoretiker?
„Der amerikanische Historiker und Universitätsprofessor Timothy Snyder entwirft in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung mehrere Szenarien“
Was man nicht alle für ein paar Kröten tut. Selbst linke Schwurbelgazetten sind dafür noch gut genug.
Gestern wurde den USA noch der Atomschlag gegen Iran angedichtet. Die meisten verstehen nicht die Sprache von Trump und es gibt auch bei uns zu viele „Experten“…
Nichts für ungut, liebe Redaktion, aber ich habe bereits im ersten Satz bei „Süddeutsche Zeitung“ aufgehört zu lesen. 🤷🏻♂️
AfD Fans begreifen Information nicht als Information. Sie glauben, dass Information lediglich etwas ist, was man sich in den Mund stopft. „Mag ich, mag ich nicht“. Es gibt kein Hirn in dem Sinne, sondern nur einen Magen im Kopf.
Was an der SZ ist denn Information und nicht Toilettenpapier?
Ja,…ja,… in Linken Schubladen schlummern offensichtlich schon sehr genaue Pläne ….
Historiker? Eher Tagträumer und Naivling.
Alles Szenarien wie sie in der EU oder in Dummland auch durchgespielt werden.
Wieder mal Kalter Kaffee von der Alpenprawda.
Seit 9/11 sehen die Amerikaner auch einfach nicht mehr klar.
1. Wahlen wegen eines Krieges nicht abhalten: Ukraine unter Selenskyi.
2. Sich als Demokratiekämpfer inszenieren und innenpolitisch demokratische Institutionen langsam abbauen: Deutschland unter der „Mitte“.
3. Mehrere Kriege gegen äußere Gegner führen, um Einheit herzustellen: Europa unter VDL-Macron-Starmer-Merz.
4. Ein Führer opfere in einem großen Krieg genügend eigene Leute, damit die Überlebenden die Welt nur noch als Kampf gegen Feinde begreifen: Islamismus pur.
5. Ein Angriff auf Zivilisten könnte als Vorwand dienen, um den Ausnahmezustand auszurufen und Wahlen auszusetzen: Das Rezept der Hamas seit 2006.
Die „Süddeutsche“ sieht sich ja als linksliberales Schlachtschiff und wäre gerne die NYT Deutschlands. Bloß: Links und liberal driften heute wieder klar auseinander. Die 70er sind halt doch verdammt lang her.
Boomer: Whataboutism
Der Vergleich mit Napoleon passt schon. Der Korse kehrte auch als Verlierer aus Ägypten zurück und hat sich danach zum Diktator aufgeschwungen. Ähnlich verhält es sich mit Trump. Den Krieg gegen die Mullahs hat er krachend verloren und jetzt versucht er sein Scheitern als Sieg zu verkaufen. Mal sehen, wie weit er damit kommt.
Erneut die Frage um Belege für die von Amerikahassern gerne wiederholte Behauptung, wo die Amis unter Trump den Krieg denn verloren haben?
Und kommen sie mir nicht mit Hormuz. Das war eine von Trump absichtlich herbeigeführte Eskalation um die NATO vorzuführen.
……ich kann den Angstschweiß von AN förmlich riechen 🙂
Seit wann braucht’s denn für etwaige Szenarien konkrete Beweise ?
Es steht außer Frage, daß die Republikaner in USA längst verschiedene Optionen durchspielen, wie die Zwischenwahlen manipuliert und/oder gar verschoben werden können.
Auf normalem Wege hat orange lun@.ic keine Chance im November und im WH sitzt er nur durch seinen Freund EM.
Je näher der 03. November kommt, desto mehr dreht orange lun@.ic am Rad.
Wer so überzeugt daran glaubt, dass die Amis auf dem Mond waren, der glaubt auch an das Attentat auf orange lun@.ic, wo ihm angeblich durch das rechte Ohr geschossen wurde. Halt blöd, dass man davon bereits nach knapp 14 Tagen rein gar nichts mehr zu sehen war („I’m a fast heeler….“ 😂😂)
Mal abwarten, was in Ami-Land noch so abgeht die nächsten Wochen und Monate……..
„Wie sich Napoleon und Donald Trump an dieser Stelle genau vergleichen lassen, lässt Snyder jedoch offen. “
Wenn man keine historische Bildung hat kann man Snyder eben nicht nachvollziehen. Napoleon hat die Monarchien Europas umschwärmt. Er wollte sich mit dem russischen Zaren verbünden, anstatt dort die Leibeigenen zu befreien, wie es andere französische Revolutionäre wollten.
Und was hat das mit Trump zu tun?
Du verdeutlichst doch genau was ich geschrieben habe; ihr wisst überhaupt nichts.
„Belege für diese Zuspitzungen liefert er allerdings nicht.“
Apollo verschweigt, dass Trump eben selbst gesagt hat, sein einziger Fehler wäre es gewesen, das Weiße Haus zu verlassen. Er belohnt auch Leute die für ihn Straftaten begehen mit Begnadigungen. Die einzige nachweisbare Wahlmanipulation wurde für Donald Trump begangen.
Belege gibt es genug.
Apollo zeigt halt, dass die Schülerblogger hier nicht wirklich Bildung besitzen. Auf der einen Seite versteckt man sich hinter „Redaktion“, auf der anderen Seite wirft es ein negatives Licht auf alle Schreiber.