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USA

„Unfair“ für „marginalisierte Gruppen“: Anwaltsexamen in Washington abgeschafft

Der Oberste Gerichtshof des US-Bundesstaats Washington hat entschieden, die Anwaltszulassung für Juristen abzuschaffen - weil sie „marginalisierte Gruppen“ diskriminieren würde.

Bildquelle: Wikimedia Commons, Cacophony via CC BY-SA 3.0

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Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates Washington hat am Freitag offiziell das traditionelle Zulassungs-Examen für angehende Anwälte abgeschafft. Juristen müssen nun nur noch wenige Voraussetzungen erfüllen, um praktizieren zu dürfen – und das nur, weil „der übliche, anstrengende Weg“, Anwalt zu werden, für „marginalisierte Gruppen zu schwer“ sei. Das Examen sei für „People of Color“ eine „unfaire Barriere“.

Der Supreme Court beschloss die Änderung auf Grundlage der Arbeiten der sogenannten „Bar Licensure Task Force“ (zu Deutsch: „Taskforce Anwaltszulassung“). Sie wurde im Jahr 2020 extra gegründet, um die Diskriminierung von „marginalisierten Gruppen“ durch das Examen zu prüfen. Die Taskforce sollte die „unverhältnismäßige Auswirkungen auf farbige Prüflinge und Prüflinge der ersten Generation“ bewerten – und befand das bewährte System quasi für rassistisch.

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Die geltende Regelung ist damit nun nach dem US-Bundesstaat Oregon auch in Washington Vergangenheit: Bisher mussten Studenten mehrere Jahre studieren und ein Praktikum bei einem anderen Anwalt absolviert haben, bevor sie überhaupt zur Anwaltsprüfung zugelassen wurden. Nach den neuen Richtlinien können Anwälte auf das im Jahr 1783 erstmals in Delaware durchgeführte Examen verzichten, indem sie an einer sechsmonatigen Ausbildung teilnehmen und drei Kurse absolvieren.

Statt eines groß angelegten und bekanntermaßen schwierigen Examens reichen damit mindestens drei Stunden juristische Arbeit pro Woche, insgesamt müssen es 500 Stunden juristische Erfahrung vor dem Abschluss sein, und 12 Qualifikationspunkte als lizenzierte Rechtsreferendare, um ein anerkannter Anwalt zu werden.

Heißt: Auch Rechtsreferendare können theoretisch eine Zulassung erhalten, wenn sie die 500 Stunden leisten und „standardisierte Lehrmaterialien und Benchmarks unter der Anleitung eines Mentors absolvieren“ – ganz ohne Universitätsabschluss.

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Eine Änderung, die bei den Verantwortlichen für Jubel sorgt: „Ich möchte meinem Co-Vorsitzenden Dean Varona und allen Mitgliedern der Taskforce danken, die in den letzten drei Jahren so hart daran gearbeitet haben, diesen neuen Weg für Washington zu entwickeln“, sagte Richterin Montoya-Lewis, die sowohl im Supreme Court als auch in der Taskforce beschäftigt ist.

Ein „Glück“, nannte es auch Anthony Varona, der Dekan der Seattle University School of Law, „einen Obersten Gerichtshof zu haben, der immer wieder innovative Ansätze zur Korrektur von Ungerechtigkeit und zur Erweiterung des Rechts und der Rechtsdienstleistungen anwendet“. Nur so könne man auf die „Bedürfnisse der unterversorgten und marginalisierten Menschen“ eingehen.

Dass die Qualität anwaltlicher Dienstleistungen unter der Entscheidung leiden könnte, scheint keinen zu besorgen – genauso wenig wie die Tatsache, dass die Anwalts-Voraussetzungen in den USA nun von Staat zu Staat extrem unterschiedlich sind.

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