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Niedersachsen

Strafanzeige gegen Kita: „Sexualpädagogisches Konzept“ für Kleinkinder

Ein Teilnehmer eines Elternabends über die „Sexualentwicklung meines Kindes“ zeigt sich besorgt: Auf dem Vortragsabend des SOS-Kinderdorfes in Worpswede soll es auch um „Genitale Exploration“ gegangen sein. Während die Polizei dafür keinen Anhaltspunkt sieht, hält sich die Einrichtung bedeckt.

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„Genitale Exploration“ und das Genießen von Nacktheit im Kindergarten? Genau das wird immer häufiger zum Thema pädagogischer Konzepte in deutschen Kindertagesstätten. Auch die öffentliche Einrichtung des SOS-Kinderdorfs im niedersächsischen Worpswede fällt mit derartigen Ausführungen über die „Sexualentwicklung“ von Kindern auf, berichtet ein anonymer Teilnehmer eines Themen-Elternabends gegenüber Apollo News. Auf Nachfrage wollte sich die Einrichtung nicht äußern. Es liegt eine Anzeige wegen Kindeswohlgefährdung vor.

Konkret geht es um ein „sexualpädagogisches Konzept“, das auf einem freiwilligen Elternabend am 27. Mai besprochen worden sein soll – eine dahingehende Anfrage an das SOS-Kinderdorf blieb unbeantwortet. Der Teilnehmer erklärt gegenüber Apollo News, die Referentin, als Sozialpädagogin und Fachberaterin für sexualisierte Gewalt beim SOS-Kinderdorf angestellt, habe verschiedene Konzepte für Ein- bis Zweijährige, Drei- bis Fünf- und Sechs- bis Zwölfjährige unter dem Titel „Die Sexualentwicklung meines Kindes“ dargelegt.

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Für die jüngste Kohorte habe die Referentin über wünschenswerte Vorstöße im Kindesalter gesprochen, beispielsweise das Berühren von Genitalien. Auf Nachfrage aus dem Publikum habe die Sozialpädagogin diesen Punkt weiter ausgeführt, berichtet der Teilnehmer. So habe beispielsweise ein Kind während des gemeinsamen Duschens an dem Geschlechtsteil des Vaters gezogen, soll sie anekdotisch erklärt haben. Das könnte den Kindern beim Verstehen der menschlichen Physiognomie und der eigenen körperlichen Abläufe helfen. Die Referentin soll derartige Vorstöße positiv beschrieben, nicht jedoch für den Kita-Alltag gefordert haben.

Polizei sieht keinen Anhaltspunkt für Kindeswohlgefährdung

Während dieser Ausführungen soll die Sozialpädagogin immer wieder betont haben, dass es ihr um den Schutz der Kinder ginge. Fragwürdige Vorstöße wie „Menstruationsräume“ oder „Original Play“ lehnte sie entschieden ab. Auf eine zweite Nachfrage, ob der Elternabend in dieser Form stattgefunden hat, welche Themen zu welchem Zweck besprochen wurden und inwiefern sich die Inhalte im Kita-Alltag wiederfinden könnten, äußerte sich das SOS-Kinderdorf gegenüber Apollo News erneut nicht.

Währenddessen stellte die familienpolitische Sprecherin der AfD in Niedersachsen, Vanessa Behrendt, Strafanzeige wegen Kindeswohlgefährdung. Dass Eltern auf dem Themenabend angeleitet wurden, das Anfassen von Genitalien durch Kinder zu etablieren, konnte sich laut Polizei allerdings nicht bestätigen. „Aus diesen Vernehmungen hat sich nicht ergeben, dass sich dieser Vorwurf in irgendeiner Form erhärten kann“, sagte ein Sprecher der Polizei Verden gegenüber Apollo News.

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Mehrere Teilnehmer des Elternabends waren als Zeugen vernommen worden. Der Bericht mit den polizeilichen Erkenntnissen wird demnächst der Staatsanwaltschaft zur juristischen Prüfung übergeben. Ob die Strafanzeige wegen Kindeswohlgefährdung zu weiteren Ermittlungen führt, entscheidet sich also in den kommenden Wochen.

Der Teilnehmer zeigte sich währenddessen erleichtert, dass die Kita in Worpswede keinerlei sexualpädagogisches Konzepte verfolgt, das eine Frühsexualisierung der Kinder in Abwesenheit der Eltern anstrebt. Und dennoch äußerte er sein Unbehagen: „Für mich ist das eine fremde Welt, Kleinkinder in den Bereich der Sexualität zu drücken, in welcher Form auch immer“, erzählte er gegenüber Apollo News. „Sie hat so argumentiert, dass eine Enttabuisierung, auch begriffliche Enttabuisierung, dazu beiträgt, dass sich Kinder im Falle von sexueller Gewalt eher trauen, darüber zu sprechen, als wenn alles tabuisiert ist.“

SOS-Kinderdorf weltweit wegen Missbrauchsskandal in der Kritik

Derartige Vorstöße sind in Deutschland nichts Neues. Einige Einrichtungen streben sogar eine absurde Frühsexualisierung der Kinder an, etwa ein Kindergarten in Kerpen, der bereits im November 2023 ein sexualpädagogisches Konzept entwarf, das Masturbationsräume für Kinder vorsah (Apollo News berichtete). Und auch die SOS-Kinderdorf-Organisation ist nicht das erste Mal in den Schlagzeilen.

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Erst im vergangenen Jahr legte eine unabhängige Kommission einen Prüfbericht vor, der eklatante Vergehen an Kindern über Jahrzehnte in SOS-Kinderdorfeinrichtungen offenbarte. Nachdem 2021 erste Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch öffentlich wurden, beauftragte die Nichtregierungsorganisation SOS-Kinderdorf eine Kommission mit der weltweiten Aufklärung der Vorkommnisse.

Das Ergebnis: Vergewaltigungen, Kinderschwangerschaften und Zwangsabtreibungen in über 20 Ländern wurden seit den 1980er Jahren von den SOS-Kinderdörfern verschwiegen. Auch in den 2010er Jahren soll es noch zu schwerwiegenden Vorfällen, beispielsweise in Nepal, gekommen sein. In Deutschland konnte die Sonderkommission ebenfalls Hinweise sammeln: 160 Fälle von Kindesmissbrauch könnte es demnach in deutschen Einrichtungen gegeben haben.

Der empörende Kommissionsbericht konterkariert somit die eigentliche Mission der SOS-Kinderdörfer, die auf ihren Webseiten stets mit dem Kindesschutz werben. Auch die Einrichtung in Worpswede hält an dem Ziel fest, „die Kinder und Jugendlichen zu stabilisieren und zu entlasten, um in einer Situation von erlebter Gewalt einen sicheren Ort anzubieten und sie darin zu bestärken, Ihren eigenen Gefühlen und Grenzen zu vertrauen.“

Ein weiterer relevanter Faktor: die SOS-Kinderdorfeinrichtungen in Deutschland sind der öffentlichen Hand zur Rechenschaft verpflichtet, weil sie in Teilen aus öffentlichen Mitteln, sprich Steuergeldern finanziert werden. Bezogen auf den Vortrag zur „Sexualentwicklung“ von Kleinkindern bedeutet das: Der Staat trägt mögliche „sexualpädagogischen Konzepte“ mit und unterstützt sie durch öffentliche Gelder.

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