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ÖRR-YouTuberin erhält Kulturpreis Deutsche Sprache

So attackierte „MaiLab“ Ungeimpfte

Die ÖRR-YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim erhält den Kulturpreis Deutsche Sprache. Neben Chemiethemen zu erklären, belehrt sie ihre Zuschauer aber auch gerne, gerade wenn es um die Impfpflicht oder den Klimawandel geht.

Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim wird mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache ausgezeichnet. Die Jury begründete ihre Wahl mit der klaren, verständlichen Sprache der Youtuberin, mit der sie komplexe wissenschaftliche Inhalte einem breiten Publikum vermittelt habe. Die meisten kennen die Youtuberin von ihren Erklärvideos auf ihrem Kanal „Mailab“, der zu den Öffentlich-Rechtlichen gehört und knapp 1,5 Millionen Abonnenten hat. Nguyen-Kim ist promovierte Chemikerin – nicht wenige haben wohl wie ich mit ihren Videos früher mal für einen Chemietest gelernt – doch einfachen Schulstoff behandelt sie schon lange nicht mehr. 

Unter dem Motto „Liebe zur Wissenschaft“, macht sie seit Jahren Faktenchecks in Videoform, in denen sie beispielsweise Cannabis „wissenschaftlich prüft“ oder erörtert, ob Süßstoff schädlich für uns ist. Spätestens seit Corona hat sie ihr Themenfeld allerdings immer weiter geöffnet. Ganz nebenbei sind aus farbenfrohen, betont lockeren „Gucken wir uns das mal an“-Videos ziemlich verbissene „Jetzt kapiert das doch endlich, ihr dummen Holzköpfe“-Beiträge geworden. Zu den Holzköpfen gehörten – natürlich – vor allem die Ungeimpften und „Klimaleugner“. 

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Guckt man sich heute beispielsweise ihr Video „Impfpflicht ist OK“ aus dem November 2021 an, ist das wie eine Zeitreise. Bei Sätzen wie „Wer diese Fakten verstanden hat, kann nicht anders als zu sagen: Arm frei und rein mit der Impfung“, fühlt man sich direkt zurückversetzt in die dunkelste Zeit der Corona-Pandemie, in der es zunehmend gesellschaftlich akzeptiert wurde, Ungeimpfte wie Aussätzige zu behandeln.

Nguyen-Kim erklärt in ihrem Video unter anderem, dass die Gesellschaft nicht durch die Debatte über eine Impfpflicht gespalten werde, sondern weil bestimmte Menschen keine „Fakten“ anerkennen würden und ein Freiheitsverständnis hätten, das „nichts anderes als Egoismus“ sei.

Corona-Impfung sei wie ein Autogurt, Impfskepsis „Egoismus“

Vielmehr würden „die restlichen, vernünftigen Menschen in der Gesellschaft“ (sie meint die Geimpften) „an die Grenzen ihrer Empathiefähigkeit gebracht“. Immerhin sei die Impfung „sicher“ und spät auftretende Nebenwirkungen „nicht zu erwarten“. Sich aus Angst vor seltenen Nebenwirkungen nicht impfen zu lassen, sei so wie aus Angst, sich den Finger am Anschnaller einzuklemmen, den Autogurt nicht anzulegen.

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Die Gefahr, nicht angeschnallt bei einem Autounfall zu sterben, sei doch viel schlimmer und wahrscheinlicher als die Angst vorm eingeklemmten Finger – und so verhalte es sich eben auch mit der Angst vor Impfnebenwirkungen im Vergleich zu den Folgen einer Coronainfektion.

Da haben wir sie also, die klare verständliche Sprache, für die Nguyen-Kim nun ausgezeichnet wurde. Mehr davon kann man sich beispielsweise in einem Video über Dieter Nuhr aus dem August 2020 angucken. Dort kritisiert sie verschiedene Aussagen des Komikers. Beispielswiese sei es „gefährlich zu sagen, dass Masken nicht gegen Ansteckung helfen“.

Nebenbei lästert sie über die damals beginnenden Corona-Demos als das Gegenteil von „Wissenschaft ernst nehmen“ und erklärt uns zum Klimawandel: „Dass Klimawandel Menschen gemacht ist, ist wissenschaftlicher Konsens. Und dem wissenschaftlichen Konsens ist es vernünftig zu folgen.“ Na dann halten wir besser alle mal die Klappe. 

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Lockdown-Kritik: „Destruktive Diskussion“

Den Mund halten sollen hätte Nguyen-Kims Ansicht nach auch Jan Josef Liefers, anstatt die Aktion #allesdichtmachen zu starten. Im April 2021 wirft die Youtuberin dem Schauspieler bei „Maybrit Illner“ vor, mit seinen Videos eine „destruktive Diskussion“ angestoßen zu haben, die die Gesellschaft spalte. Und das könne man „gar nicht gebrauchen“. Fast belustigt überheblich fragt sie Liefers, ob ihm nicht bewusst gewesen sei, dass seine Videos „Narrative“ von „Querdenkern“ bedienen. Sie als Wissenschaftlerin denke ja immer vorher durch, welche Konsequenzen ihre Aussagen auf die Zuhörer haben könnten. 

Der letzte Satz ist interessant. Heißt das, Nguyen-Kim hat sich auch ganz genau überlegt, wie sehr sie die Ungeimpften beschimpfen will? Hat sie erörtert, welche Folgen ihre Videos auf ihre Zuhörer haben könnten? Was sie wohl einer Mutter sagen würde, deren junger Sohn sich auf ihre Empfehlung hin impfen lassen hat und daraufhin wegen einer Myokarditis auf der Intensivstation behandelt werden musste, ja gestorben sein könnte. Oder einem umgeimpften Pfleger, der wegen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht seinen Job verloren hat. 

Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird von der Eberhard-Schöck-Stiftung und Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen und stellt sich laut Angaben der Stifter in die Tradition der deutschen Aufklärung. Auch Nguyen-Kim betont immer wieder in ihren Videos, dass sie Aufklärung betreibe. Auffällig ist aber, dass der „Wahlspruch der Aufklärung“, wie Immanuel Kant einmal sagte, nicht für Nguyen-Kim zu dienen scheint. „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, sagten die deutschen Aufklärer vor über 200 Jahren, Nguyen-Kim möchte lieber, dass wir ihr gehorchen.

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