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Rennen ums Weiße Haus

Trump liegt vorne, ein Newcomer mischt das Feld auf: So sieht es bei den konservativen Vorwahlen aus

Bei den US-Republikanern wird es ernst: Die erste Fernsehdebatte der Vorwahlen findet statt. Ein Überblick über den Stand des Rennens ums Weiße Haus bei der „Grand Old Party“.

Bildquelle: Gage Skidmore, Wikimedia Commons via CC BY-SA 3.0

Kurz vor der ersten Fernsehdebatte scheinen im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf der Republikaner die Verhältnisse klar zu sein. Während Ron DeSantis von einer schlechten Umfrage zur nächsten taumelt, holt ein anderer Kandidat auf. Doch sitzt Trump tatsächlich so fest im Sattel, wie es wirkt?

Die Wochen seit DeSantis Ankündigung, die Präsidentschaft anstreben zu wollen, sind für den Gouverneur von Florida unglücklich verlaufen. Als am 9. November letzten Jahres die Midterms vorbei waren, schien sich ein politisches Erdbeben abzuzeichnen: DeSantis, gerade mit fast 60 Prozent der Stimmen als Gouverneur von Florida wiedergewählt, stand im krassen Gegensatz zu Trump, dessen handverlesene Kandidaten für zahlreiche Gouverneurs- und Senatssitze reihenweise scheiterten. Floridas Gouverneur galt schon lange als möglicher Kandidat fürs Präsidentschaftsamt, und der Wahlabend verbesserte seine Situation deutlich.

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DeSantis bleibt Trumps gefährlichster Rivale – aber auch weit entfernt von dessen Umfragewerten

Er kam Trump in Umfragen gefährlich nahe und das veranlasste den Ex-Präsidenten in eine rhetorische Offensive nach der anderen gegen den internen Rivalen zu gehen. Doch nun, 9 Monate später, hat sich das Blatt gewendet. DeSantis ist zwar jetzt offiziell im Rennen, doch Trump konnte seine Führung in dem Umfragen ausweiten. Was ist passiert, damit die Aussichten für DeSantis so eine dramatische Wendung hingenommen haben?

Es liegt an mehreren, teilweise von DeSantis selbstverschuldeten Faktoren. Primär wurde er allerdings aber indirekt Opfer von Trumps vermeintlichen Straftaten. Der Ex-Präsident wurde innerhalb weniger Monate viermal angeklagt. Nach jeder Anklage erfuhr Trump einen großen Sprung in den Umfragen und hängte so seinen Gegner nach und nach ab. Manch ein DeSantis-Anhänger vermutet gar eine Verschwörung der demokratischen Staatsanwälte. 

DeSantis bleibt größte Gefahr für Biden

Demokratische Polit-Strategen hören nicht auf zu betonen, dass DeSantis für Präsident Biden ein größerer Gegner sei. Mit fast aussichtslosen Anklagen kann man auf diese Weise Trump helfen, die republikanischen Vorwahlen zu gewinnen, um dann gegen Biden in der Hauptwahl zu verlieren; so zumindest die These mancher Republikaner. Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, dass die Demokraten solche Taktiken anwenden würden. Letztes Jahr unterstützten demokratische Spendenfonds bei zahlreichen Vorwahlen die vermeintlich extremeren Republikaner, um die eigenen Wahlchancen zu stärken.

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Manche republikanischen Gegner versuchen, trotz der bisherigen Rückschläge, die Anklagen gegen Trump zu nutzen. Mike Pence stellt sich als ein von Trump bedrängter Verteidiger der Demokratie dar, während der entschiedenste Trump-Gegner unter den Republikanern, Ex-Gouverneur Chris Christie, neues Kanonenfutter gegen den Ex-Präsidenten gefunden hat. DeSantis hält sich in Hinblick auf Trumps Anklagen meist recht bedeckt und kritisiert primär die allgemeine Politisierung des FBIs und des Justizministeriums.

Ähnlich verhält es sich mit Nikki Haley und Tim Scott, den beiden Hoffnungsträger aus South Carolin. Sie verzeichneten zwar kürzlich einen Anstieg in den Umfragen, sind aber mit jeweils etwa 3 Prozent dennoch weit abgeschlagen. Für Trumps Ex-Vize Mike Pence sieht die Stimmung zwar marginal besser aus, doch hat er Probleme damit, genug Spenden an Land zu ziehen. Gerade unter Trump-Fans bleibt er auf Dauer unbeliebt. 

Damit bleibt es dabei: DeSantis scheint der einzige Republikaner zu sein, der Trump wirklich Konkurrenz machen könnte. Er bleibt beliebt unter den allermeisten Republikaner – nur ist Trump bei vielen noch beliebter.

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Ramaswamy mischt das Feld auf, will aber kaum Unterschiede zu Trump ziehen. Bildquelle: Gage Skidmore, Wikimedia Commons via CC BY-SA 2.0

Ohne neue, riskante Schritte wird es ihm wohl nicht gelingen, Trump einzuholen – auch wenn der Gouverneur in Relation zu den anderen Kandidaten immer noch ziemlich gut dasteht. Am nähesten zu DeSantis zweiten Platz kommt inzwischen einzig Vivek Ramaswamy, ein bis vor kurzem relativ unbekannter Unternehmer aus Ohio. 

Aus dem Stand heraus hat Platz 3 in den Vorwahl-Umfragen erobert; Tendenz steigend. Seine Wahlkampagne verspricht einen „American Dream 2.0“ und schlägt auch sonst vor allem positive Töne an. Diese hoffnungsvolle Rhetorik und das frische Auftreten des 38 Jahre alten Millionärs mit indischen Wurzeln erinnern an Obamas Wahlkampf im Jahr 2008.

Meint er es ernst?

Allerdings versucht er aktuell vor allem damit herauszustechen, dass er Trumps größter Verteidiger unter den anderen Kandidaten ist. Kritik an Trump oder warum man ihn statt Trump wählen sollte, hört man nicht. Ob er daher tatsächlich daran glaubt die Vorwahl zu gewinnen, bezweifeln viele seiner Kritiker. Womöglich geht es ihm auch nur darum seinen Bekanntheitsgrad zu steigern, und vielleicht ein anderes Amt, etwa einen Kabinettsposten unter Trump, zu ergattern – in so einem Fall läuft es jedenfalls fabelhaft für den Newcomer.

Ob sich Ramaswamys Aufwärts-Trend fortsetzen lässt, wird sich noch zeigen. Am Mittwochabend amerikanischer Zeit steht jedenfalls die erste Fernsehdebatte zwischen den verschiedenen republikanischen Präsidentschaftskandidaten an. Alle werden vor Ort sein – bis auf Trump. Der sieht seinen Vorsprung als so groß, dass er sich gar nicht erst beteiligt.

Dennoch sollte man die Bedeutung dieser Veranstaltung nicht unterschätzen. In den letzten Jahren haben sich die parteiinternen Vorwahldebatten als entscheidend für den Wahlkampf erwiesen. Zahlreiche Kandidaten (zuletzt Kamala Harris 2020) erfuhren dort einen katastrophalen Rückschlag, während andere herausstachen. Die Spannung bleibt also trotz Trumps früher Führung hoch. Mit klugen Aktionen könnten sowohl DeSantis als auch ein Überraschungskandidat noch den Ex-Präsidenten vom Tron stürzen.

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