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„Toxische Männlichkeit“

RBB: Frauen werden im ÖPNV belästigt, weil Männer nicht „feministisch“ genug sind

Würden sich Männer kritischer mit ihrer Männlichkeit auseinandersetzen, gäbe es weniger sexuelle Übergriffe auf Frauen - das behauptet rbb24 in einem aktuellen Beitrag. 

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„Warum belästigen so viele Männer fremde Frauen in der Bahn?“, fragt rbb24 in einem Interview von Dienstag den Leiter des Instituts für Kritische Männlichkeitsforschung, Christoph May. Seine Antwort: „Weil viele Männer von klein auf lernen, Frauenkörper zu sexualisieren und zu objektivieren.“ May bietet Workshops zu einem kritischen Umgang mit Männlichkeit an. Gegenüber rbb24 macht er klar, dass er die sexuelle Belästigung von Frauen für eine Folge der fehlenden selbstkritischen Auseinandersetzung von Männern mit ihrer Männlichkeit hält. 

Seiner Ansicht nach haben Männer „keine Probleme in der Gesellschaft“, sie seien privilegiert und müssten sich keine Gedanken machen, wenn sie nachts mit Bus und Bahn fahren. Er würde sich daher wünschen, dass sich mehr Männer „ganz aktiv mit weiblichen und queeren Lebensrealitäten auseinandersetzen“. Das könne beispielsweise so aussehen, dass sie ihre „klassischen Männerbünde“ verlassen und zu Frauenfußball-Spielen gehen.

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Es reicht nicht, „seine Fingernägel anzumalen“

Überhaupt sollten Männer laut May möglichst früh damit anfangen, an ihren Geschlechter- und Rollenbildern zu arbeiten. „Wenn du als Vater nicht vorlebst, wie du dich in Deinem eigenen Alltag mit queeren und weiblichen Menschen umgibst, funktioniert das nicht“, erläutert May. Es reiche nicht, „sich die Fingernägel anzumalen“. Man müsse seinen Kindern vorleben, dass man „begeistert Frauen-Fußball“ schaut, in „diversen Freundeskreisen“ lebt und zuhause „100 Prozent die Sorge- und Haushaltsarbeit“ leistet. 

Bei seinen Workshops möchte May Männer dabei unterstützen, sich mit ihrer Männlichkeit auseinanderzusetzen und sich „feministisch“ zu verhalten. Dafür macht er mit seinen Teilnehmern verschiedene Übungen, unter anderem wird in einer Diskussion die Redezeit der Männer auf anderthalb Minuten begrenzt, während Frauen so lange reden können, wie sie wollen. „Männer müssen lernen zuzuhören“, erklärt May.

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Außerdem rät der Coach Männern einzuschreiten, wenn sie mitbekommen, dass eine Frau belästigt werde. Man solle auf den Täter „zugehen“ und ihm „sagen, dass das nicht in Ordnung ist“ und sie „sofort damit aufhören müssen“. Wichtig sei, dass man ihnen auch erkläre, was gerade passiert ist und sie auffordere, sich bei der Frau zu entschuldigen. 

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Auf die Frage, was er von dem Trend des sogenannten „Subway-Shirt“ halte (Apollo News berichtete), antwortet May: „Ich finde es traurig, dass wir immer noch in einer Gesellschaft leben, in der so etwas überhaupt nötig ist.“ Eine kreative Formulierung, sie impliziert: Sexuelle Übergriffe auf Frauen in der Öffentlichkeit seien nichts Neues. Dass sich Frauen unsicherer fühlen, könne also nicht zum Beispiel darauf zurückgeführt werden, dass seit 2015 immer mehr junge Männer aus Ländern einreisen, in den Gewalt gegen Frauen zum Alltag gehört.

Jeder deutsche Mann soll sich selbst an die Nase fassen – er und sein Geschlecht seien Schuld an der Angst der Frauen. Würden alle ein bisschen mehr Nagellack tragen und Teller putzen, können die Frauen schon bald wieder unbesorgt mit kurzem Rock in die Bahn steigen. Der rbb findet diese Argumentation offensichtlich plausibel. 

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