Männer hatten unfairen Nachteil

Norweger ändert sein Geschlecht um über Frauenpunkte an Uni zugelassen zu werden

An der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie werden Frauen in bestimmten Studiengängen bevorzugt. Ein junger Mann der deshalb die erforderlichen Zulassungspunkte knapp verfehlte, traf daraufhin kurzerhand die Entscheidung, sein Geschlecht zu wechseln - mit Erfolg.

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Ein junger Mann hat sich das norwegische Selbstbestimmungsgesetz zu Nutze gemacht, um über extra Punkte für Frauen in einen begehrten Studiengang an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) zu gelangen. Er verfehlte die Zulassung als Mann knapp, weil die Kriterien durch die Bevorzugung der weiblichen Studenten noch höher waren, als in den letzten Jahren. Also änderte er per Amtsweg sein Geschlecht – das sei so einfach gewesen, „wie seinen Handy-Tarif zu wechseln“.

An der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) gibt es laut eigener Website einen „Entwicklungsplan für Gleichstellung und Vielfalt der Geschlechter“, um ein „Ungleichgewicht“ zwischen den Geschlechtern in bestimmten Studiengängen zu verhindern und die „Unterrepräsentanz“ von Frauen zu bekämpfen. Weibliche Bewerber erhalten im Zulassungsverfahren deshalb extra Punkte – so auch im renommierten Studiengang „Industrial Economics and Technology Management“. 

Durch Frauen-Bevorzugung, hat sich der Geschlechteranteil umgekehrt

Der Studiengang hat laut der norwegische Zeitung Dagbladet eine der höchsten Zulassungsbeschränkungen im ganzen Land – die durch die Einführung der Geschlechterpunkte nicht nur gestiegen ist, sondern das Geschlechterverhältnis der Studenten in Gänze umgekehrt hat. Frauen konnten in diesem Jahr 170 Studienplätze ergattern, während Männer nur 82 Plätze besetzen konnten. Im Jahr zuvor waren es noch 119 Frauen und 165 Männer.

Unfair, dachte sich ein junger Norweger wohl, als er die Mindestzahl der Zulassungspunkte wie viele andere junge Männer knapp verfehlte. Also traf er kurzerhand die Entscheidung, sich die Frauenpunkte zu Nutze zu machen – und wechselte offiziell sein Geschlecht.

Dank der progressiven Gesetze in Norwegen ein einfaches Unterfangen. In dem skandinavischen Land kann seit dem Jahr 2016 jeder ab 16 Jahren sein Geschlecht beim zuständigen „Tax Office“ ändern lassen – dafür brauch es nicht mehr, als ein einfaches Formular an die Finanzbehörde, die für Namensänderungen und Meldefragen zuständig ist, zu schicken. Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 15 Jahren können ihr Geschlecht mit Zustimmung der Eltern ändern lassen – wie auch im neuen Selbstbestimmungsgesetz der Ampel, kann im Streitfall die regionale Verwaltung (in Deutschland das Jugendamt) eine Entscheidung nach „Kindeswohl“ treffen.

„Von meinem Beginn bis zum Abschluss der Geschlechtsumwandlung vergingen etwa sieben Wochen“ sagte der junge Mann der Zeitung Finansavisen – das sei so einfach gewesen, „wie seinen Handy-Tarif zu wechseln“. Und es hat sich für ihn gelohnt, dank der Zusatzpunkte für sein „neues Geschlecht“ erreichte er die erforderliche Mindestanzahl der Punkte für die Zulassung. 

Geschlechtswechsel aus Frustration

Er behauptet außerdem, dass er nicht der einzige sei, der sein Geschlecht geändert hat, um eine besser Chance auf den Studienplatz zu erhalten. Dagbladet berichtet, dass sie mit mehrere dieser Personen gesprochen – sie sagten, dass die Frustration über die Geschlechterbevorzugung der Grund für den drastischen Schritt gewesen sei.

Obwohl diese Tatsache bekannt wurde, sagte die Dekanin der Fakultät für Wirtschaftswissenschaftten der NTNU, Monica Rolfson, der Zeitung Khrono, dass sie nicht die Absicht habe, die Angelegenheit weiter zu verfolgen. Was für ein Geschlecht der Schüler hat und ob ein Schüler sein Geschlecht ändert und warum, sei laut Rolfson Privatsache.