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Ideologie in Grundschulbüchern

Mexikanische Eltern verbrennen kommunistische Schulbücher

Die mexikanische Regierung hat Schulbücher als Pflichtlektüre eingeführt, die den Kommunismus verherrlichen. Nach wochenlangen Protesten von Eltern kam es nun zu Bücherverbrennungen.

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In Mexiko wird nicht lange gefackelt, sondern direkt verbrannt: Kontroverse staatliche Schulbücher haben unter mexikanischen Eltern für Proteste gesorgt – nun hat eine Gruppe Eltern kistenweise davon verbrannt. Bereits seit Wochen wird Protest gegen die Schulbücher laut, die nach Meinung vieler Eltern der „marxistisch-kommunistischen“ Indoktrination dienen. 

So steht zum Beispiel im Vorwort eines der Schulbücher für die siebte Klasse: „Die Rabfak, die Arbeiterschulen in der ehemaligen Sowjetunion, galten als Orte des Wissens. Der Traum ist, dass mexikanische Mittelschulen und ihre Lehrbücher diese Qualität erreichen können“. Ein Kapitel im Lehrbuch für Naturwissenschaften, Mathematik und Geschichte der vierten Klasse trägt den Titel: „Der Verfall von Natur und Gesellschaft in der kapitalistischen Kultur“. Multinationale Konzerne, Konsumverhalten und importierte Lebensmittel werden als grundsätzlich schlecht dargestellt.

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Wie Mexico Daily News berichtete, sind Eltern und christliche Gruppen zu Tausenden bereits vergangene Woche aus Protest gegen das mexikanische Bildungsministerium auf die Straße gegangen, es sollen mindestens 12.000 Menschen daran teilgenommen haben. In Chiapas, einem südmexikanischen Bundesstaat, haben Eltern mehrere Kisten mit den neuen Büchern auf dem Gelände einer Grundschule mit Treibstoff verbrannt. Über 112.000 Unterschriften wurden außerdem für eine Petition gesammelt, die forderte, die Verbreitung des Lehrbuchs „wegen sexualisierter und geschlechterideologischer Inhalte, die ohne Rücksprache mit den Eltern eingefügt wurden“ zu stoppen.

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„Sie haben das Recht zu demonstrieren. Wir sind frei“, sagte der mexikanische Präsident López Obrador und räumte ein, dass die Lehrbücher auch Raum zur Verbesserung hätten. Er sagte aber auch, dass die Eltern durch politische Agenda „falsch informiert und manipuliert“ seien. Als Reaktion auf die Anschuldigungen, die Bücher seien ideologisch, wies der Präsident die Behauptungen zurück und erklärte: „Sie wurden von Lehrern und Experten erstellt.“

Die fraglichen Schulbücher, die zum Schuljahr 2023-2024 in alle Schulen im ganzen Land kommen sollen, sind als Pflichtlektüre für die erste bis neunte Klasse bestimmt. Sie sind staatlich und von der Regierung verfasst. 

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Falsch beschriftete Landkarten, fehlerhafte Diagramme

Bereits seit Monaten sorgen die Bücher auch im politischen Spektrum in Mexiko für gespaltene Debatten. Auf der einen Seite steht der Nachrichtensprecher Javier Alatorre, der behauptete, die neuen Schulbücher der Regierung von Präsident Andrés Manuel López Obrador versuchten, Kindern den „Virus des Kommunismus“ zu injizieren. Auf der anderen Seite stehen die Regierungsanhänger, die die Opposition mit Hitler verglichen, nachdem Oppositionsparteiführer Marko Cortes vorgeschlagen hatte, einige der Texte zu vernichten. Die Debatte im Land wurde so hitzig, dass López Obrador seine Beamten anwies, eine Reihe von Pressekonferenzen abzuhalten, um Fragen zu den neuen Schulbüchern zu beantworten.

Kritiker beider Seiten sehen das größte Problem der Bücher aber gar nicht in der politischen Färbung, die die Bücher enthalten, sondern in der Pädagogik, die in die Bücher eingeflossen ist. Durch die ideologische Debatte sei aus dem Blick verloren worden, dass die neuen Bücher eine völlig neue, in Mexiko noch nie dagewesene, Lernmethode einführen würden. Diese sieht keine separaten Lehrbücher zu Themen wie Mathematik, Lesen oder Sozialkunde mehr vor, sondern fasst alles zu Geschichten oder Projekten zusammen, die mehrere Thematiken verbinden. Dadurch soll den Kindern ein praxisbezogener Lernprozess ermöglicht werden. Normalerweise sei es üblich, dass die unterschiedlichen Regierungen zwar die Texte anpassen, sie aber in ihrem Kern unberührt lassen. 

Laut der Los Angeles Times sollen die Lernbücher auch einige peinliche Fehler enthalten. So sollen in einem Grundschulbuch zwei der 32 Bundesstaaten Mexikos auf einer Karte falsch beschriftet sein, in einem anderen wurde angegeben, dass ¾ größer als ⅚ sei und in einem weiteren soll ein falsches Geburtsdatum des Nationalhelden Benito Juárez angegeben sein. Ein weiteres Diagramm deutet darauf hin, dass der Mars näher an der Sonne ist als die Erde.

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