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Angriff auf Aiwanger

Markus Lanz demontiert sich selbst

Markus Lanz hat Hubert Aiwanger in seiner Talkshow zum Hahnenkampf herausgefordert - und musste mit einem blauen Auge das Feld räumen müsste. Denn bei ihm kam Markus Lanz mit seinem perfiden Spiel nicht durch.

Bei seiner Sendung am 4. Juli hatte Markus Lanz eigentlich vier Gäste: Den stellvertetenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger von den Freien Wählern, die Autorin Annika Joeres, die Politologin Ursula Münch und den Journalisten Florian Flade. Es sollte sich aber schnell herausstellen, dass Lanz es nur auf einen von ihnen abgesehen hatte. So blieben die üblichen Gäste dieser über eine Stunde langen Sendung mit nur wenigen Minuten Redezeit zurück, während Markus Lanz Hubert Aiwanger zum Hahnenkampf herausforderte – und mit einem blauen Auge das Feld räumen müsste.

Alles fing an, als Aiwanger einen Satz formulierte, aus dem Markus Lanz komplett aus dem Kontext gerissen die folgenden zwei Worte rauszog: „diese Syrer“. Im Orginal war der Beitrag ausgesprochen ausführlich erklärt, zu lang, um ihn hier in Gänze zu zitieren. Trotzdem nimmt Lanz eine ganz normale grammatische Formulierung und fragt Aiwanger direkt, ob er damit alle Syrer meine. Hier drehte Markus Lanz seinem Gast das erste Mal das Wort im Mund um – es sollte nicht das letzte Mal bleiben.

Ursprünglich war der Beitrag von Aiwanger vielmehr darauf gerichtet, dass „diesen Syrern“, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, nun viel zu leicht der deutsche Pass ausgestellt werde. Keine Kritik an den Syrern als pauschale Personengruppe, sondern viel mehr an der deutschen Bürokratie. Wenn man das weiß, klingt die Formulierung „diese Syrer“ komplett harmlos. Lanz drehte es so um, dass man annehmen muss, Aiwanger hätte in seinem Satz über „diese Syrer“ hergezogen oder irgendeine pauschale Behauptung über sie getroffen – was nie stattgefunden hat.


Methaphern und andere böse Stilelemente

Aiwanger, der sich nun zunehmend falsch verstanden fühlt, versucht zu klarifizieren und macht dabei gleich den nächsten „Fehler“. Er erklärt: „Ich sehe das als politischen Fehler, hier zu schnell denen den Pass hinterher zu laufen, ohne zu erwarten, dass sie vorher einen Arbeitsplatz haben und sich integrieren.“ Hier kommt ein eindeutiges Feindbild von Markus Lanz ans Licht: Methaphern. „Diese Formulierung fand ich interessant. Da läuft diese Ampel diesen Syrern mit dem deutschen Pass hinterher.“ Aiwanger reagiert mit der einzig möglichen Reaktion auf so einen Kindergarten: „Ja, das kann man jetzt dreimal drehen und dann ist das ein besonders schlimmes Wort gewesen.“

Markus Lanz geht in die Offensive: „Sie machen das häufiger, ich hab das ja auch beobachtet, Sie hauen einen raus und dann sagen Sie da wird einem direkt wieder das Wort im Mund umgedreht, es haben ja alle gehört was Sie gesagt haben.“ Nun, Markus Lanz hat entweder nicht gehört was Herr Aiwanger gesagt hat oder er lügt einfach dreist. Aufjedenfall fühlt er sich gut in seiner Rolle – und vor allem: völlig im Recht. Irgendwann fühlt Lanz sich sogar befähigt, den Psychotherapeuten zu spielen, diagnostiziert Aiwanger „einen komischen Verfolgungswahn“.

Eine wirklich haltlose Kritik. Lanz hängt sich die ganze Zeit an Methaphern auf und daran, dass es dem Herrn Aiwanger tatsächlich nicht möglich ist, ein komplexes Problem in einem Satz zusammenzufassen. Sobald beide dann erörtern, was Aiwanger eigentlich meinte, fällt von Lanz andauernd der Satz: „Da sind wir ja einer Meinung“. Also wo liegt jetzt eigentlich das Problem? Sind wir hier im Deutschunterricht oder in einer politischen Talkshow? Aiwanger brachte es auf den Punkt: „Wo wollen wir denn hin? Wollen wir die Dinge beim Namen nennen oder wollen wir Wording-Debatten führen?“

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Lanz unterstellt Aiwanger „Verfolgungswahn“ – weil er die Wahrheit sagt

Vor allem sollte Lanz eigentlich spätestens dann ein Licht aufgehen, als er von Aiwanger eine tatsächliche Strategie zur Lösung des Problems fordert, Schritt für Schritt. Die liefert Aiwanger dann auch – aber das ist dann schon wieder falsch, dieses Mal weil er seine Redezeit überschreitet. Also was denn nun? Wenn die Gäste in ihrer Zeit bleiben, haben sie nicht alles gesagt, wenn sie nicht alles gesagt haben, bleiben sie nicht in ihrer Zeit. Es ist doch tatsächlich fast so, als wären wir hier im Fernsehen, wo man nicht die ganze Nacht lang über Grundsatzdebatten diskutieren kann.

Während Lanz dem Aiwanger einen Verfolgungswahn zuweist und so tut, als sei der nicht mehr ganz dicht, weil er es doch tatsächlich wagt auch ihn zu kritisieren, macht er diesen „Verfolgungswahn“ tatsächlich zur Wirklichkeit. Nachdem die Debatte sich eine gefühlte Stunde nur über die Rhetorik von Aiwanger drehte, weil er (aus dem Kontext gerissen) „diese Syrer“ gesagt hat, meint Lanz plötzlich: „Ich habe ganz viel an diesen Syrern gerade Kritik gehört irgendwie und sehr wenig an der deutschen Bürokratie“. Im gleichen Zuge unterstellt er Aiwanger, dieser würde mit seinen Aussagen Ausländerfeindlichkeit befeuern.

Es ist ein perfides Spiel. Aiwanger hat – von sich aus – genauso die deutsche Politik kritisiert wie kriminelle Migranten, die den Sozialstaat ausnutzen. Lanz hat daraufhin gezielt eine Formulierungen aufgegriffen, die die Syrer betraf und lang und breit mit Aiwanger darüber diskutiert – und dann beschwert er sich, dass Aiwanger zu viel über Syrer gesprochen hat? Herr Lanz, Sie sind der Moderator, Sie haben die Debatte in der Hand. Wenn Ihnen das Thema nicht passt, warum wechseln Sie es nicht, sondern fossieren es sogar noch? Nur um Herrn Aiwanger die Worte tatsächlich doch im Mund umzudrehen. Vielleicht wird es Zeit, die Behauptung mit dem Verfolgungswahn wieder zurück zu nehmen.

Der kleine Markus rennt zu Mami

Tatsächlich lässt Markus Lanz an einigen Stellen durchblicken, dass er merkt, dass er Aiwanger nicht ganz fair behandelt – oder sich zumindest bewusst ist, was für ein Spiel er da spielt. Statt sich aber einzugestehen, dass er vielleicht auch aus Fairness seinem Publikums gegenüber (das sich ja nun auch nicht verarschen lassen will) seine Methoden ändern sollte, wird er nur noch hinterhältiger. Markus Lanz ist als Moderator der Chef der Show. Es ist also für seine Opfer ohnehin schon schwer genug gegen ihn anzukämpfen. Wenn es aber mal einer fast schafft, so wie der Herr Aiwanger hier, der sich das nicht gefallen lässt, dann sorgt Lanz dafür, dass die Machtverhältnisse noch unfairer werden – und jagt die anderen Gäste wie Hunde auf seine Beute los.

Es steht nun drei gegen einen. Wenn Aiwanger sich wehrt, dass Lanz ihm das Wort im Mund umdreht, dann fragt der die Sitznachbarin „Was haben Sie denn gehört, Frau Münch?“. Die ist natürlich sofort zur Stelle, sich gegen Aiwanger zu stellen. Keine Überraschung, schließlich hat Lanz sie ja zu Beginn der Sendung noch als Aiwanger-Kritikerin angekündigt. Sie genießt es förmlich, das sieht man ihr an.

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Wenn Aiwanger sich wehrt, dass man doch eine politische Debatte und keine sprachliche Kritik machen sollte, dann fragt Markus Lanz den dritten Gast, den Journalisten Florian Flade: „Ist es egal wie man redet?“ Auch er pflichtet selbstverständlich sofort Lanz bei, dass die Sprache ganz ganz dolle wichtig ist. „Nein, das ist natürlich nicht egal!“ Sie alle revanchieren sich dafür, dass Lanz sich so charmant bei Ihnen eingeschleimt hat. Es ist nahezu widerlich zu beobachten.

Der Doppelstandard des Markus Lanz

Dieses Problem ist bei Markus kein neues. Wenn Markus Lanz sich in seinen Moderator Modus versetzt, dann hat er genau zwei Arten mit seinen Talkshow-Gästen umzugehen. Entweder er kriecht ihnen in den Allerwertesten, schmiert Ihnen Honig ums Maul, rollt den roten Teppich aus – oder er versucht, sie mit allen Mitteln fertig zu machen. Wenn er jemanden zu dem Nummer eins Feind seiner Sendung auserkoren hat, dann gibt es für ihn kein Halten mehr. Dann kramt er auch Kommafehler uns dem Diktat in der zweiten Klasse raus, wenn es sein muss.

Lanz kommt sich dabei sehr überlegen vor. Das Publikum entscheidet, ob sie diesen Charakterzug an Lanz gut finden, je nachdem wie sie zu seinem Feind stehen. Mögen sie den auch nicht, dann ist Lanz ein fähiger und fairer Journalist, der endlich mal nachfragt was gefragt werden muss. Finden sie ihn dagegen gut, dann ist Lanz ungeeignet und zu weit gegangen. Ich denke beides ist richtig. Dadurch, dass Lanz wild drauf los hackt, wenn er mal so richtig in Fahrt kommt, hat er durchaus eine hohe Trefferquote, höher als von den Tanten Illner, Maischberger und Will beim Kaffekränzchen. Trotzdem ist da noch der extreme Doppelstandard, der ihn alle anderen Gäste mit Samtschuhen anfassen lässt, weshalb er als Moderator eigentlich fehlbesetzt ist.

Der gute Markus Lanz würde mich für diese Einschätzung nun wahrscheinlich massivst in die Mangel nehmen. Wo ist denn mein Beweis, dass er jemals tatsächlich jemandem in den Allerwertesten gekrochen ist? Alle seine Gäste haben ihre Hosen doch schließlich noch an? Und wo soll bitte der Honigtopf sein? Überhaupt hat er noch nie einen roten Teppich in seinem Studio gehabt. Und über Schuldiktate hat er auch noch nie gesprochen.

Das Textverständnis ein Zweitklässlers, der politische Durchblick eines Grünenwählers

Es ist genau diese Art von Kritik, die in dieser Sendung offenbart haben, wie wenig politischen Durchblick Lanz tatsächlich hat. Er kommt intellektuell daher, zitiert andauernd Intellektuelle und achtet wahnsinnig auf ein schönes Sprachbild. Doch kaum wird er mal unvorbereitet mit einer Methapher konfrontiert, tickt er komplett aus. Denn er kann so etwas alleine – ohne die Hilfe seiner Redaktion, die ihm im wahrsten Sinne des Wortes alle seine Worte in den Mund legt – gar nicht begreifen.

Er kann seine unliebsamen Gäste noch so viel beschimpfen, ihnen noch so oft die Worte im Mund verdrehen, sich noch so eitel aufspielen. Soll er alles machen, er scheint ja unter irgendwelchen Minderwertigkeitskomplexen zu leiden, die ihn dazu verleiten, jedes Mal den Platschhirsch markieren zu müssen. Man hat es ja auch nicht leicht als politischer Moderator, wenn man seinen Durchbruch eigentlich mal beim RTL mit Sendungen wie „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Spezial“ hatte. Nur hilft ihm das ja offensichtlich nicht. Er betreibt seine Talkshow nun schon seit 2009 und hat es immer noch nötig, sich so unprofessionell aufzuspielen.

Er glaubt, er stellt Aiwanger als dämlichen Populisten bloß – doch in Wahrheit beweist er einfach, dass er das Textverständnis eines Zweitklässlers und den politischen Durchblick eines Grünen-Wählers hat. Lieber versteift er sich darauf, eine Methapher wörtlich auszulegen, denn dem eigentlichen Argument ist er gar nicht gewachsen. Was bedeutet das nun also? Ist es bezeichnend, dass Lanz sich sogar schon von Aiwanger überfordert fühlt? Oder ist Aiwanger vielleicht einfach doch nicht ganz so blöd?

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