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Peinliches Bild-Interview

Für die Wirtschaft hat Ricarda Lang nur substanzlose Phrasen übrig

In einem Interview soll Grünen-Chefin Ricarda Lang erklären, wie ihre Partei Deutschland aus der Rezession holen will – nachdem man zuvor ein „grünes Wirtschaftswunder“ versprochen hatte. Als Lösung hat sie nur leere Phrasen parat.

Das Sommerloch ist vorzeitig gestopft – in Berlin ist man aufgewacht und hat festgestellt, dass Deutschland mitten auf dem Weg in den Abstieg steckt. Rezession, der Rückfall in internationalen Vergleichen, Pleite-Angst in der Wirtschaft – es steht nicht gut um die deutsche Wirtschaftsmacht.

Schon vor Wochen erklärten Ampel-Politiker feierlich, das Thema Wirtschaft ganz oben auf die Agenda zu setzen – in den letzten Wochen vor der Sommerpause war die Regierung von Bundeskanzler Scholz ja vor allem mit dem grünen Krieg gegen die Heizungen der Deutschen beschäftigt. Was man aber konkret machen möchte, ist weiter offen.

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Zur Klärung dieser Frage wandte sich die Bild an eine Frau, die es eigentlich wissen müsste: Grünen-Chefin Ricarda Lang. Ihre Partei ist in der Koalition für Wirtschaft zuständig und hatte im Wahlkampf ja ein „grünes Wirtschaftswunder“ versprochen. Das wäre langsam mal überfällig. Wie soll das also aussehen, Frau Lang?

„Wir brauchen eine Investitionsagenda für Deutschland“, erklärt Lang. Das bedeute Investitionen „in unser Land“. Ach so. Was das kosten soll? Das weiß Lang nicht.  „Das wird was kosten“, meint sie wabernd im Interview. „Aber unseren Wohlstand zu sichern, sollte uns was wert sein.“ Was „was“ ist? Diese Antwort bleibt Lang schuldig. 

Aber die Liste der Dinge, die „was kosten“ sollen, ist nicht gerade kurz: in „Bahn, Kitas, Digitalisierung, Unterstützungen für die energieintensive Industrie in Deutschland und Anreize für internationale Unternehmen“ will Lang Geld stecken. Sicher ist: All das wird Milliarden über Milliarden kosten. Woher soll das Geld kommen? „Die Ampel hat bislang immer Wege gefunden, notwendige Maßnahmen umzusetzen“, meint Lang. Wie dieser Weg aussieht? Auch diese Antwort bleibt sie schuldig. 

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Für Phrasen eine Eins – für Substanz eine Sechs

Ricarda Lang ist der Urtypus des Berufspolitikers und die Personifkation des Spruches „Kreissaal, Hörsaal, Plenarsaal“. In ihrer Parteikarriere hat sie eines gelernt: Politikersprech. Phrasen dreschen – das kann die 28-Jährige, als wäre sie seit 40 Jahren in der Politik. „Dass Deutschlands Wirtschaftswachstum ins Stocken gerät, während es woanders wieder bergauf geht, darf uns alle nicht kaltlassen.“ Oder auch: „Deutschland darf nicht an der Seitenlinie stehen, sondern muss vorn mitspielen.“ Denn „es geht jetzt darum, das wirtschaftliche Fundament Deutschlands zu verteidigen.“  Für bildliche Sprache hat Ricarda Lang wahrscheinlich schon in der Schule Einsen gesammelt. Aber Regierungsverantwortung ist kein Deutschunterricht. Und wenn es um die Substanz geht, steht am Ende des Interviews leider eine Sechs – ungenügend. 

Die Unionsparteien machen dieser Tage mit einem „Sofortprogramm“ für die Wirtschaft von sich reden. Die Forderungen von CDU und CSU sind simpel: Steursenkungen und -befreiungen quer durch die Bank und keine neuen Regulierungen. Einen Finanzierungsplan hat die Union zu diesen Forderungen nicht mitgeliefert. Vorschläge machen, ohne sie durchzurechnen: Wer es gut meint, könnte das vielleicht noch als Privileg der Opposition sehen.  Für die Chefin einer Regierungspartei, die dazu auch noch das Wirtschaftsressort kontrolliert, gilt das auf keinen Fall. Denn was Lang fordert, kann Gesetz werden – da muss mehr dahinterstehen als ein „wir wollen mal dies und jenes“.  Dass ein Vorschlag der Opposition fast substanzieller ist als die Forderungen einer Politikerin mit Regierungsmacht, ist selten – und spricht Bände über die Priorisierung des Themas Wirtschaft bei den Grünen. 

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