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Querdenker-Narrativ

Faktenfuchs erklärt Kinderbuch zur Verschwörungserzählung – und löst Verkaufs-Boom aus

Ein Buch über ein Erdmännchen, was aus dem Zoo ausbricht und dann in Freiheit lebt, wird vom Faktenfuchs wegen des Individualismus und „rücksichtslosem Egoismus“ zur „Verschwörungserzählung“ erklärt. Geschadet hat das dem Kinderbuch jedoch nicht - es erlebte einen Verkaufsboom.

Erfolgreiche Kinofilme für Kinder mit Tieren als Hauptprotagonisten basieren häufig auf dem gleichen Grundkonstrukt: Tiere leben lieber in Freiheit als in menschlichen Käfigen. Sei es bei „Madagaskar“, wo Zootiere ausbrechen, bei „Hennen rennen“, wo eine ganze Hühnerfarm sich dafür entscheidet auszubrechen, um ein Leben in Freiheit zu führen anstatt zu Pastete verarbeitet zu werden oder bei „Findet Nemo“, wo ein kleiner Clownsfisch von seinem Vater aus dem Aquarium gerettet wird, damit er wieder im Meer in Freiheit schwimmen kann.

Der Journalist und Publizist Ernst Wolff hat ein Kinderbuch geschrieben, was auf genau diesem Prinzip basiert. In „Friedrichs Traum von der Freiheit“ (klarsicht-Verlag) findet das Erdmännchen Friedrich heraus, dass es eine Welt außerhalb seines Geheges gibt. Er möchte die Welt da draußen, außerhalb der Gefangenschaft, kennenlernen und kann letztendlich mithilfe einer Krähe fliehen. Eigentlich eine schöne Kindergeschichte – doch es gibt es einen Haken.

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Eine besorgte Mutter wandte sich an den BR Faktenfuchs und erzählte, dass ihr geschiedener Mann, nach den Aussagen der Mutter ein Verschwörungsgläubiger, der gemeinsamen Tochter das Buch von Wolff geschenkt hat. Da Wolff in alternativen Medien publiziert und dort laut der Frau Verschwörungstheorien verbreitet, weigert sich die Mutter der Tochter aus dem Buch vorzulesen, was ihre Tochter fast zum Weinen bringt. Sie fragt sich, welchen Einfluss das Buch von Wolff auf ihre Tochter haben kann.

Diese Frage nimmt der Faktenfuchs zum Anlass, darüber zu schreiben, „Wie Verschwörungsgläubige junge Menschen erreichen“. Die Geschichte des kleinen Friedrich enthält nämlich „typische verschwörungsideologische Denkmuster“. Das Erdmännchen ist nämlich anders, als die „müßig-zufriedenen Anderen“. Und dieses Bedürfnis, sich „als Individuum aus der Menge herauszuheben, etwas Besonderes, Einzigartiges zu sein“ sei eines, was von Verschwörungserzählungen befriedigt werde – so einer der zu Wort kommenden „Experten“.

Doch insbesondere der Begriff „Freiheit“ stört die Experten bei Friedrich. Diese „schrankenlose Freiheit“ nehme keine Rücksichtnahme auf Normen und Werte – sie sei die „einzige Moral, die man kennt“. So der Politikwissenschaftler und Psychologe, David Jäger, der sich der Beobachtung der Querdenker-Szene verschrieben hat. Und die missbrauchen laut Bundeszentrale für politische Bildung schließlich die Begriffe „Freiheit“, „Frieden“ und „Souveränität“. Es muss also der „rücksichtslose Egoismus“ sein, der Friedrich zu einem Querdenker-Erdmännchen macht.

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Immerhin wird von einer Expertin des Faktenfuchs richtigerweise festgestellt, dass es „Ausbruchsgeschichten“ wie die vom Erdmännchen Friedrich auch in anderen Kinderbüchern gibt. Wichtig sei aber, in welchem Kontext das Buch steht. In dem Fall von Friedrich wird der Kontext durch den Autor gegeben. Hätte Habeck das Buch geschrieben, hätten wir also kein Problem. Bei Wolff muss man den Freiheitswunsch jedoch hinterfragen.

Auch wenn der Faktenfuchs das Buch zur „Verschwörungserzählung“ erklärt hat: Wolff und dem kleinen Friedrich hat das nicht geschadet – im Gegenteil. Bei Amazon konnte sich das Buch nach dem Artikel von Verkaufsrang 76.863 auf Verkaufsrang 388 verbessern. In der Kategorie Gute-Nacht-Geschichten belegt das Buch mittlerweile Platz 4.

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