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Gefasst in Berlin-Neukölln

Berühmter Psychokiller behauptet, trans zu sein – und wird in Gefängnis mit geringerer Sicherheitsstufe versetzt

Er tötete mehrere Katzenbabys, einen Hundewelpen und einen Menschen, filmte seine Taten und veröffentlichte sie im Internet. Der schizophrene Mörder Luka Magnotta identifiziert sich jetzt als Trans-Frau und wurde in ein Gefängnis mit niedrigerer Sicherheitsstufe verlegt. Die Behörden nennen ihn Violette.

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Will man die Geschichte von Luca Magnotta erzählen, ist es schwer zu entscheiden, wo man anfangen soll. Vielleicht damit, dass Luka Rocco Magnotta gar nicht sein echter Name, auch nicht sein einziger Name ist. Dass er eigentlich als Eric Clinton Kirk Newman geboren wurde. Dass er sich jetzt Violette nennt. Vielleicht beginnt man damit, dass er eigentlich Reality Star werden wollte, seine Karriere als Darsteller in Schwulenpornos begann, süchtig nach Schönheitsoperationen war.

Oder man beginnt mit seiner ersten Straftat 2004, als er sich als Kreditkartenbetrüger versuchte. Oder doch mit der zweiten, dem Töten von zwei Katzen, die er filmte und auf YouTube hochlud, die Tat, die ihm eine Netflix-Doku bescherte? Oder mit der schlimmsten, als er einen jungen Mann und seinen Hund vor der Kamera tötete, die Leiche vergewaltigte und die abgetrennten Gliedmaßen an Politiker und Schulen verschickte? 

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Am besten einfach von vorne. Eric Newman war in der Schule leise und schüchtern – leicht zu vergessen. Doch dabei wollte er es nicht belassen. Er wollte berühmt werden, gesehen, nie wieder vergessen. 2003 versuchte er sich als Darsteller in Pornofilmen, arbeite als Stripper und Begleiter. Das reichte ihm nicht. Er lernte online eine junge Frau kennen, die mit 21 Jahren in etwa die Intelligenz einer Achtjährigen hatte. Er nutzte ihre Kreditkarte, um sich Tausende Euro zu verschaffen und missbrauchte sie vor der Kamera.

Letzterer Vorwurf wurde überraschend fallengelassen, für erstere Tat erhielt er nur eine Bewährungsstrafe. Das kanadische Justizsystem ließ sich damit die Chance entgehen, acht Jahre später einen Mord zu verhindern. Er wäre sonst als Sexualstraftäter registriert worden. Wäre er jemals unter das Radar geraten, hätte das die Behörden sofort alarmiert. Stattdessen konnte Eric Newman seinen Namen in Luka Rocco Magnotta ändern. Bis er wieder vor Gericht stand, vergingen Jahre. 

Als Luka Magnotta wagte er den Schritt in die Realitiy-TV-Welt. „Eines Tages werde ich berühmt sein“, sagte er Barbie, der Trans-Frau mit der er nach 2004 in einer Beziehung war. Neben Berühmtheit war sein Ziel „Schönheit und Perfektion“. Er ließ einige Schönheitsoperationen über sich ergehen, plante sich Muskelimplantate einsetzen zu lassen. Er bewarb sich für die kanadische Reality-Show „Plastic makes Perfect“. Er wurde abgelehnt und bewarb sich bei der Sendung „Cover Guy“. Wieder wurde er abgelehnt.

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Die Aufmerksamkeit, nach der er so trachtete, wurde ihm verwehrt. Irgendwann hatte er keine Castingangebote mehr, keine Filmchen, in denen er vor die Kamera konnte. Seine Interessen wurden dunkler. Er streute Gerüchte, er sei mit der Serienmörderin Karla Homolka zusammen, versuchte seinen Namen mit ihren in Verbindung zu bringen. Es funktionierte. Später konnte er vor der Weltpresse Interviews geben, in denen er die Gerüchte als diffamierend bezeichnete und sich von Homolka distanzierte. Er wurde gesehen. Mehr als in der Schule, mehr als in seiner Zeit als Pornostar.

„Don’t f*ck with cats“ – Vom Porno- zum Netflix-Star

Luka Magnotta startete eine neue Karriere, die erfolgreichste bisher. Sie kam 2010 auf YouTube in Fahrt, als der Account uonlywish500 ein Video mit dem Titel „1 boy 2 kittens“ (zu Deutsch: „Ein Junge zwei Kätzchen“) veröffentlichte. Er schrieb dazu: „All haters can suck my huge dick LOL“ (zu Deutsch: Alle Hasser können meinen großen Schwanz lutschen LOL“). Der Titel hält, was er verspricht, im Video zu sehen ist ein junger Mann, der zwei Katzenbabys hält.

Er steckt sie in eine Tüte und saugt dann mit einem Staubsauger die Luft raus. Die Katzen ersticken langsam. Das sorgte für Aufmerksamkeit auf Facebook. Eine Gruppe von tausenden Katzenliebhabern auf der ganzen Welt, die sich untereinander vorher nie begegnet waren, machten es sich zur Lebensaufgabe, ihn aufzuspüren. Sie waren sich sicher, dass jemand, der Katzenbabys auf so brutale Art töten könnte, irgendwann auch auf Menschen umsteigen würde. 

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Sie nahmen das Video auseinander, versuchten anhand der Steckdose, der Bettlaken und Möbel des Zimmers, in dem es aufgenommen worden war, herauszufinden, wo auf der Welt er sich befand. Viel wies auf Nordamerika hin, im Hintergrund war aber Russisch zu hören. Mit der Hilfe eines Staubsaugerforums konnte die Facebook-Gruppe schlussendlich herausfinden, dass der gelbe Staubsauger im Video nur in Nordamerika verkauft wird.

Man grenzte das Gebiet auf Mexiko, USA oder Kanada ein. Sie fanden heraus, wer der Mann im Video war – Luka Magnotta – und analysierten die von ihm hochgeladenen Bilder auf Hinweise. Eine Software konnte aus einem der Bilder die Koordinaten des Ortes entschlüsseln, an dem es aufgenommen worden war. Es wurde genauso wie das Katzenvideo Ende des Jahres 2010 aufgenommen, in Toronto in Kanada. 

Anhand einer Tankstelle im Hintergrund eines anderen Fotos und Google Maps fand die Facebook-Gruppe seinen Wohnort heraus. Als die Facebook-Gruppe seine Wohnung fand, übergaben sie ihre Beweise der Polizei. Zu spät: Magnotta war inzwischen umgezogen. Diese Jagd wurde von Netflix in der True Crime Doku „Don’t f*ck with cats“ verfilmt. Kurzzeitig mag ihm diese Jagd die Aufmerksamkeit gegeben haben, nach der er sich so sehr sehnte.

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Er spielte mit der Facebook-Gruppe das gleiche Spiel wie er es schon mal getan hatte: Erst spielte er ihnen Hinweise auf seine Identität zu, dann ging er zur Presse, um die Vorwürfe abzustreiten und als Kampagne gegen ihn zu verurteilen. Danach tauchten neue Katzenvideos auf. In einem verfütterte er ein Katzenbaby an eine Schlange. In einem andern fixierte er eine Katze mit Klebeband an einen Besenstil und ertränkte sie in der der Badewanne. Er schreib der Presse, dass er weitere Videos machen würde – dieses Mal mit Menschen. 

Ermordet, zerstückelt, geschändet – das Schicksal von Jun Lin

Langfristig wurde ihm die Aufmerksamkeit zum Verhängnis – allerdings zu spät. Ein junger Mann, der 32-jährige chinesische Student Jun Lin, kam nach Kanada, um sich ein neues Leben aufzubauen. Er sendete seiner besorgten Mutter Bilder und schrieb ihr Nachrichten. Im Frühling 2012 schickte er ihr ein Bild von einem Park. Seine Nachricht, in der er die Schönheit des Ausblicks bewunderte, war das letzte, was seine Mutter von ihm hören sollte. Danach wurde nur noch über ihn gesprochen. Oder besser gesagt: Über seinen zerstückelten Körper und das Video seines Mordes. Kurz zuvor veröffentlichte Luka Magnotta selbst ein Video, in dem er vor sich warnte. Er sei ein Serienmörder und Psychopath, man solle ihm auf keinen Fall zu nahe kommen. 

Auf „1 boy 2 kittens“ folgte dann der zweite Teil: „1 Lunatic 1 icepick“ (zu deutsch: „Ein Verrückter ein Eispickel“). Darin ist ein nackter, entblößter Mann mit aufgeschlitzter Kehle zu sehen – Jun Lin. Auf seine Leiche wird wiederholt mit einem Eispickel eingestochen, dann wird sie zerstückelt. Luka masturbiert mit den abgetrennten Armen von Jin Lin und vergeht sich dann an seinem Körper. Einige Tage später findet ein Hausmeister die verwesende Leiche von Jun Lin in einem Koffer. Er ist aber nicht vollständig.

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Ein Fuß und eine Hand wurden an verschiedene politische Parteien verschickt. Die andere Hand und der andere Fuß werden an Schulen verschickt. Als die Polizei die Wohnung von Luka Magnotta durchsucht, ist er lange weg. Seine Wohnung ist voller Blut. Während er das Land verlässt, wütet er im Internet über die Menschen, die ihn in seinem Leben verletzt und enttäuscht haben. Unterschrieben ist die Nachricht mit dem Namen der Trans-Frau, mit der er einst zusammen gewesen war. 

Luka Magnotta wurde von Interpol weltweit gesucht. Man jagte ihn um die ganze Welt. Die Verfolgungsjagd endete schließlich in Berlin Neuköln in einem Internet-Café. Als die Polizei ihn endlich festnahm, sah er sich gerade Bilder von sich selbst an. Nach seiner Auslieferung nach Kanada trat eine neue Identität von Magnotta auf die Weltbühne: Manny. Luka schwor: Er war zu den Katzenvideos und zu dem Mord an Jun Lin von Manny gezwungen worden. Manny existierte jedoch nicht und konnte Luka Magnotta nicht retten, ebenso wenig wie seine Schizophrenie-Diagnose. Luka wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. 

Psychokiller identifiziert sich heute als Trans-Frau

Erst hieß er Eric Newman, dann Luka Magnotta, zwischendurch nannte er sich Jimmy, Vladimir Romanov, Mattia Del Santo und natürlich uonlywish500. Heute heißt er Violette. Denn Luka Magnotta ist jetzt eine Frau. In Dokumenten der Behörden bezeichnet man ihn mit weiblichen Pronomen, schreibt, er brauche spezialisierte Unterstützung. Ärzten sagte „Violette“: „Gay is a choice. Trans is who I am.“ (zu Deutsch: Schwul zu sein, ist eine Wahl. Trans ist, wer ich bin.“) Es scheint, als würde die Karriere jedes psychopathischen Kriminellen zur Zeit mit einem Outing als Trans-Frau enden. Es ist kein Wunder, dass Magnotta auf diesen Trend aufspringen muss. 

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Das Leben von Luka Magnotta ist ausgezeichnet dokumentiert. Es bildet sich ab: Ob als Pornodarsteller, Stripper, Model, Kreditkartenbetrüger, gescheiterter Schauspieler, Katzenquäler, Psychokiller oder Leichenschänder – es geht immer nur um Aufmerksamkeit. Und noch ein Muster bildet sich in der Biografie ab: Der Drang danach, sich neu zu erfinden. Mal war er ein Star, dann war er Teil der russischen Mafia, dann war er gerissener Serienkiller, dann war er das Werkzeug eines Strippenziehers. Mal hatte er Sex mit Männern, mal missbrauchte er Frauen, dann schlief er mit einer Trans-Frau. 

Die Ärzte haben Luka Magnotta nicht mit Geschlechtsdysphorie diagnostiziert. Sie sehen nur wieder den Versuch Magnottas, sich neu zu erfinden. Trotzdem nutzen sie weibliche Pronomen, während sie diese Beobachtungen dokumentieren. „Sie versucht sich umzugestalten, um die Illusion des Besonderen und Unschuldigen zu bewahren“, zitiert die Daily Mail aus den Papieren. Es ist außerdem dokumentiert, dass die medizinischen Beamten bei Magnotta internalisierte Homophobie als eine Ursache für seine Taten sehen.

Infolgedessen empfahl der Bericht der Ärzte, dem Mörder Folgendes anzubieten: „Raum und Unterstützung für die Erkundung einer angemessenen Geschlechtsidentität, die es Violette ermöglichen würde, ihr Geschlecht so auszudrücken und zu präsentieren, wie sie es für richtig hält, und die Erfahrung zu machen, innerhalb dieses Geschlechts zu leben.“ Daraufhin wurde „Violette“ Magnotta in ein Gefängnis mit niedrigerer Sicherheitsstufe verlegt. 

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