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Attentäter von Mannheim

Wer ist Sulaiman Ataee?

Sulaiman Ataee ging am Freitag in Mannheim mit einem Messer auf den Islamkritiker Michael Stürzenberger und seine Mitstreiter los - er verletzte fünf Menschen und tötete einen Polizisten. Der 25-jährige Afghane scheint sich in den letzten Monaten radikalisiert zu haben. Nachbarn beschreiben ihn als zunehmend „aggressiver“.

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Es war Freitagvormittag, als Sulaiman Ataee am Mannheimer Marktplatz ein Messer zückte. Der 25-Jährige hatte den Angriff auf den Islamkritiker Michael Stürzenberger und seine Mitstreiter von der „Bürgerbewegung Pax Europa“ offenbar geplant. Er hielt sich wohl mindestens schon eine halbe Stunde rund um den Stand von Stürzenberger auf. Er soll laut Informationen des Spiegels außerdem Kommunikation von seinem Handy gelöscht haben, bevor er um 11:34 Uhr losstürmte, mit seinem Messer fünf Menschen zum Teil schwer verletzte und den 29-jährigen Polizisten Rouven L. tötete.

Ataee wird erst durch einen Bauchschuss gestoppt. Er wurde wie alle Verletzten sofort in ein Krankenhaus gebracht und musste operiert werden. Laut Polizei ist er noch immer nicht vernehmungsfähig. Doch wer ist der Mann, der vor laufender Kamera mit einer so erschreckenden Brutalität und Entschlossenheit auf mehrere Personen losgeht und einen Polizisten kaltblütig ermordet, während der ihm den Rücken zudreht?

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Bisher war die Rede davon, dass Sulaiman Ataee im Jahr 2014 nach Deutschland kam – doch das stimmt wohl nicht. Nach Informationen aus der Asyl-Akte des Mannes, die der Welt vorliegen, kam der Afghane bereits im März 2013 als unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland. Laut Spiegel soll der in Herat geborene Ataee damals einen afghanischen Reisepass vorgezeigt haben, der ihn als 13-Jährigen auswies. Er soll zuerst in Frankfurt am Main gemeldet gewesen sein und zog laut Welt später in den Kreis Bergstraße, nördlich von Mannheim.

Ataee bekam zwei Kinder mit einer deutschen Staatsbürgerin

Sulaiman Ataee trainierte Taekwando – wohl bei dem Vereins Bensheim Bergstraße. Es gibt einen Artikel des Bergsträßer Anzeigers aus dem Jahr 2014, in dem über einen Wettkampf berichtet, bei dem drei Mitglieder des Vereins Medaillien gewannen. Auf dem Titelfoto sieht man auch einen jungen Mann mit dem Namen Sulaiman Ataee, bei dem es sich mutmaßlich um den Attentäter aus Mannheim handelt.

Im Jahr 2017 absolvierte Ataee seinen erweiterten Hauptschulabschluss im hessischen Bensheim, damals muss er 17 oder 18 Jahre alt gewesen sein. Anschließend soll er laut Behördenunterlagen, die dem Spiegel vorliegen, wenige Monate als Helfer im Bereich Papier- und Verpackungstechnik gearbeitet haben. Zu diesem Zeitpunkt war sein Asylantrag bereits seit mehreren Jahren abgelehnt – genau genommen seit Juli 2014. Sulaiman Ataee lebte neun Jahre lang illegal in Deutschland, ohne abgeschoben zu werden.

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Erst im Jahr 2023, neun Jahre nach der Ablehnung seines Asylantrags, erhielt Ataee eine befristete Aufenthaltserlaubnis. Der Afghane hatte laut Spiegel im Jahr 2019 nämlich eine aus der Türkei stammende deutsche Staatsbürgerin geheiratet, mit der er 2023 sein erstes Kind bekam – ein zweites sollte folgen. Ataees Kinder sind deutsche Staatsbürger, deshalb bekam der Sorgeberechtigte eine befristete Aufenthaltserlaubnis nach Paragraf 28 Aufenthaltsgesetz. Laut Spiegel ist der Titel bis Mitte Juli 2026 befristet.

Vom „Musterbeispiel“ zum Attentäter

Aus hessischen Behördenkreisen heißt es laut Spiegel, dass Ataees Polizeiakte „blütenweiß“ gewesen sei. Der Mann, der sich zwischenzeitlich auch ehrenamtlich in einer Flüchtlingshilfeeinrichtung im Landkreis Bergstraße engagiert haben soll, sei nach Aktenlage „als Musterbeispiel für einen gut integrierten Flüchtling durchgegangen“ – so schreibt der Spiegel nach Aussage eines Behördenmitarbeiters.

Doch Sulaiman Ataee war kein Musterbeispiel. Auch wenn er bislang nicht als Extremist bekannt war, so gibt es inzwischen deutliche Hinweise darauf, dass sich der Mann in den letzten Jahren radikalisiert hatte. Laut Informationen der Welt ließ der heute 25-Jährige sich zwischen 2020 und 2023 einen Vollbart wachsen. Außerdem soll der spätere Attentäter auf YouTube islamistische Inhalte des afghanischen Predigers Ahmad Zahir Aslamiyar verbreitet haben – wie er zum Beispiel zum Kampf gegen den Westen aufrief. Aslamiyar war Kommandeur der Taliban, bevor er im Kampf getötet worden sein soll – er wird in islamistischen Kreisen als Märtyrer verehrt.

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Das erste dieser Videos soll Ataee vor acht Jahren geteilt haben. Nach langer Inaktivität wurde der Account, dessen Bild das islamische Glaubensbekenntnis auf weißem Grund gezeigt haben soll, vor einigen Monaten wieder in Betrieb genommen. Am letzten Samstag – einen Tag nach dem Anschlag in Mannheim – wurden die Videos des YouTube-Kanals und das Profilbild des Nutzers entfernt. Ob dies ermittlungstechnische Gründen hatte, kommentierte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe gegenüber der Welt nicht.

In den letzten Monaten wurde er „verschlossener“ und „aggressiver“

Die Aktivitäten des 25-Jährigen auf YouTube stimmen mit dem überein, was Nachbarn des Mannes berichten. Gegenüber Focus gab ein Nachbar zum Beispiel an, dass Ataee sich „in letzter Zeit verändert“ habe. Lange habe er ihn als freundlich und hilfsbereit wahrgenommen. Erst in den vergangenen sechs bis 12 Monaten wurde er „verschlossener“ und „leicht aggressiver“ so der Mann. Er selbst habe jedoch keine wirklich negativen Erfahrungen mit dem Afghanen gemacht.

In dem Hochhaus in Heppenheim, in dem Ataee wohnte, soll es jedoch zunehmend zu Spannungen gekommen sein. Mit Ataees Frau habe der befragte Nachbar weniger Kontakt gehabt. „Sie war unterkühlt, nicht so freundlich wie er“, erklärt der Mann. Doch für religiös-fundamentalistisch habe er auch sie nicht gehalten. Sie habe stets Kopftuch getragen, mit einer Burka oder ähnlichem habe er sie jedoch nie gesehen.

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Gegenüber BILD berichtet ein anderer Nachbar, dass auch ihm Ataee nie negativ aufgefallen wäre. „Der war unauffällig, man hat sich ganz normal gegrüßt“, sagte der Hausbewohner. Offenbar war Ataees Tat für viele Menschen im Haus ein Schock. Ein weiterer Nachbar sagte zu BILD: „Man muss ja im Nachhinein froh sein, dass einem nichts passiert ist“. Und weiter. „Der fährt VW Passat und geht mit einem Messer auf Deutsche los, das passt nicht zusammen.“

Doch ein Interview des Spiegels deutet an, dass nicht alle Nachbarn nur positive Erfahrungen mit Sulaiman Ataee hatten: Eine Frau gab gegenüber Spiegel TV zum Beispiel an, dass Ataee bei ihr geklingelt habe, um ihr einen Koran zu schenken – ihr sei es so vorgekommen, als habe der Mann sie missionieren wollen.

Die Wohnung des 25-Jährigen wurde nach Polizeiangaben noch am Freitagabend durchsucht. Die Frau und sein Kind befanden sich jedoch nicht mehr in der Wohnung. Wo sie sich derzeit aufhalten, ist nach derzeitigem Informationsstand unbekannt. Auch ob die Frau von den Anschlagsplänen wusste, ist unklar. In der 92 Quadratmeter großen Dreizimmerwohnung wurden laut BILD mehrere Datenträger sichergestellt, die derzeit ausgewertet werden.

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