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Nacktshow nach Kindergesang

So verstörend war die Eröffnungsfeier der Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl

Bei einem Kulturfest am Wochenende performten Männer und Frauen über Minuten splitterfasernackt auf der Bühne. Bei dem Diversity-Spektakel schüttelten Tänzer jeder Herkunft und Körperform ihre Geschlechtsteile umher. Und das, obwohl anscheinend auch Kinder anwesend waren. 

Stellen Sie sich vor, Sie machen mit ihrem Kind einen schönen Wochenendausflug. Da in Bad Ischl bei Salzburg soll’s ne nette Gaudi geben, hat Ihnen der Nachbar erzählt. Mit Kindergesang, Blasmusik und so. Der ORF überträgt live im österreichischen Fernsehen. Also nix wie hin!, denken Sie sich und machen sich – die kleinen Bälger an der Hand – auf den Weg zum Kulturevent. Genauso muss es am vergangenen Wochenende zahlreichen Eltern im Salzburger Raum gegangen sein. Die Stadt hatte zur Eröffnungsfeier des Europäischen Kulturhauptstadt-Jahrs 2024 eingeladen. Mit dabei: der österreichische Vizekanzler und Kulturminister Werner Kogler und die Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. 

Aber zurück zur Traumreise: Nach circa einer halben Stunde Programm mit Ansprachen der hohen Politiker füllt sich die ganze Bühne gegen kurz nach 18:00 Uhr mit Kindern im Grundschulalter. Als die kleinen Jungen und Mädchen unterstützt von Blasinstrumenten und dem Gesang des Publikums gemeinsam ein traditionelles Jodellied anstimmen, geht Ihnen das Herz auf – und auch die Kleinen ziehen an Ihren Armen, wollen unbedingt hochgehoben werden, um das Spektakel zu sehen. Sie sind nicht die einzigen Kinder im Publikum, auf dem menschendichten Platz finden sich zahlreiche Kinder – alles festgehalten von den Kameras des ORF-Teams

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Ihre kleine Familie ist begeistert und entschließt sich nach Ende des Jodlers, kurz eine Pause beim Waffelstand zu machen. Sie müssen eine Weile anstehen, also dauert es eine halbe Stunde, bis Sie sich endlich zurück durch die Menschenmenge zur Bühne durchgekämpft haben. Inzwischen ist es etwa 18:40 Uhr – und auf der Bühne steht nun eine streng guckende Frau mit exzentrischem Dutt in Highheels, die sich in einen schicken schwarzen Mantel gehüllt hat. Von einem Gespräch in der Nähe schnappen Sie auf, dass es sich um die österreichische Tänzerin Doris Uhlich handelt, die nun ihren „Pudertanz“ aufführe. 

„Körper tanzen in Puderwolken“

Langsam knöpft die Frau den Mantel auf, reißt ihn dann von sich und ist – nackt. Sie sehen den Körper einer etwa 45-jährigen Frau, mit Schamhaaren, Falten und kleinen Fettpölsterchen. Als sie beginnt, ihren Körper zu Vivaldis „Winter“ exzentrisch mit weißem Pulver einzupudern, sind sie plötzlich ganz froh, dass ihre Kinder noch zu klein sind, um die Bühne durch die Menschenmenge sehen zu können. Irritiert beobachten Sie die Frau dabei, wie sie ihren puderbedeckten Körper in jeder erdenklichen Pose schüttelt, ihre Brüste, Bauchfalten und Pobacken zum Takt der Musik wackeln lässt. 

Sie zücken das Smartphone aus der Tasche und finden schnell die Beschreibung zur Performance auf der Facebook-Seite der Künstlerin. „Körper tanzen in Puderwolken, machen Wellen, vibrieren, lassen ihr Fett tanzen und feiern die körperliche Vielfalt und individuelle Schönheit“, steht dort auf Englisch. Hm, denken Sie sich. Jedem das Seine. Dann verdunkelt sich die Bühne. Und dann stockt Ihr Atmen. Plötzlich steht auf der Bühne nicht mehr nur eine nackte Frau, sondern zahlreiche nackte Körper. Darunter zwei Rollstuhlfahrer, einer von ihnen komplett ohne Beine. Beide beginnen gemeinsam mit einer augenscheinlichen Queer-Person mit roten Haaren, Ohrringen und Penis, einem dicken Mann mit langen Krauselhaaren, einer dünnen Seniorin und einem schwarzen Herren mit Glatze frenetisch ihre Körper zu bepudern. 

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Es ist das ultimative Diversity-Spektakel. Jede Form, Farbe, Altersklasse und Herkunft ist auf der Bühne vertreten. Alle schütteln, was der liebe Gott ihnen gegeben hat. Die klare Message: Alle gehören dazu. Selbst als die Gruppe gemeinsam ihre Hintern dem Publikum zudecken und sie wackeln lassen, schüttelt der beinlose Mann eine Hintertasche seines Rollstuhls. Es ist ein Fest der Body-Positivity – nur ist irgendwie nix „positiv“ an dieser Körperparade. Alles wirkt skurril, verzerrend, durchgeknallt, beschämend, ja irgendwie aggressiv, abstoßend. 

Als dann irgendwann der komische Herr mit langem Kraushaar zu Techno-Musik eine Solo-Performance ablegt, bei der er sein Gemächt wie elektrisiert herumwirbelt, haben Sie endgültig genug und gehen. Ende der Gedankenübung. Ich bitte um Verzeihung, falls Sie nun angeekelt die Wand anstarren. Das wollte ich nicht. Doch: Was für Sie ein Vorstellungsspiel war, könnte tatsächlich am Samstag so abgelaufen sein.

Sahen auch Kinder zu?

Wie die Aufnahmen des ORF zeigen, waren tatsächlich zahlreiche Kinder bei dem Event anwesend. Zeitlich liegen die Kindershow auf der Bühne und das Nacktprogramm auch so nah beieinander, dass man davon ausgehen kann, dass die jungen Sänger die Performance noch mitbekommen haben. Nun würden ja manche bestimmt sagen, dass es nicht per se falsch ist, Nacktheit und Körpergefühl gegenüber Kindern zu normalisieren. Doch bei bestem Willen: Diese Performance dürfte selbst Kindern, die ihre Eltern schon zahlreiche Male unbekleidet gesehen haben, Angst vor nackten Erwachsenenkörpern gemacht haben.

Man fragt sich auch zwingend beim Betrachten der Performance, ob ein paar der Damen und Herren auf der Bühne nicht irgendwie seltsam viel Freude dabei empfinden, ihre Geschlechtsteile vor dem Publikum herum zu schütteln. Ob es nun Fetisch oder nur eine verstörende Kunstdarbietung war – für Kinder war es nun wirklich nicht geeignet und es ist befremdlich, dass eine so hochoffizielle Veranstaltung mit Politbesuch so eine Darbietung zulässt. Und mal ehrlich: Normalerweise würden wir so eine Performance doch eher in Berlin oder Köln verorten. Der allgemeine Verfall des Schamgefühls – er ist jetzt sogar in Bad Ischl angekommen. 

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