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Österreich

Grüne versuchten, Berichterstattung zu Schilling-Skandal zu unterdrücken

Recherchen des Standard legten schweres Fehlverhalten der EU-Spitzenkandidatin der österreichischen Grünen offen. Die Partei wollte die Berichte mit allen Mittel stoppen. Dafür soll sogar eine einflussreiche TV-Moderatorin mit besten Kontakten zur Grünen-Fraktionschefin Druck auf Medien ausgeübt haben.

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Österreichs Grüne stecken mitten in einer Affäre um ihre EU-Spitzenkandidatin Lena Schilling. Recherchen des Standard mit über 50 Beteiligten deckten schweres Fehlverhalten der 23-Jährigen auf. Demnach soll Schilling mehrfach Belästigungen, Affären und sogar körperliche Gewalt erfunden haben, um Menschen zu diskreditieren. Jetzt kommt raus: Grünen-Fraktionschefin Sigi Maurer soll versucht haben, diese kritischen Berichte zur Causa Schilling mit Interventionen bei entsprechenden Medien zu stoppen.

Das berichtet der Spiegel, der von einem „System Maurer“ spricht – ein, „stimmstarkes publizistisches, überwiegend weiblich besetztes Begleitorchester“. Der Vorwurf: Eine einflussreiche TV-Moderatorin mit besten Kontakten zu Maurer – laut OE24 handelt es sich um Puls24-Infochefin Corina Milborn – soll ihre Kontakte geltend gemacht haben, um Schillings Namen aus ungünstiger Berichterstattung herauszuhalten. Hintergrund war ein Streit vor der Wiener Diskothek U4. Dort hatte der grüne Abgeordnete Clemens Stammler eine „Aktivistin“ belästigt und soll einen Journalisten verletzt haben, der der Frau helfen wollte.

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Wie der Standard aufdeckte, handelte es sich bei jener jungen Aktivistin um Lena Schilling. Tatsächlich pflegten die beiden damals regelmäßig Kontakt. Chats legten ein gutes Verhältnis nahe. Schilling hat ihn sogar zur Party eingeladen. Dort aber habe sie nichts mit ihm zu tun haben wollen und sprach schlecht über ihn, berichten Anwesende. „Es ging bei dem Streit unter Männern um die daneben stehende, bereits als Spitzenkandidatin gehandelte Schilling. Am Ende wurde im Bericht nur eine namenlose NGO-Aktivistin erwähnt“, berichtet der Spiegel weiter.

Der Spiegel berichtet zudem von einer Fraktionssitzung der Grünen, in der Fraktionschefin Sigi Maurer laut Augenzeugen sinngemäß verkündet habe, dass „sie persönlich garantiere, dass in keiner österreichischen Zeitung über den Fall Schilling berichtet werde.“ Die Grünen dementieren diese Darstellung gegenüber dem Spiegel. Sie sei „gänzlich falsch“.

Profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer bestätigte bereits am 7. Mai, dass die Grünen Druck auf mehrere Redaktionen ausgeübt haben, die Story nicht zu veröffentlichen: „Die Grünen haben mit ihrer EU-Spitzenkandidatin ein riesiges Problem. Man hat in mehreren Medienhäusern versucht, diese Story zu unterdrücken. Gut, dass sie der Standard bringt. Bei einem Mann hätte man keine Sekunde gezögert.“

OE24 berichtet von „engen Verstrickungen“ zu Puls24-Mitarbeitern. Jener Journalist, der vom grünen Nationalrat Clemens Stammler angegriffen wurde, arbeitet dort. Und auch jener Moderator, dem Schilling Belästigung vorgeworfen hatte, ist Puls24-Mitarbeiter. Laut Falter habe sich zwischen den beiden „im Laufe des vergangenen Herbstes ein Chat-Geplänkel ergeben, das die Grenzen des professionellen Austausches streckenweise überschritt“. Schilling habe daraufhin zwei Puls24-Mitarbeitern von dem Chat erzählt und ihnen Chat-Verläufe gezeigt, berichtet OE24.

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