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Taurus-Abhörskandal

„Ein Haufen Inkompetenter“ – So schimpft das Ausland über Deutschlands Abhörskandal

Die Taurus-Abhöraffäre ist nicht nur innerhalb von Deutschland ein Skandal. Rund um den Globus schreibt die internationale Medienlandschaft, wie peinlich und diskreditierend der Fall für Deutschland ist. Die Rede ist von Vertrauensbrüchen und davon, Deutschland in Zukunft keine Geheimnisse mehr anzuvertrauen.

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Die Taurus-Abhöraffäre ist deutschlandweit ein Skandal. Dabei fasziniert oder schockt weniger die Tatsache, dass die Russen die deutsche Bundeswehr abgehört haben sollen, als dass die deutsche Bundeswehr es den Russen so einfach gemacht hat. Ranghohe Offiziere der Luftwaffe diskutieren über den möglichen Einsatz deutscher Taurus-Marschflugkörper durch die Ukraine und ein unbekannter Account wählt sich einfach dazu – ohne dass es jemandem auffällt. Doch wie sich mit einem Blick in die internationale Medienlandschaft erkennen lässt, ist dieser Skandal nicht auf Deutschland begrenzt. 

BBC spricht von einer „Peinlichkeit für Berlin“. Der britische Parlamentarier Tobias Ellwood wird zitiert, der den Leak als „auf mehreren Ebenen besorgniserregend“ bezeichnet. Über die Reaktion von Verteidigungsminister Pistorius schreibt die Washington Post, er würde die Bedeutung der geleakten Unterhaltung „herunterspielen“ wollen. Politico titelt: „Putins meisterhafte Spionageoperation lässt Scholz im Regen stehen“ und schreibt, der Leak hätte Olaf Scholz „diskreditiert“. Die finnische Boulevard-Zeitung Ilta-Sanomat zweifelt derweil, ob man Deutschland und seiner Fähigkeit Geheimnisse zu bewahren, überhaupt noch trauen kann. Die italienische Zeitung Corriere della Sera schreibt, Deutschland wäre in der Beziehung zu Russland schon immer die Schwachstelle des Westens gewesen. 

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Die härtesten Worte findet die Daily Mail. Edward Lucas, der Autor des Buches „The New Cold War: Putin’s Threat To Russia And The West“, titelt mit der vernichtenden Schlagzeile: „’Arrogant, bürokratisch, nutzlos‘: Warum deutsche Spione ein Haufen völliger Inkompetenter sind“. In seinem Artikel schildert Lucas, dass ihm bereits zu seiner Zeit als Auslandskorrespondent in West-Berlin 1988 ein britischer Spion erzählt haben soll: „Wenn Sie wollen, dass der Kreml etwas ernst nimmt, geben Sie es den Deutschen und sagen Sie ihnen, dass es ein Geheimnis ist. Am nächsten Morgen liegt es auf jedem Schreibtisch im Politbüro.“

„Offensichtlich hat sich in den vergangenen Jahren wenig geändert“, schließt der britische Journalist und Sicherheitsexperte daraus. „Spitzenpolitiker in jedem Land, das etwas auf sich hält, würden solche sensiblen Gespräche über verschlüsselte Leitungen mit speziellen Mobiltelefonen führen, wobei die Teilnehmer sich an sicheren Orten befinden“, führt der Autor fort. Nicht so die „doofen Deutschen“, die über Webex kommunizierten, das Lucas mit Zoom vergleicht.

Insbesondere empört ist er aber über den Schaden, den Deutschland für seine Partner angerichtet hat. So plauderten die Offiziere nicht nur ausgelassen die deutschen Internas aus, wie ein Zitat des Chefs der Luftwaffe-Generalleutnant Ingo Gerhartz zeigt: „Wenn wir nach Liefermethoden gefragt werden, weiß ich, wie die Briten das machen. Sie transportieren sie immer in gepanzerten Ridgeback-Fahrzeugen. Sie haben mehrere Leute am Boden.“

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Lucas bezeichnet das Diskutieren vertraulicher Informationen über unsichere Leitungen als „strafbare Handlung“. „Westliche Verbündete sehen sich mit der Realität konfrontiert, dass unser größter und reichster europäischer Verbündeter eine schreckliche Belastung darstellt.“ In Großbritannien gäbe es inzwischen Diskussion darüber, dass man den Geheimdienstaustausch mit Berlin einschränken sollte. Dies habe man von Seiten der Britischen Verantwortlichen zwar bisher abgelehnt, von Seiten der Daily Mail würde man solche Mittel jedoch nicht verurteilen: „Schließlich sitzt Scholz auch aus anderen Gründen in der Hundehütte.“

Edward Lucas nimmt dabei Bezug auf die Äußerung durch Scholz, dass britische Soldaten in der Ukraine vor Ort und beim Einsatz des Storm-Shadow-Raketensystems behilflich seien. Auch das war für Großbritannien ein Affront. Lucas bezeichnet es als „peinlich“, dass „der Chef eines vermeintlich vertrauenswürdigen Partners ein sensibles Detail ausplaudert.“ Alicia Kearns wird zitiert, die Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Unterhauses, die diesen Fehler von Scholz als „falsch, unverantwortlich und einen Schlag ins Gesicht“ empfand. 

Die Inkompetenz der Deutschen macht Lucas allerdings nicht nur an der Taurus-Affäre fest. Wie sehr den deutschen Sicherheitskräften durch die Bürokratie die Hände gebunden werden, könne man auch an dem Journalisten Michael Colborne erkennen, „der nur 30 Minuten brauchte, um eine flüchtige linke Terroristin, die 65-jährige Daniela Klette, von der mörderischen Baader-Meinhof-Bande aufzuspüren“. Er betont noch einmal, dass sie einfach mit falscher Identität mitten in Berlin leben konnte, obwohl sie auf der Fahndungslist Deutschlands stand. „Deutschland ist aufgrund seiner Politik das schwächste Glied in der europäischen Verteidigung“, schließt er. Und anhand der aktuellen Beweislage, könnte er damit Recht haben.

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