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Die Masken sind zurück: Grundschule in US-Hauptstadt führt wieder Maskenpflicht ein

Kaum gehen die Corona-Zahlen ein wenig hoch, ist die Debatte über die obligatorische Maske wieder da. Während in Deutschland erste Stimmen von Schutzmasken im Herbst sprechen, herrscht an einer amerikanischen Grundschule jetzt sogar wieder Maskenpflicht. Das sorgt für viel Kritik, zurecht.

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In den USA beginnt das neue Schuljahr. Und das mit einem alten Bekannten, den wir alle mit großer Freude eigentlich zurückgelassen hatten: die Corona-Maske. Da die Coronavirus-Fälle in einigen Regionen wieder leicht ansteigen, kehrt aus derselben Panik wie schon 2020 in einige amerikanische Klassenzimmer die Maskenpflicht zurück.

Grundschüler wieder mit Maske

In Montgomery County, Maryland, Teil der Metropolregion der Hauptstadt Washington D.C., hat in dieser Woche eine Grundschuldirektorin mehrere Tage Maskenpflicht für Drittklässler angeordnet, nachdem vier Personen positiv auf das Virus getestet wurden.

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An die Eltern wurde dafür ein Schreiben ausgeteilt, dass so auch aus der Frühphase des Virus, 2020, stammen könnte. In dem Schreiben formuliert die Grundschuldirektorin: „Wir möchten Sie informieren, dass in den letzten 10 Tagen, 3 oder mehr Individuen positiv auf Covid-19 getestet wurden. Wir werden daher folgende Schritte einleiten, um unsere Schule so sicher wie möglich für Präsenzunterricht gestalten und weitere Infektionen zu verhindern.“

Dann listet die Direktorin die Vorhaben auf: „FFP2-Masken wurden an Schüler und Lehrer verteilt. Es ist Pflicht diese für die nächsten 10 Tagen während des gesamten Unterrichts zu tragen, mit Ausnahme von Essen und Trinken. Danach werden Masken für 10 Tage optional.“ Zudem werden wieder Schnelltests an die Schüler verteilt, mit denen sie sich in regelmäßigen Abständen oder einer Infektion im Bekanntenkreis testen lassen sollen.

Debatte geht wieder los, Kritik wird laut

Und es ist nicht der einzige Fall in den USA: Die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, kündigte an, im Herbst kostenlose FFP2-Masken an Schulen zu verteilen, obwohl der Staat ihre Verwendung nicht vorschreibt. Und in Alabama hat eine Junior High School in Sumter County Ende August erklärt, dass die Maskenpflicht für alle – Schüler, Lehrer und Besucher – wieder beginnen wird. Das berichtete die Washington Post.

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Auch wenn nur wenige Schulen bisher solche Regeln eingeführt haben, kocht die Debatte in Amerika wieder hoch: So stellten eine Gruppe relevanter republikanischer Senatoren in dieser Woche einen Gesetzentwurf vor, der „Federal Mask Mandates“, also Maskenvorschriften des Bundes im Inlandsflugverkehr, im öffentlichen Nahverkehr und an öffentlichen Schulen bis Ende 2024 verbieten soll. Vor allem die Republikaner zeigen sich immer wehrhafter gegen die neuen Vorschriftspläne.

So kommentierte der republikanische Senator aus Texas, Ted Cruz, zu den Maßnahmen an der Grundschule in Maryland: „Wenn Sie freiwillig eine Maske tragen möchten, bitte schön, aber lassen Sie unsere Kinder in Ruhe.“ Der ehemalige Präsident und führende Kandidat für die nächste Wahl, Donald Trump, versprach letzten Monat, dass er, wenn er wiedergewählt wird, „jede verfügbare Autorität nutzen werde, um die Bundesmittel für jede Schule zu kürzen“, die eine Maskenregel einführt.

Republikanische Staaten stellen sich gegen neue Maßnahmen

Während in dem von den Demokraten geführten Maryland also die Maskenpflicht bei einigen Fällen eingeführt wird, ist es in republikanischen Staaten anders. Gegenüber der Washington Post sagte Josh Tovar, ein Schulleiter in Texas, dass auf seinem Campus die Zahl der infizierten Schüler und Lehrer ebenfalls steige und einige Klassen sogar wegen Lehrermangel schon ausfallen würden. Trotzdem, so Tovar, würde in Texas niemand auf die Idee kommen, wieder eine Maskenpflicht einzuführen. „Es herrscht hier im Bundesstaat Texas einfach eine andere Denkweise in Bezug auf die Maske“, sagte er. „Ich habe buchstäblich gerade an einem Schulleiter-Meeting teilgenommen, bei dem wir einen Anstieg festgestellt haben, aber niemand hat daran gedacht, die Maskenpflicht wieder einzuführen. Das steht nicht auf dem Radar.“

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Auch Floridas Gouverneur und Präsidentschaftskandidat Ron DeSantis, der für seinen Widerstand gegen Lockdowns bekannt wurde, versprach: „Diese Vorschriften wird es im Bundesstaat Florida nicht geben.“ „Während Bidens biomedizinischer Staat hart daran arbeitet, den COVID-Autoritarismus zurückzubringen, werden wir weiterhin standhaft bleiben“, so DeSantis. Und es müsse„eine Abrechnung für den Schaden geben, den sie Kindern bei der Verfolgung einer politischen Agenda zugefügt haben.“

Das hatte schon in der Pandemiezeit von 2020 bis 2022 Tradition: Republikanische Staaten, allen voran Florida und Georgia, lehnten nach dem ersten Jahr der Pandemie weitgehend Maskenpflichten ab, auch als die Delta-Variante im Sommer 2021 und die hochansteckende Omikron-Variante die Runde machte. Staatliche und lokale Gesundheitsbeamte in stark demokratischen Gebieten waren dagegen langsam bei der Aufhebung der Maskenpflicht.

Wieder Masken – ernsthaft?

Im Februar erst hatte eine Studie gezeigt, dass die Maskenpflicht auf das Infektionsgeschehen während der Corona-Pandemie wahrscheinlich nur einen geringen oder möglicherweise überhaupt keinen Einfluss genommen hat. Und dafür mussten Schüler und sogar Kindergartenkinder acht Stunden in Klassenzimmer mit Maske sitzen.

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Trotzdem scheint es jetzt wieder Trend, über solche Maßnahmen zu sprechen – auch in Deutschland gibt es schon entsprechende Vorstöße: Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Janosch Dahmen, forderte zuletzt auf, im Herbst wieder Masken zu tragen. In der kommenden Herbst-Winter-Saison könne die Belastung im Gesundheitswesen aufgrund von akuten respiratorischen Infektionen wieder deutlich zunehmen, so der Grünen-Politiker gegenüber dem RND: „Um sich vor akuten Atemwegserkrankungen zu schützen, kann es auch in diesem Herbst sinnvoll sein, in Pflegeeinrichtungen, Kliniken und anderen Teilen des Gesundheitswesens eine Schutzmaske zu tragen“, so Dahmen.

Die Debatte ist ein Beweis dafür, dass wir mit der Corona-Aufarbeitung längst noch nicht fertig sind. Sonst würde man sich wohl mit solchen Forderungen zurückhalten.

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