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Nach Falschmeldung

Deutschlandfunk sieht Hamas als „journalistische Quelle“

Der Deutschlandfunk verbreitete Falschmeldungen über einen vermeintlich israelischen Raketenangriff auf ein Krankenhaus. Im Nachgang insistiert man nun darauf, dass die Hamas dennoch als Quelle tauge.

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Zwei Tage nachdem der Deutschlandfunk über einen vermeintlich israelischen Luftangriff auf ein Krankenhaus berichtet hatte, erklärt der DLF-Journalist Marco Bertolaso nun, dass auch Terrororganisationen journalistische Quellen sein können. Zuvor war dem Deutschlandfunk ein grober Fehler unterlaufen. „Bei einem israelischen Luftangriff auf den Gazastreifen sind in einem Krankenhaus nach Angaben der Hamas hunderte Menschen getötet worden“, postete der Sender auf X am Abend des 17. Oktobers und spricht somit eindeutig von einer israelischen Rakete. In jenem Artikel beruft sich der DLF auf Quellen der Hamas und übernimmt deren Erzählung des Angriffs vollständig. Dass die israelischen Behörden einen Angriff widerlegten und auch die Opferzahl nicht unabhängig prüfbar war, fiel dem Sender wenig später auch auf.

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Nachdem das israelische Militär Beweise für eine fehlgeschlagene Rakete des Islamischen Dschihad veröffentlicht hatte, sahen sich die Berichterstatter der Leitmedien in die Enge getrieben, der Post des DLF wurde nach rund einer Stunde wieder gelöscht. Am 19. Oktober folgte dann die Entschuldigung: „Die Deutschlandfunk-Nachrichten haben an jenem Abend einen Fehler gemacht“, zu dem sich die Redaktion „öffentlich bekannt hat und aus dem sie Lehren zieht“, sagte Marco Bertolaso in einem Kommentar. Wenig später seien ja auch die Schilderung Israels weit „oben, in der Meldung“ aufgetaucht, meint der Journalist und möchte damit die Aufrichtigkeit des Deutschlandfunk untermauern.

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Hamas soll journalistische Quelle sein

Dass die Forderung, die Hamas dürfte nicht als journalistische Quelle genutzt werden, zu weit geht, kreidet Bertolaso infolgedessen aber an – „auch wenn es sich um eine Terrororganisation handelt.“ Der Journalist führt aus, dass unabhängige Zeugen in Kriegsgebieten Mangelware sind. Außerdem sei die Propaganda „grenzenlos – das gilt selten nur für eine Partei“, mahnt der Journalist. Ob er damit impliziert, dass das Zitieren von Quellen einer Terrororganisation in Ordnung sei, weil ja auch die Gegenseite propagieren könne?

„Sollen wir unser Publikum wirklich von problematischen Positionen fernhalten?“, fragt Bertolaso rhetorisch. Die Antwort lautet natürlich: nein. Jede Position muss irgendwo abgebildet oder dargestellt werden. Nun ist aber die Art der Darstellung der entscheidende Faktor, der über Hinterfragen oder Übernehmen einer Information entscheidet. Wenn Leitmedien die Hamas als „Quelle“ darstellen, so erweckt das zunächst den beruhigenden Eindruck, man hätte es mit handfesten Fakten zu tun.

Aber auch ein – nie gefordertes – „Hamas-Zitat-Verbot“ ist „nicht die Lösung“, meint Bertolaso. Denn richtigerweise müsse man „immer klarmachen, wer da spricht.“ Die mündigen Medienkonsumenten wollen „sich ein eigenes Urteil bilden“ – für eine breite Berichterstattung ist auch das Zitieren der Hamas von Belangen. Die Aussagen einer Terrororganisation als einzige Quelle unüberprüft zu übernehmen, geht aber über das Zitieren hinaus. Weil neben dem Deutschlandfunk auch die Tagesschau und Co. zunächst falsch über die Explosion berichteten, entflammte harsche Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern. Doch laut Bertolaso „werden am Ende die falschen profitieren“, sollten öffentlich-rechtliche Medien „jenseits der Kritik zu Feindbildern gemacht werden.“ Doch wer sind die Falschen?

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