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Krisenstimmung

Baugigant Liebherr schickt 1.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Der Baugigant Liebherr sieht sich gezwungen, 1000 Mitarbeiter für neun Monate in Kurzarbeit zu schicken. Die Krise in der Baubranche setzt sich unaufhörlich fort.

Der Baugigant Liebherr aus dem schwäbischen Biberach muss weitere 1.000 Mitarbeiter bis September 2024 in Kurzarbeit schicken. Die Flaute in der Baubranche hat nach Angaben des Unternehmens „zu verminderten Auftragseingängen bei der Liebherr-Werk Biberach GmbH geführt, die Turmdrehkrane und Mobilbaukrane entwickelt und fertigt“. Mit den Produktionsstandorten in Spanien und Indien zählt Liebherr zu den größten Herstellern von Turmdrehkranen. Rund 1.630 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen allein am Standort Biberach. 1000 davon müssen nun in Kurzarbeit.

Seit Oktober befinden sich schon am Produktionsstandort in Ochsenhausen, Baden-Württemberg, 1350 Mitarbeiter in Kurzarbeit, die bis zum 31. März 2024 angemeldet ist. Ab 1. Januar 2024 soll dann auch im Liebherr-Werk Biberach Kurzarbeit für etwa 1000 Mitarbeiter eingeführt werden. Sie soll nach derzeitiger Planung bis zum 30. September 2024 anhalten. „Der Umfang der Kurzarbeit variiert in beiden Werken je nach Auslastungsgrad der verschiedenen Produkt- und Fachbereiche“, so teilt Liebherr auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung mit.

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Geschäftsführungen, Personalabteilungen und Betriebsräte beider Gesellschaften hätten in enger Abstimmung eine Anpassung der Kapazitäten durch „temporäre Kurzarbeit“ für ihre jeweilige Gesellschaft beschlossen.

Bauwirtschaft massiv in der Krise

Die gesamte deutsche Baubranche ist aufgrund Auftragsflaute, hohen Energiepreisen und einer Rohstoffverteuerung massiv in der Krise. Erst vor ein paar Wochen warnten hochrangige Vertreter der Baubranche mit drastischen Worte, dass wegen der momentanen Situation der Bauwirtschaft in Deutschland bis 2025 ganze 300.000 Jobs in der deutschen Baubranche wegfallen werden. 

Bernhard Sommer, Vorstandsvorsitzender von Kern-Haus, ein Unternehmen mit Millionen-Umsatz, mahnte gegenüber der Bild Anfang November: „Die Auftragseingänge im Hausbau sind seit letztem Jahr um über 50 Prozent zurückgegangen. Das ist mehr als alarmierend. Dies gilt für die gesamte Hausbaubranche.“ Die Folgen tragen die Mitarbeiter, wie die von Liebherr, die nun in Kurzarbeit gestellt werden.

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Auch andere Großunternehmen müssen auf Kurzarbeit setzen

Doch nicht nur die Baubranche muss auf solche Maßnahmen setzen, um weiter wirtschaften zu können: Der Textilkonzern Groz-Beckert aus Baden-Württemberg will laut einer Mitteilung den Großteil der rund 2200 Mitarbeiter am Stammsitz zum 1. Januar 2024 in die Kurzarbeit schicken. Der weltweite Marktführer für die Entwicklung und Produktion von Industrienadeln und Präzisionswerkzeugen hat mit der Investitionszurückhaltung in der Textil- und Bauindustrie zu kämpfen. Das berichtet ebenfalls die Schwäbische Zeitung.

Es entsteht also eine Art Dominoeffekt: Haben Unternehmen der Baubranche Probleme, so geben sie diese auch an die Unternehmen, die die Bauunternehmen beliefern, weiter. Groz-Beckert schreibt in ihrer Mitteilung, dass die Umsätze in den Geschäftsbereichen Textile Tools (Produkte für die Textilindustrie) und Engineered Textiles (Produkte für die Bauindustrie) im Vergleich zum Vorjahr „spürbar“ zurückgegangen. Entsprechend werde man die Zahl der Stunden der Mitarbeiter reduzieren müssen.

„Der Schritt ist notwendig, um die Kostensituation nach über einem Jahr mit sinkenden Umsätzen an die Marktlage anzupassen“, teilte das Unternehmen mit. Groz-Beckert beschäftigt weltweit fast 10000 Mitarbeiter und machte im Jahr 2022 noch 814 Millionen Euro Umsatz.

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