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Erst Corona, jetzt Grippe

Wieder sollen Kinder zum Schutz der Alten geimpft werden

Der Kinderärzteverband hat sich dafür ausgesprochen, auch gesunde Kinder gegen Grippe zu impfen. Damit sollen die Kinder ihre Großeltern schützen. Sie selbst sind durch die Krankheit nicht gefährdet. Eine Argumentation, die an die Tage der Corona-Pandemie erinnert.

„Unser Ziel muss es sein, die Ausbreitung des Virus durch Impfung zu verhindern und damit die Krankheitslast für alle zu mindern. Dafür wäre eine breite Impfung ab dem Kleinkindalter medizinisch sinnvoll“, sagte Michael Hubmann, Präsident des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Dienstag. Der Verband spricht sich dafür aus, Grippeimpfungen nicht nur wie bis dato Kindern mit Vorerkrankungen zu empfehlen, sondern vielmehr allen Kindern die Spritze nahezulegen. 

Es sind Worte, die medizinisch rein klingen, unaufgeregt. ‚Na, wenn der Onkel Doktor das sagt…‘, denken sich wohl nicht wenige um ihr Kind besorgte Eltern, wenn sie diese Zeilen lesen und bringen ihr Kind für die Impfung zum Kinderarzt. Man muss sich jedoch vor Augen führen, was dieser Kinderärzte-Verbund hier tatsächlich sagt: Kinder sollen sich nicht – wie üblich – impfen lassen, um ihre eigene Gesundheit zu schützen, sondern allein, um ihre Großeltern vor den Grippeviren zu bewahren. Und das im Übrigen nicht nur einmal, sondern einmal jährlich – länger hält der Impfschutz bei den Grippeimpfstoffen nicht. 

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Aktuell empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Grippeimpfung nur für Personen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Grippeerkrankung haben. Konkret betrifft das Personen ab 60 Jahren und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Auch medizinischem Personal, Schwangeren und Bewohnern von Altenheimen wird die Impfung nahegelegt – hier geht es einerseits um das erhöhte Infektionsrisiko, andererseits möchte man in medizinischen Einrichtungen und Altenheimen vor allem auch die Weitergabe an Patienten, Bewohner (oder an das im Bauch heranwachsende Kind) verhindern. 

Grippe ist für Kinder ungefährlich

Dass es keine allgemeine Impfempfehlung auch für gesunde Kinder und Erwachsene unter 60 Jahren gibt, liegt laut der STIKO daran, dass eine Grippe-Erkrankung in diesen Altersgruppen fast ausschließlich ohne schwerwiegende Komplikationen verläuft. Das bedeutet übersetzt: Das Gesundheitsrisiko, das von der Grippeerkrankung ausgeht, ist so gering, dass es nicht die Risiken, die mit der Impfung einhergehen, rechtfertigt. 

Dennoch will der Kinderärzte-Verband nun auch gesunde Kinder ab dem Kleinkindalter impfen lassen. Immerhin komme es vor, dass ein infiziertes Enkelkind nur leicht erkranke, seine Großeltern sich aber bei ihm anstecken und die gefährliche Influenza bekommen, zitiert ZDF heute Hubmann weiter. 

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Eine verquere medizinische Logik und Ethik, die an die Zeiten der Corona-Pandemie erinnert, in denen Kinder mit Impfbussen, sozialem Druck und Werbekampagnen zur ersten, zweiten und dritten Impfung gedrängt wurden, obwohl für sie selbst vom Virus keine Gefahr ausging. Zeiten, in denen Kindern erzählt wurde, wenn sie sich nicht impfen lassen, könnten sie ihre Oma umbringen.

Nun ist der Grippeimpfstoff in den meisten Fällen gut verträglich. Wie bei den meisten Impfungen kann es laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu vorübergehenden Impfreaktionen mit Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle kommen. Außerdem können für ein bis zwei Tage erkältungsähnliche Beschwerden auftreten, wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC spricht außerdem von Übelkeit, Muskelschmerzen und Bewusstseinsverlust, die durch die Impfung ausgelöst werden können.

Obendrein schreibt die amerikanische Gesundheitsbehörde auf ihrer Webseite, dass manche Studien einen Zusammenhang zwischen der Grippeimpfung und dem Guillain-Barré-Syndrom festgestellt haben. Dabei handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, bei der es zu Muskelschwäche und Lähmungen kommt. Die Häufigkeit beschränke sich allerdings auf ein bis zwei Krankheitsfälle auf eine Million geimpfte Personen. Die Krankheit tritt außerdem eher im höheren Alter auf. Bei Kindern ist sie sehr selten. 

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Kinder sind nicht für Erwachsene verantwortlich

Nun gibt es keinen Impfstoff ohne Nebenwirkungen und im Gegensatz zu den Coronaimpfstoffen auf Basis der neuartigen mRNA-Technologie wurden die Tot- und Lebendimpfstoffe gegen Grippe schon über einen längeren Zeitraum erforscht. Und dennoch würde man – gerade von Kinderärzten – doch erwarten, dass sie sich als Anwalt der Kinder verstehen und klarstellen: Kinder sind nicht für die Gesundheit der Erwachsenen verantwortlich.

Vielmehr ist es die Aufgabe der Erwachsenen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Kindern zu helfen. Ein Kind dazu zu nötigen (selbst entscheiden kann es ja nicht), sich einmal im Jahr vom Arzt piksen zu lassen und im Zweifel Impfreaktionen durchzumachen, nur damit Oma und Opa weniger Angst vor einer Ansteckung haben müssen, ist purer Egoismus der Älteren. 

Dass diese Kinderärzte dennoch derartig entgegen der Kindesinteressen argumentieren, zeigt vor allem eines: Viele Ärzte sind schon lange nicht mehr an der Gesundheit des Individuums interessiert. Sie verstehen sich nicht mehr als Anwalt und Helfer ihres Patienten, sondern als großer Wunderheiler, der das Wohl der ganzen Gesellschaft im Sinn hat. Es gab eine Zeit, da benannte man so ein Verhalten, als das, was es ist: Kommunismus. 

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