Zwing mich bitte! Geschichten aus der ÖR-Kinderstube

Von Max Roland | In einem totalitären Staat schiebt man Agitatoren und Systemjournalisten vor, die eine noch striktere Einhaltung der Regierungslinie fordern. Dort dienen Journalisten als Erzieher, nicht als „vierte Gewalt“.  Gott sei Dank leben wir in Deutschland und nicht im Totalitarismus. Und so sind Journalisten hier nicht Diener der Staatsgewalt, vor allem nicht im Öffentlich-Rechtlichen. Das geht schon gar nicht, weil die Grünen ja nicht regieren, sondern in der Opposition sind. Daher kann man beruhigt sagen, dass unser System ganz hervorragend funktioniert. 

 In den Tagesthemen wird häufig der Raum für Kommentare eingeräumt. Das ist an sich ja auch was gutes: Einen neuen Denkanstoß kann sicherlich jeder vertragen. Nur wird aus einem Denkanstoß schnell mal ein AgProp-Gedankenbeschuss aus einer bestimmten Richtung. Ich biete eine Wette an: Wer findet einen liberal angehauchten Tagesthemen-Kommentar aus jüngerer Zeit? Oder einen, der vielleicht gegen die vorherrschende Mehrheits-oder Mainstreammeinung geht, gegen den Zeitgeist? Wenn jemand einen auftreiben kann, werde ich untertänigst eine Liebeserklärung an den ÖR-Rundfunk verfassen. Erstes, Erstes über alles.

Aber eigentlich wollte ich mich einem Kommentar widmen, den der WDR-Journalist Lorenz Beckhardt am 29.7. in den „Tagesthemen“ präsentierte. „Kommentar“ wird dem gar nicht gerecht: Eigentlich ist es ein verzweifelter Hilferuf. Anlässlich des sogenannten „Erdüberlastungstages“ bettelt Beckhardt auf der GEZ-Bühne nach der Hand des Staates. Er möchte, nein, er will unbedingt gezwungen werden. „Macht Fleisch, Auto fahren und fliegen so verdammt teuer, dass wir alle davon runterkommen. Bitte! Schnell!“ Im Gegenzug schwört Beckhardt (sicherheitshalber für uns alle – nicht, dass einer nicht hörig werde), Gefolgschaft. „Dann wählen wir euch auch alle!“ Das ganze hat fast schon Sado-Maso-Züge. 

Dass man die Bürger zu ihrem Glück zwingt, erscheint einem Mann im Zwangsgebühren-System sicherlich ganz logisch. Wahrscheinlich offenbart er deswegen ein absolutes Unvermögen zur Eigenverantwortung: Herr Beckhardt fährt gerne Auto. Er geht gerne tauchen, und das wohl nicht gerade in der Ostsee. Er ist gerne viel Fleisch. Aber eigentlich will er das ja gar nicht und hofft deswegen, dass Vater Staat ihn davon abhält. Auch sein sonstiger Lebensstil (auf Twitter offenbart er sich als „Weinliebhaber“ und „Gourmet“) dürfte weder billig, noch Klimaneutral sein. Aber wem Zwang so ein schönes Leben ermöglicht, der ist von solchem natürlich vollumfänglich überzeugt. Ist ja logisch.

Ein Profiteur eines Zwangssystems tritt als Advokat für mehr Zwang auf:  Sicherlich kann man das als Arroganz und Abgehobenheit einer Journalistenkaste charakterisieren, die auf die Bürger wie auf zu erziehende Kinder herabblickt.  Viel eher aber offenbart Herr Beckhardt, dass er selbst noch ein Kind ist: Eigenverantwortung kommt ihm nicht in den Sinn. Wie ein siebenjähriger steht er da, der unfähig ist, etwas selbst in die Hand zu nehmen: Papa – Papa Staat – muss helfen. In dem Sinne ist der gute Mann eher wie das Kind mit Lernschwierigkeiten, wegen dem der Lehrer der ganzen Klasse auf die Pelle rückt. Und ich dachte, ich wäre solche Leute endlich los, nachdem ich meinen Abschluss gemacht habe.

3 Antworten

  1. nordseeschwalbe sagt:

    Ja, SM trifft es gut: Mama (nicht Papa!), bitte bitte bestraf mich bösen bösen Jungen! Schnell! Dann leck ich Dir auch die Stiefel!
    Schüttel.

  2. Max Media sagt:

    Unglaublich…danke für den verlinkten Kommentar.
    Da kann man sich nur noch an den Kopf greifen.

  1. 30. Juli 2019

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