Wo hört Drangsalierung auf und wo fängt die Impfpflicht an? Ein Erfahrungsbericht

Von Sophie Specker | Die Spritpreise steigen, die Kreativität hinsichtlich der Corona-Maßnahmen auch. Heute durfte man noch ungeimpft ins Restaurant, morgen nicht mehr. Das habe ich tatsächlich so erlebt. Vom Sport aus gehen, nein gingen, wir immer ins Restaurant quasi direkt nebenan. Gutes Essen, nette Atmosphäre, alles super und Tradition. Aber dann die Ankündigung: ab Montag gilt hier 2G. Euer Ernst? Das dürfen sich die Betreiber immerhin freiwillig aussuchen. Auf der finanziellen Seite nachvollziehbar, auf der zwischenmenschlichen nicht. Am Eingang wurde man (vor 2G) nach den Ausweisdokumenten (Testzertifikat, Genesenennachweis oder Impfnachweis) gefragt.

Wenn der Personalausweis nicht mit dabei war, wurde man nicht reingelassen. So dezimierte sich unsere Gruppe schon auf minus zwei Personen. Wurden die Hände am Eingang nicht gründlichst desinfiziert, wurde man darauf aufmerksam gemacht und desinfizierte seine Hände dann unter strikter Beobachtung. Das Essen? Wenn man alle Hürden passiert hat, die Corona einen schon in den Weg legt, wenn man doch nur mal was essen will, und  endlich am Ziel war – wurde man schon derbe enttäuscht. Nicht mehr so vielfältig und lecker wie es mal war. Auch dort machen sich scheinbar die Lieferengpässe und sonstigen, durch die Maßnahmen ausgelösten, finanziellen Mängel bemerkbar.


Heute gern gesehener Kunde, morgen persona non grata

Am Samstag gingen wir dort also noch essen, ab Montag bin ich für das Restaurant eine persona non grata. Warum? Ich bin nicht geimpft –  aber alle anderen aus meinem Kurs sind es. Also muss ich entweder auf das gemeinsame Essen nach dem Sport verzichten oder wir müssen uns ein anderes Lokal suchen. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier, also werde ich nach dem Sport wohl direkt nach Hause fahren.

In Hessen darf man demnächst vermutlich nicht mal mehr in alle Supermärkte. Die Lebensmittelversorgung gilt aber als absolut gewährleistet. Vielleicht muss man dann etwas länger fahren, um sich etwas fürs Abendessen kaufen zu können, oder morgens Brötchen zu besorgen, aber bei den günstigen Spritpreisen macht das doch nichts. Oder man geht mit der Zeit und fährt mit dem sehr angenehm zu fahrenden Lastenfahrrad shoppen.

Die Antigentests kosten bei uns wenigstens ,,nur“ 15 Euro pro Stück, was mich tatsächlich positiv überrascht hat. Und wenn man Mitglied im Fitnessstudio nebenan ist, kostet es sogar nur noch vier Euro! Ich werde demnächst eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen und wer weiß, vielleicht bringt mich Corona noch dazu, ins Fitnessstudio zu gehen. Noch eine Einscheidung, die man nicht mehr für die Gesundheit, sondern für die Freiheit treffen muss. 

Sogar auf privaten Veranstaltungen von Freunden mussten wir die Luca-App benutzen und unsere 3G- Zertifikate vorweisen. Auf privaten Veranstaltungen. Von Freunden. Mit vielleicht 20 Personen. Wären das nicht wirklich gute Freunde von mir gewesen, wäre ich dort nicht hingegangen.

Und die Umarmungen finden teilweise nur noch mit den Worten ,,Ich bin ja geimpft, dann geht das ja wieder.“ statt. Ihr wisst aber schon, dass ihr noch genauso Corona weitergeben und selbst erkranken könnt? Dass es nur vor einem schweren Verlauf schützen soll? Und dass Getestete tatsächlich sicherer sind als Geimpfte? Scheinbar nicht. Und ich will ja keine Spaßbremse sein.

Die Frage ist, wird es irgendwann aufhören? Ich habe immer gedacht, im nächsten Frühjahr oder Sommer ist alles wieder wie es war. Oder zumindest die 3G- oder 2G-Regelungen fallen weg. Aber was ist, wenn diese nie abgeschafft werden? Was ist, wenn die Grundvoraussetzung zukünftig die Impfung wird? Wie oft muss man sich dann impfen lassen? Ich habe gehört, dass immunschwache Personen alle 28 Tage geimpft werden sollen und alle anderen alle paar Monate. Wenn man sich nicht immer wieder impfen lassen will, darf man dann noch arbeiten? Darf man noch einkaufen? Der Mensch lebt schon nicht vom Brot allein, aber wenigstens Brot will ich noch kaufen können. 

3 Antworten

  1. Antonio Espinosa sagt:

    ‘Wir können sie nicht dazu zwingen, die Wahrheit zu sagen. Aber wir können sie dazu bringen, immer unverschämter zu lügen …’
    (Ulrike. Meinhof)
    .
    >>> Ungeimpfte angebl. infektiöser als Geimpfte (unterschwellig ‘Kameradenschweine’):
    “Münster: Inzwischen 85 Infizierte nach 2G-Party im Club. Es waren rund 380 Menschen in dem Club. Für die Party am 3. September galt die 2G-Regelung: Alle Gäste waren nach eigenen Angaben geimpft oder genesen.”
    .
    >>> ‘Fall Kimmich’:
    Beipackzettel Pfizer/Biontech Stand 06/2021:
    “Ernsthafte und unerwartete Nebenwirkungen können auftreten. Der PfizerBioNTech-COVID19-Impfstoff wird noch immer in klinischen Versuchsreihen untersucht”. Kimmich jedoch muß dringend ‘beraten und aufgeklärt’ werden, Kommentar überflüssig.
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    >>> ‘Hospitalisierungs’-Statistik:
    – Positiv getestete eingelieferte Geimpfte ohne Covid Symptome werden NICHT als Covid-Patienten (Durchbruch) geführt.
    – Positiv getestete eingelieferte Ungeimpfte ohne Covid Symptome werden IN JEDEM FALLE als Covid-Patienten geführt,
    auch wenn sie gar nicht wg. Covid-Beschwerden, sondern wg. Verletzungen z.B. aus einem Autounfall auf Intensiv kamen.
    Im Falle des Versterbens gilt der/die Geimpfte NICHT als Covid-Opfer, wohl aber der/die Ungeimpfte, unabhängig von der Todesursache.
    Soviel zu unseren ‘Statistiken’ und zur Krankenhaus-Überbelegung. Wenn es Engpässe gibt, dann wg. staatlich gefördertem Intensivbetten-Abbau und Mangel an Pflegepersonal als Folge der Fallpauschalen und Privatisierungswelle (beides ‘gewollte’ Versäumnisse des Gesundheits-Ministeriums).
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    Genug hier, bevor ich mir durch Aufzählen dutzender weiterer Punkte anstatt Corona ein schweres Fatigue Syndrom einhandele.
    Wäre auch sinnfrei, denn offenbar hat Big Pharma ohnehin eine Metamorphose vom bislang abgründigen ‘Profit over people’ Image zu einem neuen Messias-Übervater durchlaufen.
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    Inzw. erspare ich mir die Berieselung mit assimilierten ‘Informationen’ durch konsequente Nicht-Betätigung des Einschaltknopfes an Radio-oder TV-Gerät (insbes. Nachrichten, Talk Shows und ‘wissenschaftl.’ Beiträge).

  2. MayBe sagt:

    Irgendeiner muss doch den “Spaß” bezahlen- arbeiten gehen, wird dann sicher weiter, wenn auch unter speziellen Bedingungen, ähm ja, erlaubt sein. Da in vielen Bereichen (also echte) Fachkräfte fehlen- und/ oder fehlen würden, wird mit Tests, Ausgrenzungen bei den Pausen “gearbeitet” werden. Im Handwerk, oder Bau, wahrscheinlich weniger, aber in jedem größeren Betrieb, wo in irgendeiner Form eben stationär, also vor Ort gearbeitet wird, bzw. eben so muss. Ihre Restaurant- Erfahrung kann ich so bestätigen, wobei wir im August und September schon nur draußen sitzen durften. Wir waren im Juli, nach 7- monatiger Abstinenz, wegen Lockdown für alle, sogar mal im Innenenraum unseres- bisherigen Stammrestaurants essen- hernach war wegen 3 G für uns kein Zutritt. Davor 7 Monate lang abgeholt. Der Laden ist für uns gestorben. Wenn sogenannte Freunde schon mit der Luca- App arbeiten, würde ich mich nach anderen Freunden umsehen, oder lieber allein, als in schlechter Gesellschaft. Ok, ich bin “älter”- da hat sich im Lauf der Zeit, insbesondere derzeit noch viel mehr, die Spreu vom Weizen getrennt. Sogar innerhalb der Familie. Meine Tochter spricht nicht mehr mit mir, meldet sich nicht mehr, Zeugin Coronas, mit 30! Ich umarme Sie jetzt einfach mal, und hoffe, für uns alle, dass es irgendwie wieder besser wird. Kopf hoch 🙂 Jetzt erst recht.

  3. Thorsten Stuckwisch sagt:

    Klasse Beitrag über den alltäglichen Wahnsinn. Verständlich geschrieben.