Wie Kiezdeutsch unsere Sprache zerstört

Von Neel Nissen |  „Digga, lass Kino!“ „Yallah habibi!“ Diesen Unsinn zu schreiben, tut mir in der Seele weh, aber es ist notwendig, denn so reden nun mal große Teile junger, häufig urbaner Menschen heutzutage. Die Linguisten sprechen vom sogenannten „Kiezdeutsch“, wenn sie den türkisch-arabischen Einfluss auf die deutsche Sprache meinen.

Fehlende Integrationsmaßnahmen und mangelnde Integrationsbereitschaft sorgen seit Jahrzehnten dafür, dass Migranten die deutsche Sprache nicht richtig erlernen und wiederum nicht in der Lage sind, ihren Kindern vernünftiges Deutsch beizubringen. Dadurch kapseln sich viele Menschen, die einen Migrationshintergrund haben, von der Gesellschaft ab und bilden sogenannte Parallelgesellschaften. Doch in Schulen, Sportvereinen und anderen Orten der Zusammenkunft treffen alle aufeinander. Allerdings passiert hier das, womit vor 20 Jahren wohl keiner gerechnet hätte. Nicht die Kinder mit Migrationshintergrund lernen von den Muttersprachlern, sondern Kinder, die einwandfreies Deutsch sprechen, finden den türkisch-arabischen Einfluss auf ihre Sprache irgendwie cool und übernehmen einzelne Wörter und ganze Strukturen von ihnen. So sind wir mittlerweile an dem Punkt angekommen, an dem es normal ist, dass junge Menschen, unabhängig von ihren Wurzeln, eine Mischung aus Türkisch und Deutsch sprechen, sogenanntes Kiezdeutsch.

Ein Symbol für misslungene Integration

Die Linguistin Heike Wiese (Universität Potsdam) meint, Kiezdeutsch wäre ein Beispiel für gelungene Integration. Grober Unfug, wie ich finde. Die Integration von Menschen aus anderen Kulturen ist dann gelungen, wenn sie sich der deutschen Kultur anpassen und sich an hier geltende Spielregeln halten. Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass Menschen aus verschiedenen Ländern heute ein Teil unserer Gesellschaft sind und diese ungemein bereichern. Ich bin stolz auf unsere Gesellschaft, in der jeden Tag Toleranz und gegenseitiger Respekt, und zwar unabhängig von Hautfarbe, Religion und Herkunft, gelebt wird. Es ist jedoch so, dass nicht jeder, der in den letzten Jahrzehnten nach Deutschland gekommen ist, richtig integriert wurde. Diese Tatsache darf nicht wegdiskutiert werden. Die Folgen der jahrelangen Nichtintegration vieler Menschen sind verheerend. Viele Erwachsene können kein Deutsch und wollen es auch gar nicht können. Sie umgeben sich ausschließlich mit Gleichgesinnten und scheuen den Kontakt zu Einheimischen. Häufig teilen sie unsere westlichen Werte nicht, erkennen staatliche Institutionen nicht an und wollen zwar die Privilegien in Anspruch nehmen, etwas zurückgeben oder zu dieser Gesellschaft dazugehören, das wollen sie aber nicht. Diese Einstellungen werden dann wie selbstverständlich an die Kinder weitergetragen, die dann wiederum in Schulen, Sportvereinen, Jugendzentren etc. einen schlechten Einfluss auf die anderen Kinder und Jugendlichen nehmen. Mittlerweile sind viele junge Menschen nicht mehr in der Lage, sich vernünftig zu artikulieren. Es ist geradezu angesagt, möglichst viele türkisch-arabische Wörter zu benutzen und Satzstrukturen zu vereinfachen.

Nun kann man gewiss einwenden, dass eine etwas plumpe Jugendsprache nicht das Ende der Welt ist. Es ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs des Integrationsdilemmas. Wir erleben heute Clan-Kriminalität, muslimischen Antisemitismus, Ehrenmorde und andere Formen der Kriminalität von muslimischen Gruppen. Natürlich gibt es auch rechtsextremistische und linksextremistische Gewalt, doch darum geht es jetzt nicht. Es muss im Jahr 2020 möglich sein, Probleme anzusprechen, ohne dass reflexartig vollkommen andere Probleme genannt werden. Wir haben ein Problem mit muslimischer Gewalt und es ist dringend geboten, diese Strukturen zu zerschlagen und mit aller Härte des Rechtsstaats dagegen vorzugehen. Der türkisch-arabische Einfluss auf die deutsche Sprache ist nur eine der Folgen misslungener Integration.

Kein Phänomen sozialschwacher Milieus

Noch vor wenigen Jahren war man sich einig, dass wir es hier mit einem Phänomen zu tun haben, das sich ausschließlich in sozialschwachen Milieus abspielt. Die Entwicklung ist heute allerdings deutlich weitreichender. Wenn ich über meinen Campus laufe, stell ich mit Bedauern fest, dass auch Studenten, also angehende Akademiker, mittlerweile schon in Teilen Kiezdeutsch reden. Es ist unter meinen Kommilitonen (3. Semester Jura) nicht anders. Ich will jetzt nicht sagen, dass jeder Zweite so redet – das ist gewiss nicht der Fall, aber alleine der Gedanke, ein Rechtsanwalt würde einen Satz mit „Digga“ beenden, ist für mich schon ziemlich beschämend. Eine kleine Anekdote aus dem letzten Semester:

Wir waren gerade fertig mit der Klausur (Schuldrecht Allgemeiner Teil), da schaute mein rechter Nachbar zu mir rüber und fragte grinsend: „Wie lief, Digga?“ Ich war verwundert, denn wir durften nicht reden während unsere Lösungen eingesammelt wurden. Ich entgegnete ihm dennoch leise: „Ganz gut, denke ich.“ Er lachte und sagte wie aus der Pistole geschossen: „Sikerem, bei mir gar nicht, Bruder.“ Ich schaute zunächst verständnisvoll, dann wandte ich mich von ihm ab. Ich hab ihn seit dem nie wieder gesehen.

Es ist schon so, dass viele derjenigen, die nicht mit Hemd und Chino, sondern mit Kapuzenpullover und Jogginghose in die Vorlesungen kamen, uns inzwischen verlassen haben. Mittlerweile sind deutlich weniger türkisch-arabische Wörter und verkürze Satzstrukturen zu hören, als es zu Studienbeginn der Fall war. Ich bin ehrlich gesagt nicht sonderlich verwundert, dass Kleidung, Sprache und Noten hier miteinander offenbar korrelieren. Ich kann mich nicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen, aber meine Erfahrungen zeigen mir, dass Kiezdeutsch kein Phänomen sozialschwacher Milieus mehr ist, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, das kaum einer auf dem Schirm hat. Ich prognostiziere, dass in 20 Jahren bis in Akademikerkreise Kiezdeutsch gesprochen wird.

Es ist, meiner Einschätzung nach, absolut notwendig, dass alle, denen der Erhalt der deutschen Sprache am Herzen liegt, dieser Entwicklung den Kampf ansagen. Der türkisch-arabische Einfluss auf unsere Sprache ist nicht nur ein Zeichen der jahrelangen Nichtintegration von Migranten, er ist vor allem dazu geeignet, unsere Sprache zu zerstören.

1 Antwort

  1. 22. Februar 2020

    […] • Weiterlesen • […]