Politik in der Schule: Die “richtige Meinung” auswendig lernen

Von Gesche Javelin | „Wir müssen die Kohlekraftwerke abschalten, dürfen kein Auto mehr fahren, keine tierischen Produkte mehr essen, am besten gleich aufhören zu atmen, damit wir bloß kein CO2 mehr ausstoßen.“ Das ist in etwa die Einstellung, die wir Jugendlichen haben sollen. Und dann fragt man sich, warum die Suizidrate bei Jugendlichen steigt?

Hinterher gebrüllt bekommen, eine „links-grün versiffte Kampflesbe“ zu sein, ist cool, aber wehe man deutet an, dass man Fleisch eigentlich ganz lecker findet oder es gar isst. Das seien doch Leichen, die man da genüsslich äße. Willkommen in meinem Leben unter Fridays for Future-Anhängern. Ich war zweimal auf einer solchen Demo und ich fand das Auftreten damals schon ziemlich lächerlich, obwohl ich von der Sache überzeugt war.

Und mitten im Demonstrationszug wirft jemand seine Chipstüte auf die Straße. So steht die Jugend für die Umwelt ein.

Mehr als die Hälfte waren Schüler, die nur mitgekommen waren, weil sie keinen Unterricht haben wollten oder weil alle anderen auch hingegangen sind. Zu einem Protest, bei dem die Schulleitung genehmigt, dass kein unentschuldigter Fehltag für das Wegbleiben von der Schule eingetragen wird. Und mitten im Demonstrationszug wirft jemand seine Chipstüte auf die Straße. So steht die Jugend für die Umwelt ein.

Als einmal das Thema Treibhauseffekt auftrat, musste ich den Greta-Anhängern erklären, was man grob unter dem Modell versteht. Obwohl ich zu dem Zeitpunkt nun wirklich nicht von mir behaupten konnte, mich informiert zu haben. Das Einzige, was ich wusste, hatte ich aus den Nachrichten aufgeschnappt oder im Erdkundeunterricht gelernt. Bloß schade, dass ich zu dem Zeitpunkt den wissenschaftlichen Nonsens dieses Modells nicht durchblickte. Die Situation wäre eine gute Diskussionsgrundlage gewesen.

Inzwischen haben unter anderem mein Vater und mein Opa mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Und das ganz ohne Totschlagargumente oder Aufdrücken von Überzeugungen und Glaubenssätzen, sondern mit kritischen Fragen und Fakten. Wenn man jetzt den wissenschaftlichen Teil mal außen vor lässt: Was ist das für eine Demonstration, die volle Unterstützung von der Regierung bekommt? Wo ist der Widerstand, gegen den gekämpft wird? Warum kann mir von den überzeugten Demogängern in meinem Umfeld niemand die Grundlagen erklären?

Es scheint unhinterfragbar zu sein, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt, weil das ja 99% der Wissenschaftler sagen. Doch gerade dann sollte man doch die Fragen stellen können. Dann müsste es doch jeder erklären können, doch meistens stellt sich das Gegenteil heraus. Die 99% sind übrigens ein Mythos, wie es zum Beispiel in diesem Artikel sehr gut erklärt wird.

Und das ist nicht das Einzige, was auch von mir mal ohne zu hinterfragen geglaubt wurde. Der Masse hinterher laufen, ist keine große Leistung. Es ist nicht alles wahr, weil es „die Mehrheit“ sagt oder gar die Lehrer. Man ist nicht unbedingt gut informiert nur, weil man jeden Abend um acht vor dem Fernseher sitzt.

Momentan sind die perfekten Voraussetzungen gegeben, das und viel anderes zu lernen (vor allem einen kühlen Kopf zu bewahren, trotz des überhitzten Klimas überall). Kritisch Denken ist in Zeiten des Internets und machtgierigen Politikern wichtiger denn je und trotzdem ist das Gegenteil sehr verbreitet. Wir ruhen uns gerne darauf aus, dass Google alles weiß und wir doch kritisch sind (gegenüber allem, was nicht links-grün ist).

Dabei wird gern vergessen, dass kritisch zu sein nicht nur heißt, andere Meinungen zu hinterfragen, sondern vor allem seine eigene.

Darüber sollten vor allem die, die denken, uns Jugendliche für ihre Politik ausnutzen zu können, mal nachdenken. Denn wir haben keinen Bock mehr. Also, tut mir Leid (oder auch nicht), Ihre Überzeugung zu hinterfragen – aber ganz so leicht auszunutzen, wie Sie erwartet haben, sind wir nicht.

 

1 Antwort

  1. Roal Kali sagt:

    Toller Beitrag, der Hoffnung auf die Junge Generation macht! Gut zu wissen, dass auch junge Leute selbständig denken können.