Wie geht es weiter in Belarus?



Von Liyun Celestin Gothõni | Es ist wie ein Deja-Vu. Hunderttausende Demonstranten, die mit Sprechchören ein zusammenbrechendes Regime massiv unter Druck setzen, während die Staatspropaganda im Fernsehehen versucht von den Vorkommnissen abzulenken. Nein, nicht Ost-Berlin 1989 sondern Minsk, Belarus 2020. 

Es scheint als würde eine ganze Nation erwachen aus der Depression der Diktatur Lukaschenkos der letzten 26 Jahre und sich nach der erst kürzlich offensichtlich manipulierten Wahl endlich auflehnen. Doch trotz dieser positiven Nachricht bleiben einige Fragen offen. 

Würde Putin jemals zulassen seinen Bündnispartner zu verlieren oder gar mitanzusehen wie Belarus zu einem demokratischen und westlichen Staat wird, während weißrussische Oppositionsführer auf Fahndungslisten stehen und russische Panzer an die Grenzes des „Bruderstaates“ auffahren? Wie wird die EU und die westliche Welt reagieren, wenn Putin seine imperialistischen Träume nach 2014 weiter verfolgen würde? 

Sicher ist, dass nun die Sanktionen der Europäischen Union gegen Lukaschenkos Regime verhängt worden sind, nachdem Zypern jetzt schlussendlich seine Stimme gab im Gegenzug für diplomatische Unterstützung gegen die Türkei. Es scheint nicht so, dass die Europäische Union geeint und konsequent reagiert, während Lukaschenko mit Gegensanktionen droht.

Mittlerweile häufen sich die Verhaftungswellen immer mehr und es folgen ausdrückliche Befehle des Innenministeriums auf Demonstranten scharf zu schießen. Es sind bis zu 1000 Fälle von Folter, Misshandlungen und unzähligen verschwundenen Oppositionellen dokumentiert. Währenddessen versucht das von Moskaus Gnaden geschützte Regime mit inszenierten Pro-Lukaschenko Demos das Image des Diktators aufzupolieren. Gleichzeitig geht die Polizei immer brutaler gegen friedliche Demonstranten und sogar Journalisten vor.

Oppositionsführerin Tichanowskaja, die mittlerweile nach Litauen geflohen ist, droht mit einem landesweiten Streik, sollten bis zum 25.Oktober nicht alle politischen Gefangenen freigelassen werden, ein sofortiges Ende der brutalen Repressalien der Polizei an der Zivilbevölkerung und der sofortige Rücktritt Alexander Lukaschenkos stattfinden. Es ist nur zu hoffen, dass all der Terror und das Leid des Volkes aufhören werden und aus den Trümmern der letzten Diktatur Europas eines Tages eine blühende Demokratie entsteht. 

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