Wenn Linke Wirtschaft unterrichten – oder auch nicht…

Von Selma Green | Er rollte die Augen und ließ zwei Cent in meine Hand rieseln. „Es war mir eine Freude, mit Ihnen Geschäfte zu machen”, flötete ich und verstaute die zwei Cent in meinem Portemonnaie. „Paul, hast du die zehn Cent dabei?”, Kopfschütteln. Ich setzte den neunten Strich hinter seinen Namen und betrachtete mein Werk. Ich hatte alle Schüler aufgelistet, die mir noch Geld für ein Blatt Papier schuldeten. Selbstverständlich habe ich die Blätter verzinst: pro Tag ein Cent.

Es klingt absurd, doch in der siebten Klasse entdeckte ich meinen Geschäftssinn. Die Jungs aus meiner Klasse sind zu faul, zu verplant oder beides und vergessen ihre Collegeblöcke andauernd und drehen sich dann mit großen Augen zu mir um. Ich sehe nicht ein, dass sich die halbe Klasse auf meine Kosten durchfüttert, also habe ich den Spieß umgedreht. Mein Blätterunternehmen funktionierte wie am Schnürchen, am Ende des Jahres hatte ich zwei Euro verdient. Sie lernen eben doch nichts draus, vielleicht kann ich im nächsten Quartal sogar die Preise anheben? Ob das auch so in etwa in Unternehmen funktioniert?

Ich wollte wissen, was es mit der Börse, der Inflation und den Aktien, von denen mein Mitschüler jede Pause schwärmte, auf sich hat.

„Meine Nestle Aktien sind gestiegen!”, wie in jeder Pause plapperte der Mitschüler über seine Aktien und die Börse. Bei mir kam nur “Bahnhof” an. Mich interessierte das Thema Wirtschaft und ich wartete nur darauf, dass wir es endlich im Unterricht behandeln. Ich wollte wissen, was es mit der Börse, der Inflation und den Aktien, von denen mein Mitschüler jede Pause schwärmte, auf sich hat. Auf dem Öko-Gymnasium, das ich in der siebten Klasse besuchte und nach einem Jahr verließ, wurde Fleischessen verteufelt. Der Mainstream war der Meinung, man dürfe nur Bio-Fleisch von „glücklichen” Kühen kaufen, damit die konventionelle Tierhaltung, der Feind, boykottiert wird. Mich nervten Parolen wie “Ihh, du isst Fleisch” oder “Du isst ja Leichen”. Doch das Thema begann, mich zu beschäftigen. Fleisch von “glücklichen” Tieren kann sich nicht jeder leisten. Gäbe es die konventionelle Viehzucht nicht, müsste es doch für die Fleischindustrie kontraproduktiv sein, auf viel Land nur wenig Vieh zu züchten, denn dann entstehen weniger Produkte.

Hilfe, ich werde von Linken unterrichtet!

Mein Verständnis von Wirtschaft war nicht groß, doch mir Gedanken darüber zu machen, führte mich zu meinem Interesse für Wirtschaft. Seit der siebten Klasse hielt ich das Thema für gar nicht mal so blöd. In der achten Klasse war es soweit: “Jetzt machen wir einen kleinen Schwenker in die Wirtschaft”, kündigte die Politiklehrerin an. Ich lernte, was Planwirtschaft, soziale und freie Marktwirtschaft sind, soweit so gut. Das nächste Thema auf der Agenda lautete: „bedingungsloses Grundeinkommen”. “Ihr müsst dann gar nichts tun und bekommt monatlich 1000 Euro. Die Reichen machen Verluste und die Armen bekommen mehr Hilfe.”, schepperte es aus dem Lautsprecher. Das Erklärvideo, das wir uns zum Thema anschauten, verdarb mir den Geschmack auf den Wirtschaftsunterricht. Wie bitte? 

Wer übernimmt dann die unattraktiven Berufe, wenn es gar keinen Leistungsdruck mehr gibt? Die Reichen müssen für die Armen aufkommen. Der Mittelstand würde sich verkleinern und die Anzahl der Sesselfurzer steigen, oder etwa nicht? Das hat alles enorme Auswirkungen, denn könnte es nicht soweit kommen, dass wohlhabende Menschen deshalb aus Deutschland emigrieren? Dann würde der Wohlstand und das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland sinken. Naja, ich möchte auch einmal reich werden, um mir ein schönes Leben finanzieren zu können. Müsste ich noch zusätzlich für andere schuften, würde ich ehrlich gesagt auch emigrieren. Ich will selbst etwas auf die Beine stellen und nicht noch zusätzlich andere über Wasser halten müssen, damit die sich ausruhen können. Geht es nicht darum, finanziell eigenständig zu sein? Das ist auf jeden Fall mein Ziel später. Mich regte es auf, dass wir im Unterricht nur solchen linken Quatsch lernen. Das bedingungslose Grundeinkommen funktioniert von vorne bis hinten nicht.

Mich regte es auf, dass wir im Unterricht nur solchen linken Quatsch lernen.

Ich habe mir einen Wirtschaftsunterricht gewünscht, denn das Thema, angefangen mit dem Fleischkonsum, beschäftigte mich. Jetzt fürchte ich, genau solcher, linker Quatsch, wie das “bedingungslose Grundeinkommen”, würde mich in einem Wirtschaftsunterricht in Massen erwarten. Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als mir die Grundlagen selbst beizubringen. Solche Sozialisten, wie meine Lehrer sind, könnten die mir wohl eh nichts beibringen. Und bis ich so weit bin, habe ich ja noch meine Erfahrungen aus meinem Mini-Geschäft (ich komme ja jetzt aus der Papier-Branche). Ich hoffe nur, dass ich jetzt kein Gewerbe anmelden muss – ich hab nämlich keine Ahnung, was das ist. 


»Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.«
– Benjamin Franklin


 

2 Antworten

  1. Cookie Monster sagt:

    P.S.: ein richtig schöner Text, der die Freude am Geld verdienen veranschaulicht!

  2. Cookie Monster sagt:

    In der fünften Klasse verkaufte ich an meine Mitschüler Golfbälle für 50 Pfennig das Stück (hatte ich auf dem Golfplatz eingesammelt). Keine Ahnung wieso, aber die Dinger gingen weg wie warme Semmeln. Es hätte das Geschäft meines Lebens werden können – bis mir meine Lehrer die freie Berufsausübung untersagten. Diese verdammten Kommunisten!