Lieber nichts sehen, als die Realität vor Augen haben – Wechselkursanzeigen an Straßen in Russland sollen verboten werden

Von TOBIAS PILZ | Bisher konnte man in Russland an Anzeigen vor Wechselstuben sehen, wie viele Rubel ein Dollar oder ein Euro sind. Damit soll jetzt Schluss sein.

Nicht zuletzt sorgten die Sanktionen der USA und der EU aufgrund der Krim-Krise und des Giftanschlags auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal dafür, dass die russische Wirtschaft stagniert, folge dessen verlor die Währung in den vergangenen Jahren an Wert. Zum Vergleich, der Rubel verlor 20 Prozent an Wert zum US-Dollar, beim Euro sieht es auch nicht besser aus.

Der schwächelnde Rubel ist auch für ausländische Investoren ein Störfaktor, so auch für die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), diese rechnet damit, dass dieses Jahr nicht das stärkste Jahr für die russische Wirtschaft wird, und durch den schwachen Rubel werden auch die Ausfuhren nach Deutschland teurer.

Alexej Kudrin, der Chef des russischen Rechnungshofs, meinte im November, die russische Wirtschaft sei in den vergangenen Jahren in ein “Stagnationsloch” gefallen. Die Regierung versucht die Wirtschaft wieder anzukurbeln und die Konjunktur zu verbessern, so wurde Anfang des Jahres die Mehrwertsteuer von 18 auf 20 Prozent angehoben und die Kraftstoffsteuer erhöht.

Der Präsident des russischen Bankenverbands geht davon aus, dass diese Anzeigen „ein falsches Bild über die Situation der Wirtschaft geben“ und die Bevölkerung sich durch das Verbot „nicht mehr zwanghaft mit Fremdwährungen auseinandersetzen muss“, womit er dieses rechtfertigte.

Das Verbot soll aber nur für öffentliche Anzeigetafeln gelten, in Zeitungen, auf Online-Portalen oder in Apps kann man weiterhin alle Wechselkurse mitverfolgen. Laut einer Umfrage der Zeitung “Otkrytaja Gaseta” sollen die Tafeln nur entfernt werden, damit die Russen nicht tagtäglich die Wahrheit über den Zustand ihrer Konjunktur zu sehen bekommen.

Doch bewirkt es etwas? Die Menschen werden zwar nicht mehr direkt an den Straßen daran erinnert, aber die Wirtschaft wird dadurch auch nicht wachsen, Privatunternehmer und Investoren werden trotzdem die schwache Konjunktur im Blick haben und dementsprechend ihre Entscheidungen fällen. Die Russen wissen es: Die Sanktionen des Westens wirken. Wir sollten weiter daran festhalten.

1 Antwort

  1. Krumhardt sagt:

    Ich glaube es wird Zeit für ein neues Radio Eriwan!