Was man in 13 Jahren Schule über Steuern lernt (nix)

Von Michael Friese | Dieses Jahr wird für mich spannend. Meine Schullaufbahn neigt sich dem Ende entgegen, nachdem sie sich bereits über drei Jahrzehnte erstrecken konnte (naja, von 2009 bis 2022) und den Großteil meines Lebens dominierte. Es wird bald Zeit, in die Welt hinauszugehen und ein eigenständiges Leben zu beginnen. Was aber haben mir nun diese 13 Jahre Schule über das Erwachsenenleben, insbesondere über das omnipräsente Geld und die Steuern, gelehrt? In meinem Fall:ichts. Die Schule sollte den Schüler eigentlich auf das Leben als Erwachsener vorbereiten. Natürlich haben die Eltern dahingehend ebenfalls eine gewisse Verantwortung zu tragen, aber die Schule könnte viele Sachen lehren, die viele Eltern nicht könnten.

Zu diesen Dingen gehören auch Geldmanagement und Steuern. Das deutsche Steuersystem gehört mit zu den kompliziertesten der Welt (und selbstverständlich rangiert Deutschland auch in Sachen Steuerlast in der Oberliga) und mit Geld wird man als Erwachsener durchgehend zu tun haben, ob man will oder nicht. Es gibt bestimmt Eltern, welche ein wenig Ahnung von der Materie haben – sie mussten schließlich bereits länger damit klarkommen – aber es gibt dann eben auch andere, die nur über rudimentäres oder gar kein Wissen verfügen und dementsprechend viel beziehungsweise wenig weitergeben können. Hier wäre die Schule äußerst hilfreich. Ein in dem Gebiet ausgebildeter Lehrer nimmt sich mit den Schülern ab den höheren Klassenstufen das Geld und wie man damit umgeht als Thema und könnte so vielen jungen Erwachsenen den Start ins Leben deutlich erleichtern.

Wenn man zwar Integralrechnung kann, aber nicht mal weiß, was Steuern sind

Eine Vorstellung, die von der Realität leider so weit entfernt ist, wie unsere Sonne von Sirius A. Wer denkt, dass man im Politik- bzw. Wirtschaftsunterricht (bei mir heißt es „WiPo“) wenigstens einmal Steuern oder Geld behandelt hat, der irrt sich gewaltig. Es wurde kaum ein Wort darüber verloren und wenn man über Geld geredet hat, dann im Kontext großer Prozesse wie Entwicklungshilfe, Inflation oder das deutsche Rentensystem. Man verstehe mich nicht falsch: Die Rente wird für viele von uns vermutlich wichtig werden, sie aber immer nur im großen Bild zu betrachten, bereitet einen nicht auf das eigene Leben vor.

Man kommt in den meisten Fällen mit sechs Jahren in die Schule; in diesem Alter weiß man mit gutem Recht noch gar nicht wie man „Steuern“ überhaupt buchstabiert. Man wird nach und nach in die Grundlagen verschiedener Wissensbereiche eingeführt, sei es Deutsch, Englisch, Mathematik oder Sport. Doch ein fundamentales Problem des deutschen Schulsystems ist, dass es bis zur 13. (oder zwölften) Klasse in genau diesem Muster verbleibt. Es gibt eine Vielzahl an Fächern, die sehr spezifisches Wissen in einem Fachbereich anbieten, wie die Naturwissenschaften, welches sich aber eigentlich nur lohnt zu erlernen, wenn man seine berufliche Zukunft darauf aufbauen will. Fächer, die alltägliche Aufgaben, Herausforderungen und Fähigkeiten behandeln, gibt es so gut wie gar nicht, wenn man von den an manchen Schulen vorhandenen Kochkursen absieht.

Bevor ich also das Hotel Mama verlasse, werde ich mir vermutlich noch einiges an Wissen aneignen müssen.

Und genau deshalb frieren mir bei der Erwähnung des Wortes „Steuern“ sofort die Arterien zu. Ich weiß nicht einmal im Ansatz, was man in diesem Bereich überhaupt vorfindet, geschweige denn machen muss. Ich kenne lediglich ein paar grundlegende Begriffe wie Mehrwertsteuer, Grundsteuer, Steuer-ID und Steuernummer, aber das war es dann auch. Bevor ich also das Hotel Mama verlasse, werde ich mir vermutlich noch einiges an Wissen aneignen müssen. Und wie macht man das am besten? Indem man eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten macht. Klingt im ersten Moment vielleicht meschugge, aber so könnte ich alles über dieses leidige Thema erfahren und es dabei noch zu meinem Beruf machen. Wenn man den Leuten helfen kann, Steuern zu sparen und mit dem “Hass“ auf Finanzämter so auch noch Geld macht – was gibt es Schöneres?

Und was das Geld angeht, habe ich das Gefühl, bereits jetzt die ersten Symptome eines Geizkragens und Knausers anzunehmen. Denn eins habe ich bis jetzt über Geld lernen können: Wenn du es ausgibst und du hast am Ende nichts davon, ist es in vielen Fällen weg. Ein einfaches Beispiel hierfür wäre eine Currywurst, die einem aus der Hand fällt.


»Das Finanzamt hat mehr Männer zu Lügnern gemacht als die Ehe«
– Robert Lembke