Was die Wahl in Großbritannien für Europa bedeutet

Von Jan Schneider | Großbritannien hat gewählt, das müsste mittlerweile jeder mitbekommen haben. Und während die Medien den Erdrutschsieg der Konservativen schon wieder vergessen wollen, ist für die einfache Bevölkerung in Europa klar geworden, dass sie noch gehört wird. Die Labour-Party, die einst ruhmreichen Sozialdemokraten, Partei von großen Staatsmännern wie Clement Attlee oder Tony Blair, fährt unter Jeremy Corbyn einen radikalen Linkskurs, der von den Wählern vor allem im ,,englischen Ruhrgebiet”, dem Norden des Landes sehr deutlich abgelehnt wurde.

Die einfachen Menschen, die Arbeiter, wollen keinen Sozialismus, sie wollen Männer, die Klartext sprechen. Männer wie Boris Johnson eben. Seine Botschaft war klar: raus aus der EU. ,,Get Brexit done”, war sein Wahlslogan. Währenddessen plagt die Labour Party ein Syndrom, welches Sozialdemokraten in ganz Europa mit ihnen teilen: sie sprechen keinen Klartext. Anstatt die Frage nach dem Brexit klar zu beantworten, war Corbyns Antwort zu kompliziert für die Wähler: man wolle einen vernünftigen Deal aushandeln, dann in einem zweiten Referendum darüber abstimmen lassen. Einen No-Deal Brexit müsse man auf jeden Fall vermeiden. Johnson würde für den Brexit selbst einen ,,No-Deal” in Kauf nehmen, auch wenn ein vom letzten Parlament verabschiedetes ,,Anti-No-Deal-Gesetz” dies verbietet. Damit das Chaos endlich gelöst wird wählten viele Boris, die aus Familien stammen, die niemals auch nur auf die Idee gekommen wären, die Torries zu wählen. So kam es in Arbeiterstädten wie Workington oder Wakefield, die seit 100 Jahren in Labour-Hand sind, zu Siegen der Conservatives. Da in den Augen der einfachen Bürger auch die EU mit ihrem Bürokratismus und ihren Umweltauflagen dafür verantwortlich ist, dass Kohlekraftwerke schließen, stimmte der britische Rustbelt mehrheitlich für den EU-Austritt. Ähnlich wie sein deutscher Bruder, das Ruhrgebiet: Einst sozialdemokratisches Kernland, heute Hochburg der West-AfD. Die nächsten Kommunalwahlen 2020 im Ruhrgebiet werden spannend, zahlreiche rote Rathäuser drohen zu fallen.

Für die Wirtschaft hingegen ist der Wahlerfolg Johnsons ein gutes Zeichen. In der Wahlnacht stieg der Pfund Sterling auf ein Niveau an, welches es zuletzt vor dem Brexit-Referendum gab.

Trübsal blasen hingegen die so genannten Liberaldemokraten. Als einzige große Partei hatten sie voll auf den Verbleib in der EU gesetzt und sind krachend gescheitert. Vor einem Monat hatten Umfragen ihnen knapp 20% versprochen, kurz vor der Wahl immerhin 15. Doch den Briten hat es gar nicht gefallen, dass ihr demokratisch geäußerter Wille, der Austritt aus der europäischen Union, von den LibDems abgelehnt wurde. Obwohl sie mit 12% im Vergleich zu 2017 zulegten, verloren sie aufgrund des Verhältniswahlrechts einen Sitz. Ausgerechnet die Parteivorsitzende Jo Swinsol verlor ihren Sitz in Schottland. Wie sich die Partei, die auch ein paar Libertäre und klassisch Liberale in ihren Reihen hat, entwickeln wird, wird noch spannend.

Ein weiterer Faktor dieser Wahl ist das Erstarken der Regionalisten. In Wales konnte Plaid Cymru seine Sitze etwas überraschend halten, in Schottland gewann die Scottish National Party 80% der Sitze, in Nordirland haben Seperatisten erstmals mehr Sitze als Unionisten.

Die Wahl in Großbritannien hat aber in jedem Falle gezeigt, dass die Briten zum Brexit stehen. Das ist im Hinblick auf diejenigen, die bereits ein 2. Referendum propagieren und die Brexit-Entscheidung grundsätzlich in Frage stellen, ein Sieg für die Demokratie.

3 Antworten

  1. Helmut sagt:

    Der letzte Absatz zeigt schon die Ahnungslosigkeit des Autors. Ich empfehle Nachhilfestunden in Politik. Der Fokus dabei sollte auf den Unterschied zwischen Mehrheits- und Verhältniswahlrecht gelegt werden.

  2. Madeleine Nass | Bonn sagt:

    DAs ist der Anfang vom Ende der EU. Und das ist gut so, ich habe keine Lust, dass mein Heimatland diesen bürokratischen Wasserkopf finanziert.

  3. dasLinkeParadox sagt:

    Ein schlechter Tag für die EU, aber ein schöner Tag für Europa!