Warum ich trotz allem bei der Bundeswehr bin

Von Adriàn Carlos Hurtado | Die Bundeswehr ist mal wieder in aller Munde. Mal wieder geht es um Mängel, mal wieder, weil das ganze Land darüber diskutiert, ob die Bundeswehr ihren Auftrag der Landesverteidigung erfüllen könnte. 
Angeblich soll sich jetzt mit Scholz‘ Aufrüstungsankündigung endlich etwas ändern. 

 

2019 habe ich mich dazu entschieden, zur Bundeswehr zu gehen. Das Heer hat mich schon länger interessiert, vor allem die Kampftruppe. Ich war schon immer sehr heimatverbunden, obwohl mich niemand wirklich in diese Richtung erzogen hat. Ich will meine Heimat, meine Familie und meine Freunde verteidigen. Das klingt etwas aus der Zeit gefallen: Falsch macht es das aber nicht. Gerade dieser Tage zeigt sich, dass die Notwendigkeit eines einsatzfähigen Militärs hochaktuell ist. Leute, die heutzutage freiwillig Wehrdienst leisten, werden oft belächelt – es bleibt richtig.

Anfangs war ich unsicher, wie lange ich mich verpflichten wollte. Deshalb trat ich zunächst für ein Jahr bei, also nicht als Offizier-, oder Feldwebelanwärter, sondern als Mannschafter. Ich wollte erst mal „reinschnuppern“, mir angucken, ob die Truppe etwas für mich ist. Mittlerweile bin ich seit mehr als zwei Jahren bei den Panzergrenadieren und werde auch noch eine Weile dort bleiben. 

Jeden Tag werde ich mit den Problemen der Bundeswehr konfrontiert. Seien es frisch reparierte Panzer, die sich direkt auf dem Weg von der Instandsetzung zum Übungsraum wieder verabschieden, oder Übungsdurchgänge, bei denen ich mit 30 Schuss einen Bereich über Stunden überwachen soll. Wenn wir mal nicht üben, werde ich mit endlosen Papierbergen für meinen anstehenden Einsatz überrollt. 

Die Politik hat uns vergessen. Alle paar Monate gibt es grobe Lippenbekenntnisse, dass sich die Lage „bald“ bessern solle. Und auch die Medien hat es über Jahre hinweg nicht ernsthaft interessiert, wie der Zustand ist. Über fehlendes und kaputtes Großgerät wird gerne mal berichtet, aber die Lage ist viel dramatischer. Meine dienstlich gelieferte Ausrüstung besteht im Kern aus einem Tragegestell auf dem technischen Stand des Vietnamkriegs.
Plattenträger? Fehlanzeige. Vor allem in den neuen Bundesländern ist deshalb private Ausrüstung weit verbreitet, man gibt teils tausende Euro aus, um im Ernstfall eventuell etwas länger zu leben. 

Dieser Zustand hat nur einen kleinen Vorteil: man lernt zu improvisieren. Wir versuchen, „aus Scheiße Gold zu machen“. Die Motivation ist zumindest in unserem Bataillon trotzdem hoch, denn wir wollen zeigen, was wir trotz der schlechten Umstände draufhaben. Die Kameradschaft, den Zusammenhalt kann uns keiner nehmen. Trotz Ministern, die den Job nur haben, weil sie das richtige Parteibuch haben. 

Es fühlte sich bislang so an, als würde keine der letzten Regierung ihre Soldaten wirklich wertschätzen. Nach Angriffen auf Soldaten an Bahnhöfen gab es wenn überhaupt oberflächliche Solidaritätsbekundungen. Die Ernennung von Christine Lambrecht sorgte bei uns für große Verwirrung. Die meisten fragten zunächst „Wer ist das?“, keiner konnte sie in diesem Amt wirklich ernst nehmen. Es ist absolut peinlich, dass ausgerechnet das Verteidigungsministerium schon wieder von einer Person geführt wird, die mit dem Thema Bundeswehr absolut nichts zu tun hat.

Ja, ich freue mich über das angekündigte zusätzliche Geld für die Verteidigung. Aber eine echte Verbesserung kann nur stattfinden, wenn die Beschaffung komplett auf den Kopf gestellt wird, wenn die Notwendigkeit einer einsatzfähigen Armee nicht nur in Sonntagsreden angesprochen, sondern tatsächlich als ernsthaftes Ziel angestrebt wird.
Nur dann können wir ernsthaft „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer verteidigen“.

3 Antworten

  1. Cookie Monster sagt:

    Ich selbst habe mich als seinerzeit Wehrpflichtiger für den „Wehrersatzdienst“ entschieden (Zivi). Die Frage ist: wenn die obersten Ziele im Leben Happyness und Selbstverwirklichung sind, wer soll den Job als Soldat oder Polizeibeamter überhaupt machen? Wieviele sind denn bereit dazu, mit der Waffe in der Hand unter Lebensgefahr irgendwelche Islamisten dingfest zu machen oder im Ernstfall unser Land zu verteidigen? Und dann noch bei miserablen Arbeitsbedingungen?

  2. Katharina sagt:

    Soldat aus Heimatverbundenheit klingt wirklich aus der Zeit gefallen, gebührt jedoch Achtung u Respekt! Hoffentlich jedoch bleibt es bei der Verteidigung. Ein Krieg mit diesem Volk hier ist unvorstellbar.,Wer sollte da mit wem Zusammenhalten?

  3. Blauigel sagt:

    Gratulation zur Entscheidung und danke für den Einblick, weshalb diese Waffengattung.

    Ich war in der Endphase des kalten Kriegs bei der Führungstruppe und meine Motivation war die Sowjets (ich habe keine Aversion gegen Russen) davon abzuschrecken uns anzugreifen.

    Die diesbezüglichen (jahrzehntelangen) diffamierungen der linken „Bekannten“ im Umfeld hatte ich nie wirklich verstanden – egal, die Zeit hat das Bild für einige „woke“ Subjekte mittlerweile gerade gerückt.

    Weiterhin alles Gute und möge das Waffensystem Puma bald mal funktionieren .-)