Warum ich nicht mehr in die Kirche gehe

Von Manuel Freund | Die Kirche ist ein Ort des Zusammenseins. Deswegen haben wir in Religion gelernt, dass heilig im Prinzip ganz leicht mit „verbindend“ übersetzbar ist. Alles, was Menschen zusammenbringt ist heilig. So sollte die Kirche doch auch ein Ort des Zusammenkommens sein. Ich habe durch meine katholische Gemeinde ein paar meiner besten Freunde kennengelernt. Kirche sollte heutzutage verständlich und erklärend sein. Eine Wertung sollte eigentlich von jedem Kirchenbesucher für einen selbst getätigt werden.

Bedauerlicherweise bekomme ich immer öfter mit, wie Kirchen sich politisch ganz klar positionieren. Erst vorkurzem in der Predigt in der Weihnachtsmesse musste ich mich zusammenreißen, nicht einfach rauszugehen. Es ging grob gesagt um Mitmenschlichkeit und darum, dass Weihnachten ein Fest ist, an dem man sich wieder mit Mitgefühl erfrischen soll. Da stimme ich dem Prediger auch vollkommen zu. Nun ging es allerdings weiter und er erzählt davon, dass wir Mitmenschlichkeit in Zeiten von „salonfähigem Rechtspopulismus“ besonders bräuchten. Es sollte nicht „Amerika first“ heißen, denn so eine Denkweise zerstöre die Gesellschaft. Ich denke, jedem ist klar, dass es sich hier um direkte Anspielungen auf realpolitisches Geschehen handelt. Die Predigt hat unter anderem die Botschaft vermittelt: Wenn ihr Trump oder die AfD gut findet gehört ihr nicht dazu. Damit hat der Prediger sich selbst widersprochen. Zusammenkommen heißt auch Differenzen überwinden, seien es kulturelle, persönliche oder politische. Weihnachten schreibt einem nicht vor, wie man sich politisch zu verhalten hat.

Am 1. Adventssonntag singe ich mit meinem Chor unter anderem immer in einem Gottesdienst. Dabei handelt es sich um einen evangelischen Gottesdienst. Hier lief es bedauerlicherweise noch schlimmer ab. Unser Chor ist relativ Grün eingestellt, so haben wir unter den Männerstimmen letztens eine Sonntagsumfrage durchgeführt und die Grüne hätte, wenn es nach dem Chor ginge, knapp die absolute Mehrheit erreicht – schrecklich, ich weiß. Trotzdem war ich nach dem Gottesdienst definitiv nicht der einzige, der sich fast sicher war, dass dieser von Fair Trade gesponsort wurde. Bei nahezu jedem Programmpunkt wurde Fair Trade mal mehr mal weniger eingebunden. Die Konfirmanden haben die Buchstaben von „fair“ auf kleine bemalte Täfelchen geschrieben, sie auf den Altar gestellt und dann erklärt, wofür dieser Buchstabe jeweils steht. Leider kann ich mich an die Bedeutung der ersten beiden Buchstaben nicht mehr erinnern. „I“ stand jedoch für international. Wir können nicht mehr nur an uns denken, wir müssen versuchen, dass es allen auf der Welt gut geht. Deutschland müsse Abstriche machen und Menschen in Entwicklungsländern durchfinanzieren. „R“ steht für Recht. Jeder Mensch sollte die gleichen Rechte haben. Es sei nicht okay, dass man nur aufgrund seines Geburtsortes oder aufgrund des Standes seiner Eltern weniger Rechte genießt. Deswegen sollten wir Deutschland öffnen und jedem die Möglichkeit geben, die Rechte Deutschlands auszuschöpfen. Also tut mir Leid, aber eine andere Entschuldigung als Jugendnaivität gibt es für diesen Stuss nicht. Der Ansatz ist ja gar nicht mal so schlecht. Reale Probleme aufzeigen und sagen, dass man sich mit diesen beschäftigen muss und eine Lösung für diese finden muss. Aber um Himmels Willen, warum liefert ihr eure politische Einstellung immer direkt mit?

Auch bei den Fürbitten wurde Gott darum gebeten, uns beim Spenden zu helfen. Wieder einmal ein Wiederspruch zur Kirche, Spenden sollte immer freiwillig geschehen, denn Gott beurteilt uns nicht danach, wie viel wir für andere getan haben und Gott schreibt erst Recht kein Spenden vor. Dann fängt die Pastorin plötzlich an, darüber zu reden, dass Jesus Fair Trade unterstützen würde, wenn er heute noch leben würde. Alles in allem ein Gottesdienst, in dem ich sehr ungerne gesungen habe.

Jedoch sind es nicht nur die Gottesdienste, die sich verändern, es ist das gesamte Kirchenkonstrukt. Das Ganze hat begonnen, als Gregor Gysi stellvertretend für alle linken Parteien in Europa den Papst stellvertretend für die ganze christliche Kirche um Zusammenarbeit gebeten hat. Auch die Kirche bemerkt die politische Veränderung in der Gesellschaft und bleibt sich deswegen nicht treu. Immer mehr Leute mit Halbwissen mischen sich in die Politik ein. Nun will ich der Kirche jedoch nicht als Halbwissenden abstempeln. Vielmehr ist es so, dass die Kirche auf alles eher einen sozialen Blick hat. Die 10 Gebote besagen nun mal nicht, dass man seine wirtschaftlichen Grundlagen nicht zerstören soll.

Nun hat der Papst sogar angekündigt, eine Öko-Sünde einzuführen. Grundsätzlich gar keine so schlechte Idee. Wer mit Absicht die Umwelt verschmutzt, der hat etwas Schlechtes getan. Wenn man einen Fluss mit Chemikalien vollkippt, ist das in meinen Augen eine Sünde. Das Problem ist, dass die Einführung einer Öko-Sünde politisch ein enormes Statement wäre. Mit solchen Reformen macht sich die Kirche zum Vorreiter der kurzsichtigen links-grünen Politik.

Ich kritisiere die Kirche nicht dafür, dass sie für Mitmenschlichkeit plädiert, ich kritisiere sie dafür, dass sie Methoden mitliefert. Wenn ich viel Geld habe, dann kann ich natürlich einfach einen Haufen Geld spenden. Aber ich kann auch ein Unternehmen gründen, damit Arbeitsplätze schaffen, somit für mehr Einnahmen und weniger Ausgaben für den Staat schaffen und am Ende noch mehr verdientes Geld spenden. Sowas ist aber leider kein Thema für eine Kirchenpredigt. Somit bleibt mir nur noch abwarten und beten übrig.

5 Antworten

  1. Silvia sagt:

    Was heißt das, die Mitmenschlichkeit bleibt auf der Strecke? Gerade hat am Bahnhof ein Mann seine Briefasche, Armbanduhr und Smartphone so einem armen Kerl gegeben, weil der nur ein Messer hatte. Selbstloser geht es ja wohl nicht.

  2. Konrad Kugler sagt:

    Sehr geehrter Herr Freund,

    nicht mehr in die Kirche gehen macht nichts besser. Suchen Sie doch einen Ort, wo die Liturgie im Vordergrund steht, zB Petrusbruderschaft, zur Not auch die Piusbrüder.

    Um Ihr Grundgerüst zu stärken, eine Wahrheit: Das Hauptgebot der Liebe lautet, du sollst deinen Nächsten, also deine Familie, die Kirchen- und Ortsgemeinde, dein Land lieben wie dich selbst. Zur Fernstenliebe gab Jesus den Befehl: Geht hinaus und verkündet das Evangelium allen Völkern.

    Die Nächstenliebe grenzt in den heutigen Ver-rücktheiten schon an Überforderung, daß das nicht Aufkommenlassen von Haß die wichtigste Aufgabe ist.

    Ja, wenn alle Völker brav katholisch wären und nicht von Ideologien gequält, dann bräuchte meine rumänische Nachbarin auch nicht zu klagen, daß in ihrer Heimat durch Korruption nichts vorwärts ginge. So muß sie im Ausland leben. Weil sie sich durch Fleiß und Sparsamkeit dort ein Haus bauen konnten, hat sie keine Freundinnen mehr.

    Daß das nicht ganz vergessen wird: Die Österreicher haben mit einem nationalen Rosenkranz-Gebetssturm die Russen aus dem Land gebetet.

    Und wer es ein wenig genauer wissen will. Die Muttergottes verlangte in Fatima das Rosenkranzgebet. Wenn das nicht erfüllt wird, wird (1917) ein noch schlimmerer Krieg kommen. Hätten also die Katholiken den 2. Weltkrieg verhindern können?
    Es lohnt sich, ein wenig zu spekulieren, was alles durch Gebet beeinflusst werden könnte, daß so ein furchtbares Ereignis nicht oder gemildert eintritt.

    Auch wenn ich langsam lästig werde, eure Zukunft liegt nicht im Expertentum von Fachidioten, sondern vom Sachverstand in vielen wichtigen Bereichen g l e i c h zeitig.

  3. dasLinkeParadox sagt:

    Eines unserer Hauptproblem ist das sinnlose Hoffen darauf, dass sich Zustände schon von alleine ändern. Der eine hofft auf Einsicht bei der FDP, der andere drauf, das die Kirche zur Besinnung kommt…. Das wird aber nicht mittels beten und hoffen geschehen, sondern nur, wenn wir sie dazu zwingen. Die bsiherigen Wahlklatschen waren ofensichtlich noch nicht schmerzhaft genug, folglich bleibt uns, wenn wie ESRNSTHAFT eine ÄNderung wünschen, nur die AFD: Selbst wenn man sie nicht mögen sollte…. sie ist unsere einzige Chance das sich die anderen Parteien ändern. Dazu braucht es noch stärke Pozente dort / Verluste woanders.
    Und bei Christen stellt sich die Frage, wozu braucht ihr eigentlich ne Kirche? Sofern ich weiss, brauchte Christus keine Kirche, das Evengelium kann man auch allein oder mit Freunden lesen und an die 10 Gebote halte, das tut man sowieso die meiste Zeit wohl eher ausserhalb einer Kirche. Wozu braucht ihr also Pfaffen, zumal noch solche System-Pfaffen????

    • Konrad Kugler sagt:

      Was soll das abschätzige Gerede gegen die Kirche?
      Der Zustand, den Kirche und Staat erreicht haben, ist eine Folge von Widerständigkeit, ja Revolutionitis. Deutschland ist religiös gespalten. Diese Spaltung entstand durch die lutherische Revolution, die als “Reform”ation bezeichnet wird. Sie war aber keine Reform, also zurück zum guten Anfang, sondern Neues bestimmte die neue Lehre 1517.

      Die negativen Auswirkungen trafen nach dem Konzil die katholische Kirche, wo plötzlich auch lutherische “Alte Hüte”als Neues vertreten wurde. Dazu kam die 68er Kulturrevolution.
      Das ist nur eine grobe Skizze, die zeigen soll, daß von Nichts nichts kommt.

      Jetzt haben wir den Salat. Mit der AfD haben sie völlig recht.

  1. 28. Dezember 2019

    […] Manuel Freund is 17, een student uit Hamburg en publiceerde dit artikel ook op de jeugd- en studentenblog  van Apollo-News . […]