Warum ich keine Quotenfrau sein möchte

Von Johanna Beckmann | Ich bin mehr als mein Geschlecht. Das scheinen unsere Politiker aber anders zu sehen. 

Im Grundgesetz steht, dass Frauen und Männer vor dem Gesetz gleich sind. Der Staat ist dazu aufgefordert, die tatsächliche Gleichberechtigung zu fördern. Doch ist es nicht ein völliger Widerspruch davon, wenn Unternehmen dazu verpflichtet werden, in ihrem Aufsichtsrat mindestens 30 % Frauen einzusetzen? Denn dann wird womöglich eine Frau eingestellt, auch wenn der Mann für den Job vielleicht qualifizierter gewesen wäre. 

Genau diese Quotenfrau möchte ich nicht sein. Ich gehe zwölf Jahre zur Schule, lerne bis spät in die Nacht und gehe dann sehr müde zur Schule. Ich strenge mich an ein gutes Abitur zu machen. Danach werde ich wohlmöglich noch ein paar Jahre durchs Studium büffeln. Das alles habe ich doch dann nicht gemacht, um danach für jemanden zu arbeiten, weil er eine Frau brauchte. Denn diese Qualifikation habe ich seit meiner Geburt und musste mich dafür demnach auch nicht anstrengen. Ich möchte gern für die Dinge, für die ich gearbeitet und geleistet habe, eingestellt werden.

Auch wenn die Frauenquote dazu dienen soll, Frauen für von Männern dominierte Berufe zu begeistern, kann ich sagen, dass das bei mir nicht der Fall ist. Ich werde nicht in einem Job auf dem Bau arbeiten. Ich schminke mich gern, trage gerne Kleider, kann nicht besonders schwere Dinge tragen und gehe auch nicht gern durch den Matsch und das wird die Frauenquote auch nicht ändern.

Ein aktuelles Beispiel dafür, dass nicht alle Menschen so denken, ist die Einführung der Frauenquote in der CDU. Seit Jahrzehnten wird in der CDU nach einer Lösung für die geringe Anzahl an Frauen im Parlament gesucht. Im Moment sind dort nur 23,5 Prozent Frauen. Nun hat die CDU ihre Lösung des „Problems“ gefunden. Beim CDU Parteitag wurde für eine Frauenquote bei der Vergabe von Parteiämtern gestimmt. Ab dem kommenden Jahr müssen ab der Kreisebene ein Drittel der Ämter von Frauen bekleidet werden. Ab 2024 sollen es schon 40% sein und ab 2025 50%. Auf dem Parteitag gab es zahlreiche Wortmeldungen.  Für die Frauenquote äußerte sich zum Beispiel die ehemalige Parteichefin Annegret Kramp- Karrenbauer, da gemischte Teams einfach besser und kreativer arbeiten können. Die CDU hat für mich ein weiteres Mal bewiesen, dass ich dort definitiv nicht eintreten werde.

Eine Frauenquote hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Es sollte immer die Person eingestellt werden, die für den Beruf am besten geeignet ist. Wenn eine Frau eine Führungsposition in einer Firma haben möchte, dann sollte sie die gleichen Chancen haben wie ein Mann. Wenn eine Frau aber bevorzugt wird um einen Quotenplatz zu besetzen, dann sind Frau und Mann nicht gleichberechtigt. Ich möchte nirgendwo eingestellt werden, weil ich weiblich bin, sondern weil ich mir durch meine Bemühungen den Job verdient habe.



2 Antworten

  1. Uli.S sagt:

    Mit Quoten wird man in der Politik und noch mehr in der Wirtschaft massive Probleme bekommen.
    Versuch mal eine Frauenquote von 50% in der IT-Branche zu erfüllen.
    Oder auf der Baustelle.
    Dank SelfId wird es allerdings bald einen Workaround für dieses Problem geben.
    Wenn sich keine weiblichen Bewerber für eine Stelle finden lassen, müssen sich einfach Männer als Frau „fühlen“.

  2. jörg sagt:

    absolut richtig; leider ist es ein problem unserer zeit, dass parteibuch/ geschlecht über qualifikation steht! bei allem symbolischen gleichberechtigungsgequatsche hat es die politik immer noch nicht hinbekommen, dass frau für dieselbe leistung auch dasselbe geld verdient! wenn dies gelingt, braucht es auch keine „quote“ mehr! dann obliegt es dem einstellenden, für wen er sich entscheidet…qualikativ!