Nach “Flügel”-Auflösung: Warum die AfD jetzt gegen Höcke & Co. durchgreifen muss

Author: Olaf Kosinsky
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Von Milan Röttger | Nach zwei misslungenen Versuchen konnte die AfD nun den Politiker Wolfgang Gedeon (Mitglied des baden-württembergischen Landtags) aus der Partei werfen. Gedeon selbst war in den letzten Jahren immer wieder mit antisemitischen Äußerungen und Texten aufgefallen.
 Aber damit nicht genug. Denn nun löst sich auch der sogenannte „Flügel“ um die umstrittenen Personen Andreas Kalbitz und Björn Höcke auf, nachdem die AfD-Spitze die Auflösung der Organisation innerhalb der Partei gefordert hatte.

Damit ist nun der nächste Richtungsstreit entfacht. Doch es sieht so aus, als würde die AfD-Führung diesmal hart durchgreifen. Gerade die westdeutschen Landesverbände der AfD sollen in den letzten Monaten verstärkt Druck auf die Parteispitze ausgeübt haben, um Quälgeister, wie den Flügel, zu bändigen. Diese hat nun lange abwägen müssen, in welchem Szenario der Schaden für die Partei geringer wäre. Denn Fakt ist, dass die Flügel-dominierten ostdeutschen Landesverbände sehr starke Wahlergebnisse einfahren. Nun geht die Partei rigoros gegen diese Erfolgsgaranten vor und muss befürchten, dass sich eben jene Flügel-Mitglieder mehr und mehr von der AfD abspalten und vielleicht sogar die Partei verlassen, um eine eigene zu gründen. Das würde bedeuten, dass damit gerade im Osten der Nation durchaus nennenswerte Stimmverluste einhergehen könnten.

Auf der anderen Seite könnten diese Stimmverluste in anderen Teilen des Landes wieder reingeholt werden, schließlich schreckt die Radikalität des Flügels auch viele gemäßigte Wähler ab.

Wegweisender Charaktertest

Doch die reine Auflösung des Flügels dürfte den meisten wohl nicht reichen. Schließlich bleiben zum Beispiel die prominenten Herren Kalbitz und Höcke weiter Mitglied der AfD, und deren Einfluss wird sicherlich nicht abnehmen. Im Gegenteil: Der Flügel hat ein starkes Gewicht in der Partei. Laut Schätzungen der AfD selbst sympathisieren knapp 40 Prozent der Mitglieder teilweise mit dem Flügel. Hinzu kommt dann ja auch noch, dass der Flügel selbst die eigene Partei hintergangen haben soll. Zahlreiche Spenden sollen an der AfD vorbei in die Taschen des Flügels gegangen sein.

Aber diese Lage ist auch ein wegweisender Charaktertest. Will man dem antiliberalen Lager weiter eine politische Heimat bieten? Wie glaubwürdig ist ein Kampf gegen den grünen totalitären Zeitgeist, wenn man selber auf anti-westliche Kollektivisten setzt?
Nach der Flügel-Auflösung muss man dessen Anhängern verdeutlichen: Mit solchen Thesen und Positionen habt ihr in der AfD keine politische Heimat!

Mit Wolfgang Gedeon hat man in diesen Tagen einen Problemfall aus der Partei entfernt, nun müssen weitere folgen. Und wer weiß, vielleicht erleben wir ja bald die Gründung einer eigenen „Flügel-Partei“, in der sich dann Höcke, Kalbitz und Co. austoben dürfen – die Chance besteht, dass sich dann auch ein Wolfgang Gedeon oder ein längst vergessener André Poggenburg schnell in dieser neuen Partei wiederfinden werden.

 

7 Antworten

  1. Konrad Kugler sagt:

    Was ist reaktionär? Das ist die Reaktion auf ideologischen Blödsinn. Und dieser ist immer links. Konservativ ist die Mitte, in der ich alter Mann stehe und der sich von CDU und auch von der CSU sitzen gelassen sieht.
    Ich werfe diesen beiden Parteien vor, daß sie sich nie sachkundig gemacht haben über Ideologien und vor allem deren Wirkungsweise.
    Was ist radikal? Die Forderung nach Abschaffung der Todesstrafe ist ebenso radikal, wie die Forderung nach Wiedereinführung.
    Jetzt muß ich aufstehen und mir die Notiz holen von einem Satz der Hannah Arendt:
    “Das Böse ist immer extrem, aber niemals radikal!”
    Die Todesstrafe ist eine Sache des Strafrechts, und so von haus aus nicht böse. Gefühlte linke Revoluzzer hatten natürlich etwas gegen sie, wegen der Aussicht, irgendwann unter einem Galgen zu stehen. Aber den massenhaften Mord an zu Gebärenden haben sie angeleiert durch Zerstörung der Moral und den daraus hervorgehenden ungewollten Schwangerschaften. Und dazu die gesetzlichen Regeln hingebastelt bis hin zum de-facto-Recht auf Abtreibung.

    Von Revisionismus will ich gar nicht anfangen, weil Deutschland ein Land der Verlogenheit geworden ist. Der Faschismus war eine kurzlebige Regierungsform in Italien. Faschistisches Verhalten zeigen alle, die andere als Faschisten bezeichnen.

    Ihr müßt nichts davon glauben, was ich hier geschrieben habe. Aber wenn ihr es nicht nachprüft, dann seid ihr ignorant und damit dumm.

    Plappert nicht nur nach. Prüft!!!

    • Thomas Jacobs sagt:

      Sehr geehrter Herr Kugler,

      Sie haben völlig recht, wenn Sie Begriffe wie “revisionistisch, reaktionär” oder sogar die von mir für den “Flügel” nicht benutzten Begriff “Nazismus” oder “Faschismus” als vorbelastet, mehrdeutig und auch in gewisser Weise, jedenfalls gehe ich davon aus, als eine Art Agitprop-Begrifflichkeit der links-alternativen Szene betrachten! Zudem können sich diese “Begriffskeulen” auch leicht gegen diejenigen wenden, wie Sie sagen, die sich selbst als antifaschistisch, progressiv etc. bezeichnen! Und natürlich wissen wir, dass es neben rechtem Faschismus auch einen linken oder auch einen radikal ökologischen gibt, die beide mit dem klassisch verstandenen Begriff des Faschismus, sofern er nicht insgesamt zu schillernd und damit kaum eichbar ist, eine hohe inhaltliche und auch formale Kongruenz besitzen. Die von Links-Alternativen seit geraumer Zeit viel und laut geschmähte “Hufeisentheorie”, korrekt verstanden, hilft hier sicher klärend weiter. Dennoch stellt sich für mich die Frage, wohin die Reise einer AfD unter der Ägide des “Flügels” gehen soll: Verfolgt man Höckes Buch aufmerksam, wird sehr schnell deutlich, wie Rauptierkapitalist andeutet, dass Höckes insinuierte “Lösungen” der aktuellen, parlamentarischen Probleme und Krisen in der Tat in rückwärts gewandten sozialen und politischen Wegen liegt, die nicht oder nur sehr schwer mit unserer parlamentarisch-demokratischen Welt kompatibel sind. Schlagen Sie bitte selbst in entsprechenden Lexika die Namen und intendierten Begriff nach, die bei Höcke entweder inhaltlich fallen, angedeutet werden oder die sich bei intensiver Lektüre und einem gewissen historischen Kenntnisstand nahelegen bzw. sich erschließen: Preußischer Sozialismus, George-Kreis, Bündische Jugend, Wandervogel, ständisch-korporative Verfasstheit, Neue Rechte, Carl Schmitt, Moeller van den Bruck , Ernst von Salomon, J. A. P. de Rivera etc. . Wenn Sie diesen Begriffen und Namen nachgehen, werden Sie bemerken, dass sich sehr vieles dessen, sicher nicht alles, inhaltlich in die Gedankenwelt eines Björn Höcke einfügt oder sein Denken sich in diese Begriffe einfügen lässt. Ich unterstelle Höcke keineswegs Nazismus, diese bizarre, absurde, menschenverachtende und hochkriminelle Form des Faschismus, aber ich stelle mir schon die Frage, inwieweit Höckes Denken und seine Kritik an unserer Demokratie noch innerhalb dessen liegt, was man demokratischen Konsens nennen kann! Dass wir heute eine einseitige Fixierung auf “rechts” (Was ist das eigentlich?) haben, linksextremistisches und -radikales Gedankengut bis tief in unsere Parteienlandschaft hineinreicht, dort oftmals bestenfalls als verzeihliche “Politfolklore” wahrgenommen wird, enthebt uns nicht der kritischen Betrachtung einer Vereinigung wie der des “Flügels”. Konservativ bin auch ich, aber nicht fixiert auf Ideen, die schon vor 90 Jahren bei Demokraten kaum mehrheitsfähig waren und als rückwärts gewandt oder spinnert galten und denen zumindest Affinitäten zu manchen faschistischen Ideen nachgesagt wurden und werden. Auch wenn man sie heute sollte äußern dürfen, genauso wie deren linke Pendants. Doch sie in die Tat umsetzen…? Bitte nicht! Weder die einen noch die anderen!

  2. Raubtierkapitalist sagt:

    Höcke, Kalbitz & Co. verstehen sich als Revolutionäre. Sie werden auch ohne das Label “Flügel” weiter Revolution innerhalkb der AfD machen.

    Letztendlich wird die AfD als Ganzes in ein paar Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Es sei denn, die AfD greift durch. Das sehe ich aber nicht. Weidel in Schnellroda usw. …

    Wie Thomas bereits in seinem Kommentar schrieb, sollte man unbedingt Höckes Buch “Nie zweimal in denselben Fluss” lesen* und ab und zu mal “Sezession” von seinen Kumpels aus Schnellroda. Dann weiß man wo die Reise von Höcke und seinen Höflingen hingehen soll und wie sie es bewerkstelligen wollen.

    * Am besten gebraucht kaufen um keinen Cent in Schnellroda lassen zu müssen.

  3. nordseeschwalbe sagt:

    Die allgemeine Beschäftigung mit dem Virus drängt das vor der Krise vorherrschende AfD-Bashing in den Hintergrund – vielleicht eine Chance für diese, sich in Ruhe vernünftiger aufzustellen…?

  4. Thomas Jacobs sagt:

    Leute wie Höcke, Kalbitz und “Konsorten” loswerden oder entmachten zu wollen, erscheint mir mehr als notwendig, wenn die AfD ihren konservativen Charakter bewahren und nicht ins Revisionistische bzw. Reaktionäre abgleiten bzw. davon dominiert werden will. Nach sehr eingehender Lektüre des Höcke-Buches “Nie zweimal in denselben Fluss” kann ich die Beobachtung des “Flügels” durch den VS mehr als verstehen und billigen. Der Verfasser des genannten Buches und diejenigen, die ihn deswegen feiern und/oder politisch unterstützen, laufen m. E. eindeutig in großer Distanz neben der demokratisch-parlamentarischen Spur, wie sie durch das Grundgesetz vorgegeben wird. Da hülfe es auch nichts, wenn man Höcke hinsichtlich seiner Einschätzung des Zustandes unserer deutschen Demokratie in einigen Punkten recht geben könnte! Dies rechtfertigt aber keinen politischen Salto rückwärts in vergangene und überwunden geglaubte Zeiten und Gedankenkonstrukte, um es milde auszudrücken! Es ist eine notwendige Maßnahme innerparteilicher Hygiene der AfD, den “Flügel” endlich so zu stutzen oder zu entmachten, dass die Partei als Ganzes überleben und als notwendige, konservative Ergänzung im linken Parteienspektrum auch noch für andere von der Merkel-CDU enttäuschte Konservative wählbar werden kann! Die Verluste durch den “Flügel” werden sicher durch konservative Demokraten kompensiert werden. Auch die einst mehr als stramm links agierenden und in Teilen vom Verfassungsschutz des Bundes und der Länder jahrelang beobachteten Grünen mussten sich von ihren allzu Radikalen und Extremistischen trennen, um langsam zu einer für nicht wenige Bürgerliche wählbare Partei zu werden. Hier sollte sich die AfD, ausnahmsweise, die Grünen zum Vorbild nehmen. Ansonsten wird sie untergehen oder zu einer Splitterpartei ewig Gestriger herabsinken, die nur noch aus reiner Frustration über die anderen Parteien dort ihr Kreuzchen machen. Koalitionabel, und damit aktiv politisch mitgestaltend, wird sie alleine dadurch aber nicht werden. Und dann auch zu recht nicht!

  5. dasLinkeParadox sagt:

    Bin schon seit Ewigkeiten für ne 2 Parteien-Lösung. MIt den vielleicht 6-7% Flügel und einer bürgerlich verstärkten AFD wären wir insgesammt wahrscheinlich stärker, also könnten mehr Gewicht in Kernfragen aufbieten, aber ansonsten ist jeder für seine Suppe allein verantwortlich.