Wahlrecht ab 16? Die Sicht eines 17-jährigen

Von Manuel Freund | Heute vor 50 Jahren, am 31. Juli 1970, trat eine Grundgesetzänderung in Kraft, die das Mindestalter sowohl für das aktive als auch das passive Wahlrecht auf 18 festsetzte. Der damalige Bundeskanzler Willy Brandt hatte dieses Ziel beim Wahlkampf unter dem Titel „Mehr Demokratie wagen“ beworben. Inzwischen ist das Wahlalter 18 für uns üblich. Einige Bundesländer haben das aktive Wahlrecht bei den Landtagswahlen bereits auf 16 gesenkt. Auch über eine Senkung des Wahlalters auf Bundesebene wird seit langem diskutiert.

Nun gab es jedoch den ersten wirklich großen Vorstoß in diesem Punkt. Die Familien- und Jugendministerin Franziska Giffey bezieht nun ganz klar Stellung. Sie sagte: „Ich bin überzeugt davon, dass junge Leute mit 16 sehr wohl in der Lage sind, eine verantwortliche Wahlentscheidung zu treffen. Wir sollten ihnen diese Möglichkeit geben.“
Franziska Giffey möchte nun sowohl das aktive als auch – und das ist ziemlich ungewöhnlich – das passive Wahlrecht auf 16 senken. Dies würde bedeuten, dass 16-jährige nicht nur wählen dürfen, sondern auch dazu befugt sind, sich aufstellen und wählen zu lassen.
Profitieren würden von der Änderung nach aktuellen Schätzungen vor allem die Grünen. CDU und SPD bekommen vor allem bei den älteren ihre Stimmen. Die Grünen, die FDP, die SPD und die Linke sind dafür und die CDU und die AfD sind gegen die Absenkung des Wahlalters. Der SPD muss ich in diesem Punkt tatsächlich ausnahmsweise mal ein extrem starkes Rückgrat zusprechen, denn wer eine Grundgesetzänderung fordert, die einen selbst Prozente kosten würde, der will entweder wieder junge Wähler gewinnen oder er handelt wirklich aus Überzeugung.

Mit 14 hielt ich mich auch für reif

Doch was denken eigentlich Jugendliche, die theoretisch von dieser Regelung betroffen wären? Ich muss zugeben, als ich 14 war, wollte ich auch das Wahlalter senken, natürlich damals nicht auf 16 sondern auf 14 Jahre. Die Begründung dafür war eigentlich recht simpel: Wenn ich in der Lage bin, mir eine fundierte politische Meinung zu bilden (und das war ich damals aus meiner Sicht natürlich), dann ist es doch unfair, dass ich politisch weniger Entscheidungsgewalt habe, obwohl ich genau so Mitglied dieser Gesellschaft bin wie alle Volljährigen. Heute, muss ich sagen, sehe ich das Ganze ein wenig anders.
Ich bin durchaus weiterhin der Meinung, dass es viele Argumente dafür gibt, das Wahlalter zu senken, es gibt durchaus Jugendliche, die sich politisch sehr interessieren und bilden.

Vor allem in Zeiten des Internets ist es auch im jungen Alter nicht unüblich, dass sich bereits einige politische Meinungen bilden können. Außerdem ist es aktuell so, dass die Interessen von Minderjährigen bei den Wahlen kein bisschen berücksichtigt werden. Ria Schröder (Vorsitzende der JuLis) redet von einem „ganz großen Mangel in der Generationengerechtigkeit der politischen Entscheidungen“.


Und wenn man bedenkt, dass die Partei „Die Partei“ bei den Jugendwahlen nicht selten ohne Probleme über die 5%-Hürde kommt, dann bestätigt sich dieser Eindruck.



Nun gibt es jedoch auch viele Gründe, warum es nicht wirklich sinnvoll ist, das Mindestwahlalter auf 16 zu senken. Man muss bedenken, wenn man das Wahlalter senkt, dann dürfen nicht nur die 16- und 17-jährigen wählen, die tatsächlich schon vernünftig genug für solch eine Entscheidung sind, dann dürfen auch Jugendliche wählen, die außer Computerspielen nicht viel im Kopf haben. Ein gewisser Reifegrad sollte eigentlich vorhanden sein, wenn man mitentscheiden soll, wer Deutschland die nächsten vier Jahre regiert. Und wenn man bedenkt, dass die Partei „Die Partei“ bei den Jugendwahlen nicht selten ohne Probleme über die 5%-Hürde kommt, dann bestätigt sich dieser Eindruck.
Zudem sind Jugendliche im Schnitt auch einfach politisch ungebildeter als Volljährige. Dies liegt zum einen daran, dass in dem Alter einfach noch wenig Lebenserfahrung vorliegt und zum anderen daran, dass die meisten Jugendlichen einfach keinen Bock haben, sich politisch zu informieren.

Jetzt könnte man natürlich sagen, dass FridaysforFuture doch das beste Beispiel dafür sei, dass Jugendliche sich heutzutage eben doch zu einem großen Teil für Politik interessieren. Dazu sei jedoch gesagt, dass zu Schulschwänzer-Demos gehen, nicht unbedingt eine fundierte politische Meinung impliziert. Nur ein kleiner Teil der deutschen Jugendlichen geht auf FFF-Demos, davon ist nur ein kleiner Teil wirklich am Thema interessiert und davon hat dann nochmal nur ein kleiner Teil auch Ahnung von anderen politischen Themen als Klimawandel und Umweltpolitik.

Auch wenn viele das nicht glauben mögen, aber zu einer fundierten politischen Meinung gehört mehr als gegen den Klimawandel zu sein.
Jugendliche sind außerdem oft leichter beeinflussbar als Volljährige. Es ist möglich, dass die Eltern dem unwissenden Jugendlichen eine politische Meinung einreden oder aufzwingen. Dieser Umstand wird bei Jugendlichen noch verstärkt, da man bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres häufig noch sehr abhängig von den Eltern ist. Neben den Eltern können aber auch Schule, Freunde und Medien leicht Einfluss auf die politische Meinung eines naiven Jugendlichen haben. Diese Gefahr wird man nie komplett ausmerzen, aber man kann diese Chance reduzieren, indem man das Wahlalter bei 18 belässt.
18 ist das Alter, ab dem man volljährig ist. Man ist vollkommen strafmündig, darf Kaufverträge abschließen und muss sich nichts mehr von seinen Eltern vorschreiben lassen. Man könnte also sagen, die Person ist ab diesem Zeitpunkt gänzlich mündig. Daher wurde auch das Wahlalter auf dieses Alter gesetzt. Auch wenn eine einzelne Stimme bei einer Wahl selten etwas ändert, so erfordert die politische Mitbestimmung definitiv einen Reifegrad, den selbst viele 18-jährige noch nicht erreicht haben.

5 Antworten

  1. Großheim Jürgen sagt:

    METZGERS ORDNUNGSRUF 30-2020
    Bundestagskandidatur: Kevin Kühnert ante portas?

    Tizian
    Das ist doch nicht überraschend, sondern folgerichtig. Darauf arbeiten all die Kevins, Andrea, Claudias und tausende andere Parteikarreristen aller Coleur doch hin, ran an die vollen Töpfe und Tröge, die heißbegehrten und lukrativen Privilegien, Posten und Pöstchen, an die höchstlukrative Vollversorgung bis zum letzten Tag. Der neufeudale Hofstaat, der zumindest das Ende aller finanziellen Sorgen bedeutet, der ist das Ziel. Das sitzen keine Idealisten, keine Volksvertreter, das sitzen Egomanen und Schmarotzer. Und nein, das ist keine Neiddebatte, das ist das Parteiensystem, die Realität. Denn fast alle BerufspolitikerInnen sind Parvenüs. Mit ihren erworbenen Berufsqualifikationen und Kompetenzen würden sie im normalen bürgerlichen Wirtschaftsleben nie das Einkommen, die Privilegien und den Sozialstatus erreichen, den sie als BerufspolitikerInnen ergattert haben. Oberstes Ziel für Berufspolitikerinnen ist daher: „Ich zuerst!“ Und dies bei allen Parteien. Das nächste Ziel ist, bei der nächsten Wahl selbst wieder ins Parlament zu kommen. Dazu muss die eigene Partei entsprechende Stimmen requirieren. Darum dreht sich das ganze Parteileben um die Frage, was müssen wir tun, um möglichst viele Stimmen zu erhalten? Das nächste Ziel von Berufspolitiker/innen ist, weiter aufzusteigen. Dazu muss man in die Regierung kommen, dann winken die lukrativen Posten, die Berater- und Vortragshonorare, Talkshow-Einladungen etc. Bis vor kurzer Zeit war es noch so, daß man nur in die Politik gehen konnte, wenn man vermögend und vor allem finanziell unabhängig war. Heute geht man in die Politik, um vermögend zu werden und sich dabei auch noch rentenmäßig überproportional zu versorgen und abzusichern. Das Ganze dann natürlich in Selbstbedienungsmanier und mittlerweile sogar mit unkontrolliertem Automatismus. Und dieses System wird einem dann noch ganz frech als Demokratie und Parlamentarismus verkauft, mal davon abgesehen, daß die Parteien selbst wie Konzerne agieren und die Gesellschaft mit einer Unzahl parteieigenen oder parteinahen Unternehmen und Organisationen durchwuchert haben, um die weitere Versorgung des Berufspolitikertum sicherzustellen. Es hat sich ein dreist selbstbedienender und schmarotzender Berufspolitikerzirkel gebildet, der wie gesagt alles tut, um an diese vom Bürger und Steuerzahler stets prallgefüllten Töpfe und Tröge aller Art zu kommen und dort so lange es nur irgend geht zu bleiben. Dieses System der schamlosen Selbstbereicherung ist nichts weiter als ein neufeudaler Hofstaat in modernem Gewand

  2. Ippe Jansen sagt:

    “Jugendliche sind außerdem oft leichter beeinflussbar als Volljährige…” das ist der eigendliche und einzige Grund. Ein gutes Mittel, vor allem für die Grünen & Linken, Wähler zu gewinnen. Mit AgitProp, Manipulation & dreister Lüge wird schon darauf hingearbeitet. Wir werden alle aufwachen wenn wir im Sozialismus leben. Gute Nacht D. PS.: Ich könnte mich aber aufraffen das zu akzeptieren wenn das Alter für die volle Strafmündigkeit auf 14, bei Kapitalverbrechen (Mord, Totschlag u.ä.) auf 12 Jahre gesenkt wird. Ohne Jugendstrafrecht bis 21 Bonus.

  3. Dr. Götze sagt:

    Dass Jugendliche mit 18 gänzlich mündig sind, möchte ich mal dahingestellt lassen! Erstens zieht in der Regel bis zum 21. Lebensjahr noch das Jugendstrafrecht, gibt Ihnen also in einem hoch sensiblen Bereich quasi noch einen Freibrief, und zweitens möchte ich den 18-Jährigen erleben, der sich komplett von seinen Eltern abnabelt, um auf eigenen Füßen zu stehen! Das ist eine verschwindend kleine Anzahl und die ist meistens völlig überfordert mit der neuen “Freiheit”. Ich weiß wovon ich rede, ich gehe beruflich seit über 30 Jahren mit jungen Menschen im Alter von 17/ 18 bis 25 Jahren um, fast ausschließlich Abiturienten, und das Gros ist nicht selbständig lebensfähig, lebt großteils in der WhatsApp und Twitter Blase. Spätestens wenn die Wäsche zu Neige geht, geht’s mit Sack und Pack zu Mama und ihrer Waschmaschine. Und wenn man sie zu politischen Fragen anspricht, stehen sie auf dem Schlauch, genauso wenn es um die geringsten Alltagsprobleme geht. Auch Allgemeinbildung, gleich null. Dafür haben sie ja das Gehirn in der Smartphone Hülle. Aber effektiv suchen ist in der Regel ebenfalls nicht ihr Ding. Ich liebe meine Schüler und Studenten trotzdem und diese mögen mich meist auch, aber mit 16 wählen? Nein danke! Den Helikopter und Bulldozer Eltern entkommen brauchen sie noch eine lange Zeit, um das nachzuholen, was Mama und Papa in falsche Fürsorge von ihnen ferngehalten und für Sie geregelt hat!

  4. Marc sagt:

    Die Jungend für ihre Ziele zu missbrauchen ist alte kommunistische/sozialistische Tradition. Die denken nicht, dass ein 16-Jähriger Reif ist, die denken, einen 16-Jährigen kann man leicht manipulieren.

  1. 31. Juli 2020

    […] über Wahlrecht ab 16? Die Sicht eines 17-jährigen — Apollo News […]