Waffenlieferungen an die Ukraine? – Das große Apollo-Battle

4 Antworten

  1. Karina sagt:

    Ich kann Herrn Thomann nur zustimmen. Sicher, Verhandlungen sind nicht grundsätzlich falsch, aber Putin lässt sich doch nicht von uns zwingen abzurücken, nur weil wir ihm sagen, dass wir ihn sonst „nicht mehr lieb haben“.

  2. tania sagt:

    Vielleicht sind Waffen und Verhandlungen ja gar kein Gegensatz – Aggressoren wie Putin lassen sich ja nur durch harte Fakten stoppen und gegebenenfalls an den Verhandlungstisch zwingen. Da bleibt nur militärische Gegenwehr, Wirtschaftssanktionen sind a) Vertragsbrüche und schneiden b) ins eigene Fleisch.
    Also bei mir eindeutig Zustimmung für Sebastian Thormann.

    • Siegfried Vocasek sagt:

      Nein, das muss sich nicht ausschließen, Unterstützung durch Waffen – und Waffenstillstandsverhandlungen.
      Es ist schon offensichtlich, dass Putin nur Fakten interessieren.
      Die Frage ist nur, wie weit man so jemanden treiben darf, ohne den „Point of no return“ zu überschreiten. Hinter dem alles möglich ist, auch eine Eskalation, die wir uns nicht wünschen sollten.
      Damit meine ich konkret den bereits geforderten Kampf bis zum Endsieg, bis zur vollständigen Vertreibung Putins aus der Ukraine. So wünschenswert das auch immer ist – dort wird dann alles möglich.
      Momentan stehen die Chancen für Verhandlungen doch einfach deshalb gut, weil Putin einerseits in Bedrängnis ist, andererseits jetzt n o c h sein Gesicht wahren kann. Ohne zum letzten Mittel greifen zu m ü s s e n! (aus seiner Sicht).
      Wäre da nicht der Vorschlag Italiens zu konkreten Verhandlungen alle Unterstützung wert? Jetzt?
      Und sollten wir nicht auch mal an die Jahrzehnte nach dem Ukrainekrieg denken? All die Sanktionen – ein Ende des Krieges bringen sie nun mal kurzfristig nicht. Aber langfristig leidet die Wirtschaft, und damit die Menschen, ganz Europas darunter. Und langfristig wird Russland derart ruiniert – wollen wir einen Chaosstaat dieser Größe am Rande Europas, eine atomare Weltmacht in diesem Zustand? Wirklich?
      Abgesehen von der Kleinigkeit, dass dann auch die Getreidelieferungen schnell! wieder in Gang kämen – geht das wirklich nicht?

  3. Siegfried Vocasek sagt:

    Ist das „Weltuntergangsszenario“ wirklich unrealistisch?
    Zwei Antworten:
    Ja, ein sog. „Weltuntergangsszenario“ ist schon ziemlich unrealistisch.
    Und nein: Warum müssen wir gleich vom Weltuntergang reden? Aber ein Untergang Europas wäre schon realistisch. Unter bestimmten Umständen, die ich hier zu bedenken gebe.
    – Weltuntergang – also ein atomarer – wird wohl nicht stattfinden. Weil Putin weder ein Idiot noch ein Selbstmör-
    der ist. Also die USA z. B. wird nicht angegriffen werden, egal wie der Ukraine-Krieg verläuft.
    – Aber es gibt ja auch taktische Atomwaffen. Zum Einsatz in Europa!
    Sollten wir nicht dafür sorgen, dass die nicht zum Einsatz kommen? Mit all unseren Mitteln, als vorrangiges
    Ziel? Selbst wenn das die Wahl zwischen Pest und Colera bedeutet? Mit welcher von beiden können wir über-
    haupt einigermaßen weiterleben? Um Zeit zu gewinnen, die immer auch Entwicklung bedeutet, Entwicklung,
    die man dann gestalten kann?
    – Bleibt die Frage, wie realistisch ist der Einsatz taktischer Atomwaffen in Europa.
    Es gibt sehr deutliche Stimmen von maßgeblicher Seite, die eine Befreiung auch des letzten Meters der Ukrai-
    ne als selbstverständlich bezeichnen. Und die Rückgabe der Krim natürlich auch. Ernsthafte Verhandlungen
    nur unter dieser Bedingung.
    Dagegen stelle ich die nüchterne Behauptung: Putin wird n i e m a l s diesen totalen Gesichtsverlust hinneh-
    men. Kann er gar nicht. Sehen wir das doch einfach als Fakt, gefallen muss uns das nicht.
    Das heißt, es gibt einen Punkt, ab dem es richtig gefährlich wird. Und die Lieferung von noch mehr, noch wirk-
    sameren Waffen und Munition usw. (die nötig sind, damit nicht so viele Menschen sterben, höre ich von verant-
    wortlichen Politikern!) – führen sie nicht genau dorthin? Zunächst zu einer Eskalation und Verlängerung des
    Krieges. Mit dramatischen Folgen für die Ukraine, Europa, die ärmeren Länder dieser Welt. Und schließlich zu
    dem Punkt, an dem Putin mit hängenden Ohren nach Hause gehen und sich entschuldigen muss – oder als
    letzte Möglichkeit zu den taktischen Atomwaffen greift. Was wird er wohl tun???
    – Wäre das hier nach diesen Überlegungen nicht die bessere Möglichkeit:
    Verhandlungen jetzt. Solange noch Zeit ist. Ohne kategorische Vorbedingungen. Was ist zu erwarten?
    Putin wird – in bedrängter Lage – darauf eingehen. Noch hat er Verhandlungsmasse, kann gnädig etwas
    abgeben. Wie man das Ergebnis bestmöglich absichert, unter Beteiligung der EU, das kommt dann.
    Nein, das muss uns nicht begeistern!
    Aber bedenken wir die Folgen, wenn dies tatsächlich erreicht wäre:
    Getreidelieferungen könnten sofort Odessa verlassen. Nicht nur wir, auch die ukrainischen Bauern könnten
    aufatmen. Die tatsächlich drohende Energiekrise zum Jahresende – von vielen eifrig heruntergespielt – verlöre
    ihren Schrecken. Und ihr Potential, unsere Gesellschaft arg zu spalten, ja auch die Einheit Europas schließlich
    doch zu bedrohen. Und vieles mehr, was aufatmen ließe.
    Nicht zu vergessen: Die Zeit arbeitet langfristig für den Fortschritt! Und Russland wird eines Tages wieder
    gebraucht – für ein funktionierendes Europa.
    Frommer Wunsch am Schluss:
    Vielleicht sollten wir solche Totschläger wie „Putinversteher“ u. ä. mal kurz beiseite lassen – angesichts einer unübersichtlichen, klar gefährlichen Lage.