Vom Terror in Wien getroffen – eine persönliche Sicht und die Folgen

Von Liyun Celestin Gothõni | Wien ist wie gelähmt. So wie ich. Der Auslöser: Die Nachricht und darauf bezogene verstörende und brutale Bilder und Videos von einem islamistischen Anschlag auf eine Synagoge gab und Schießereien in den Straßen von Wien und weiteren Toten und unzähligen Verletzten. Für mich als österreichischen Staatsbürger und Juden war es gleich ein doppelter Schock und ich saß stundenlang vor dem Handy um Kontakt mit Freunden und Bekannten aus Wien zu halten, welche teils Schüsse von draußen gehört haben oder sogar sich in Restaurants in der Innenstadt verbarrikadieren mussten. Die Verzweiflung und Todesangst, die in ihren Sprachnachrichten zu hören war, verfolgen mich immer noch.

Der Hass auf meine Tweets wo ich Beileidsbekundungen gegenüber den Opfern kundgetan habe, haben gezeigt dass, wir entweder ein massives Problem mit Islamismus haben und/oder viele Muslime den Unterschied zwischen Islam und Islamismus nicht kennen. Die Hasskommentare und Sympathien für die Terroristen waren fast noch erschreckender als die Anschläge an sich. Nach mehreren Stunden hatte die Polizei die Lage unter Kontrolle und fahndet unermüdlich nach den feigen Tätern die auf der Flucht sind. Noch gegen 22 Uhr folgte ein ehrwürdiges und emotionales Statement von Frankreichs Präsident Emanuel Macron und zeitgleich lediglich ein Tweet vom deutschen Auswärtigen Amt, welches auf ganzer Linie enttäuscht hat.

Am folgenden Tag folgten viele Stellungnahmen aber besonders hervorzuheben war die vom österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen. Mit den Worten: „Wir werden uns und unsere Werte schützen und verteidigen. Es lebe unsere Freiheit, es lebe unsere Republik Österreich, es lebe unser gemeinsames Europa“ zeigte er genau die Stärke und Empathie, die man aktuell von der deutschen Bundesregierung vermisst. Heute Nachmittag gingen ich und ein Freund zur österreichischen Botschaft in Berlin-Tiergarten um Kerzen anzuzünden und Rosen niederzulegen. Danach haben wir darüber diskutiert, wer von dem Anschlag profitieren wird und was die Folgen sein werden: Die AfD wird den Anschlag wieder für die eigene politische Agenda nutzen und an Popularität gewinnen, da alle anderen Parteien zu weich und verängstigt geworden sind.

Deutschland hat den Mut in sich verloren eine harte Linie gegen Terror und Extremismus vorzugehen so wie es Helmut Schmidt in den 70ern mit der RAF machte. Etwas derartiges wäre heutzutage von einem SPDler nahezu undenkbar. Und jetzt komme ich zum wichtigsten Punkt: Terrorismus ist dafür gedacht um zu verunsichern, um einzuschüchtern und Gesellschaften zu spalten. Genau das darf auf keinen Fall passieren. Alle freiheitsliebenden Menschen egal ob christlich, jüdisch, muslimisch oder athletisch müssen jetzt gemeinsam unser geliebtes Europa und die freiheitliche Ordnung verteidigen. Ansonsten ist der kulturelle Suizid und die Kapitulation nicht mehr weit entfernt. Wir müssen Probleme wie Islamismus und Radikalismus klar beim Namen nennen, ohne rassistische Aussetzer. Die Zukunft unseres freien Europas liegt in unserer Hand also lasst uns solidarisch zusammenstehen. Für die Freiheit.