Viren aus dem Affendschungel: Sind wir jetzt endgültig geliefert? 

Von Simon Ben Schumann | Nach den massiven, weitgehend akzeptierten Grundrechtseinschränkungen der letzten Jahre würde so mancher Deutschland getrost zur “Bananenrepublik” erklären. Die vom Namen her passende Pandemie, um mit Mann und Maus unterzugehen, könnte zumindest schon vor der Tür stehen. Game over. Denn: Die Affenpocken sind los. Doch was ist dran an der behaupteten Gefahr?

Lauterbach als bekehrter Panikmacher?

20. Mai 2022, G7- Pressekonferenz: Erzengel Lauterbach blies in die Posaune, um das Weltenende einzuläuten. Beim letzten Mal, vor zwei Jahren, war der grünliche Dunst, der vom Görlitzer Park über das Regierungsviertel zog, wohl zu benebelnd, um alle aufrütteln zu können. Doch jetzt war es soweit. Gespannte Journalisten, mit brandneuen Masken gewappnet, hatten die Stifte bereit, um die Apokalypse schriftlich zu fixieren – für die entvölkerte Nachwelt.

Man dürfe die Situation nicht unterschätzen und müsse „hart und früh“ reagieren, verlautbarte der Gesundheitsminister. Einzelne Meinungsmacher vom „Spiegel“ johlten und klatschten bereits.

„Die aktuellen Affenpocken-Fälle sind nicht der Beginn einer neuen Pandemie“, beruhigte Karl Lauterbach versuchsweise die Gemüter. Was eigentlich eine gute Nachricht sein sollte, rief aufgewühltes Gerede unter der Mehrzahl der Pressevertreter hervor. Nachdem ein unbekannter Journalist entrüstet „Affenleugner!“ ausgerufen hatte und aus dem Raum gestürmt war, schnappte Lauterbach unter seiner FFP3-Maske vergeblich nach Luft.

Eine sachliche Analyse über die Affenpocken

Zugegeben, da habe ich etwas überzeichnet. Jetzt aber genug der Panik! Die genannte  Pressekonferenz verlief nämlich tatsächlich ruhig und überraschenderweise war Karl Lauterbach weniger in Endzeitstimmung als erwartet. Die Affenpocken seien mittlerweile auch in Deutschland angekommen, erklärte unser Gesundheitsminister. Und tatsächlich sind mehrere Fälle bestätigt worden. Der erste kam in München auf – in Verbindung mit einer Auslandsreise. Momentan gibt es laut dem RKI deutschlandweit 65 Fälle (Stand 3.6.2022). Der Patient 0 wurde in München isoliert im Klinikum Schwabing behandelt, die Symptome sind glücklicherweise eher mild – typisch für die Krankheit. „Eine Gefährdung der Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland” ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gering, wie es in einer Lageeinschätzung vom 2. Juni heißt.

Auf der Haut entstehen pustelartige, juckende Entzündungsstellen, woher auch der Name „Pocken“ rührt. Sie fallen den Patienten oft selbst auf, sind störend und helfen bei einer Diagnosestellung. Weitere Beschwerden können Schluckstörungen und Fieber sein. Außerdem sind als Symptom auch Körperschmerzen anzutreffen, bspw. Kopfschmerzen. All das ist selbstverständlich unangenehm und behandlungsbedürftig – aber kein Grund zur Panik. 

Erleichternd kommt hinzu, dass die Affenpocken grundsätzlich nicht sehr ansteckend sind. Die Infektion erfolgt häufig durch einen intensiven Körperkontakt, wie der englische Epidemiologe Paul Hunter dem ZDF berichtete. Auch der deutsche Virologe Hendrik Streeck sagte in einem Interview mit RP Online: „Das Virus ist deutlich schwerer übertragbar als zum Beispiel das Coronavirus. Beim Infektionsweg von Mensch zu Mensch muss ein enger Körperkontakt stattfinden. Aerosol-Übertragung spielt vermutlich kaum eine Rolle.” Eine solche Infektion kann beispielsweise bei sexuellen Handlungen vorkommen, weswegen Gesundheitsminister Lauterbach ein erhöhtes Risiko bei homosexuellen Männern postuliert. Ein Medikament für die Affenpocken ist in Europa bereits zugelassen: Tecovirimat wird seit 2022 zur Behandlung von Pockenerkrankungen eingesetzt. Ansonsten heilt die Krankheit aber grundsätzlich nach einigen Wochen von selbst ab.

Das Impfstoff-Hamstern hat schon begonnen

Jetzt könnte man meinen, alles halb so wild. Lauterbach macht zwar etwas Panik, aber im Vergleich zu seinen Verdiensten während Corona ist das nichts. Das dachte ich auch, bis es mal wieder um das Thema „Impfung“ ging. Unser Gesundheitsminister hat nämlich bereits 40.000 Dosen Impfstoff gegen Affenpocken gesichert, die in den USA zugelassen sind. Verträge und Kosten sind selbstverständlich nicht in die Öffentlichkeit vorgedrungen. Mit etwas Panikmache wurde vermutlich wieder eine Menge Geld verdient. Dabei ist noch nicht einmal klar, wer sich impfen lassen will und ob die Affenpocken bei uns irgendeine relevante Gefahr darstellen.

Nur wer zahlen darf, ist unstrittig: Die Bürgerinnen und Bürger.