Venezuelas Geheimdienst nimmt kurzzeitig Parlamentschef fest

Von LUCY | Nachdem der Parlamentschef Juan Guaido den umstrittenen Präsidenten Maduro offen herausgefordert hatte, wurde er vom venezolanischen Geheimdienst Sebin festgenommen und kurz darauf wieder freigelassen.
Auf dem Weg zu einer Protestkundgebung im Bundesstaat Vargas wurde Guaido auf der Autobahn gestoppt und von den Beamten an einen unbekannten Ort gebracht. Die Regierung wies jedoch die Verantwortung für die Festnahme von sich. Der stellvertretende Kommunikationsminister Jorge
Rodriguez sagte am Sonntag, die Sebin-Agenten hätten eigenmächtig gehandelt. Sie würden
freigestellt und disziplinarisch belangt werden.
Am Freitag, einen Tag nach Maduros umstrittener Vereidigung, kündigte Guaido an, die
Präsidentschaft vorübergehend übernehmen zu wollen und Neuwahlen anzusetzen. Dabei berief er sich auf die Verfassung Venezuelas. Maduro hatte sich am Donnerstag vor dem Obersten Wahlgericht vereidigen lassen, da das Parlament von der Opposition kontrolliert wird. Im Mai vergangenen Jahres war Maduro mit 65 Prozent beieiner Wahlbeteiligung von unter 50 Prozent wiedergewählt worden. Sowohl die venezolanische
Opposition als auch zahlreiche Staaten und internationale Organisationen, so beispielsweise die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) erkannten seine Wahl nicht an und bezeichneten diese als
„undemokratisch“. Maduro bezeichnete dies jedoch als „Verschwörung imperialistischer Kräfte unter Führung der USA“ und als „Show der Rechten“. Seit der Entmachtung des von der Opposition kontrollierten Parlaments 2016 sind die Regierungsgegner stark geschwächt. Viele Regierungsgegner sitzen in Haft, dürfen sich nicht politisch
betätigen oder mussten ins Exil gehen. In Venezuela sind immer mehr Züge einer Autokratie erkennbar. Durch das sozialistische Missmanagement der
Regierung kam es zu einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Obwohl Venezuela die größten Erdölreserven der Welt besitzt, leben mehr als 60 Prozent der Bevölkerung in Armut. Maduros Regierung macht jedoch (in sozialistischer Tradition) „imperialistische Kräfte“ für die Not verantwortlich.