Und, für wen gibt’s du dir den Pieks?

Von Sarah Victoria | Für die Singles, das Real-life oder doch die Schlager-Homies? Wer an dieser Stelle verwirrt ist: Die Rede ist natürlich von der Corona-Impfung.  „Ärmel hoch und impfen gehen! Für dich, für uns, für alle. “ heißt es in der Kampagne des bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, die seit Juni in den sozialen Medien zu sehen ist. Seien es kurze Werbesports, in denen mehr oder weniger prominente Menschen für die Impfung werben, oder neue Memes über sogenannte Impfmuffel – das bayerische Gesundheitsministerium unter Klaus Holetschek hat keine Kosten und Mühen gescheut, die Zielimpfquote des Robert Koch Instituts von 85% zu erreichen. Bayern soll in der Pandemie schließlich weiterhin Vorreiter bleiben.  

Ein Wettbewerb von Ideen, das Vertrauen in jeden Einzelnen, vernünftige Entscheidungen zu treffen? Fehlanzeige. Stattdessen werden von Steuergeldern Werbekampagnen finanziert, die an kollektivistischen Beiklängen kaum zu überbieten sind. Impfen ist nun eine politische Mission. Für die Erhöhung der Impfquote werden Videos gedreht, Plakate aufgehangen oder gar Cocktails und Bratwürste verteilt. In den sozialen Medien, Clubs, auf dem Schulhof – die Impfkampagne ist überall. Die staatliche Bevormundung breitet sich immer weiter aus und versucht, die öffentliche Meinung zu steuern. Es sind Aussagen wie „Wir impfen Deutschland zurück in die Freiheit!“, jüngst getätigt vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die einen freiheitlich denkenden Menschen stutzig werden lassen. Sollte Freiheit nicht ein Selbstverständnis sein und nicht als Anreiz verwendet werden?

Liberale Prinzipien wie individuelle Freiheit oder moralische Autonomie werden Stück für Stück umgangen und durch eine Vormundschaft politischer und gesellschaftlicher Institutionen ersetzt. Eigenständiges Denken ist fortan nicht mehr nötig, immerhin gibt es Ministerien und natürlich „die Wissenschaft“, die diese Aufgabe übernehmen. Die Willensbildung in liberalen Systemen dauert lange und politischen Entscheidungsträgern sind in vielerlei Hinsicht die Hände gebunden. Da erscheint es natürlich verlockend, diese Prinzipien unter dem Deckmantel des Allgemeinwohls zu umgehen. Das hat einen großen Vorteil für die Politik: Entscheidungen können viel schneller getroffen werden. Heute ist es noch die Corona-Impfung, morgen die Bekämpfung des Klimawandels. Warum warten, bis 85% der Bevölkerung davon überzeugt sind, sich impfen zu lassen, wenn man denselben Effekt auch mit Werbefilmen und Gruppendruck erreichen kann? Warum nicht gleich gegen den Klimawandel vorgehen? Man übernimmt Verantwortung, kümmert sich um die Bevölkerung und gewinnt ganz beiläufig immer mehr Einfluss. Die Frage ist allerdings, wer bestimmt, was das Allgemeinwohl ist und für welche Entscheidungen Politik verantwortlich ist. Die Impfkampagne zeigt, dass zumindest das bayerische Gesundheitsministerium bereit ist, diese Verantwortung auch in Zukunft zu übernehmen. Für dich, für uns, für alle, versteht sich.

 

 

1 Antwort

  1. karlchen sagt:

    Das ist immer verdächtig – immer wenn, es viel um „Allgemeinwohl“ und „Solidarität“ geht, ist die individuelle Freiheit in Gefahr. Wenn ich mir einen Pieks geben sollte, dann für mich, wenn nicht, dann auch.