Tja, liebe Politiker: Ich habe heute leider kein Foto für euch.

Von Elena Klagges | In diesen Wochen läuft die 17. Staffel von Germanys next Topmodel. Heidi Klums Modelschmiede, in der es allein schon mit der Auswahl der Kandidaten an politischen Statements nicht fehlt.
In diesen Wochen hatte sich zuletzt auch der Wahlkampf in Frankreich zugespitzt und pünktlich zu dessen Ende tauchte das Bild vom Präsident mit lässigem 3-Tage Bart, Jeans und einem grünem Pullover der französischen Fallschirm-Spezialeinheit auf. Versuchte der eigentlich eitle Macron den ukrainischen Präsidenten nachzuahmen, der mit Kriegsbeginn seinen staatsmännischen Anzug mit olivgrünen Militärkleidern getauscht hat? Was möchte der Franzose inszenieren? Kampfbreitschaft? Loyalität? Solidarität?

Ein Trendsetter ist Emmanuel jedoch nicht. Die bewusste Kleidungswahl als Symbol für Volksnähe und Nahbarkeit haben längst auch schon andere Politiker für sich entdeckt.
Auf der anderen Seite des Ärmelkanals versucht Boris Johnson, herausragender Eton-Schüler und typisches Mitglied der Upper Class mit seinem radical-chic Clown-Look die Briten zu umgarnen.
Deutsche Models: Bis vor kurzem machte sich Karl Lauterbach mit seiner knallbunten Fliege zum Clown. Jetzt, da er Bundesminister geworden ist, versucht er zwar stilistisch seriöser aufzutreten. Aber wenn er glaubt, dadurch seine lächerlichen Aussagen relativeren zu können – Fehlanzeige! Unvergessen auch Ex-Außenminister Heiko Maas, der sich in Lederjacke und Sneakern einen modischen Fauxpas leistete. Und Scholz vergriff sich auch schon im Kleiderschrank, als er im Oversize-Hoodie vor die Journalisten im Flieger nach Washington trat.

Wollten die beiden Jugendlichkeit ausstrahlen? Der jungen Generation zeigen, wie aktiv, lässig und cool Politiker sein können?
Ganz zu schweigen von dem Papageivogel Claudia Roth. In einem Interview verriet die Grüne kürzlich erst, natürlich schon mehrere Kleiderschränke zu Hause stehen zu haben. Grundsätzlich kein Vorwurf, v.a. bei Frauen. Schön wäre es aber, wenn die Politikerin diese Vielfalt auch im Bundestag repräsentierte. Sich Diskussionen und Meinungen öffnen würde, anstatt wie eine Vogelscheuche die Nachhaltigkeitsdoktrin durchsetzen und andere Lifestyles vergrauen zu wollen.

Wir leben zwar nicht mehr im 20. Jahrhundert – auch wenn ich zugegeben gerne mal in diese Zeit zurückreisen würde und deshalb den deutschen Kinostart des zweiten Downton Abbey Films am 28. April kaum erwarten kann. Aber ein bisschen stilistischen Anstand, eine gewisse Etikette mag man doch noch erwarten dürfen. Zumal der legere Style den Politiker nicht besonders gut steht und außer einer reinen Symbolpolitik und Solidaritätsbekunden wenig bezwecken dürfte.

In die Absurdität wird die Debatte getrieben, wenn man noch identitätspolitische Accessoires auftragen möchte. Als ich am vergangenen Dienstag bei BILD TV in die Sendung Viertel nach Acht schaltete, erläuterte die Welt-Journalistin Susanne Gaschke, dass die military Frühlingskollektion 2022 von einigen sogar als Inbegriff der toxischen Männlichkeit gesehen werde. Unter anderem Selenskys medialer Catwalk verwerfe die feministischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte und repräsentiere den Inbegriff des unterdrückenden weißen Mannes.

Ein Rückschritt, der unbedingt ein Ende haben müsse.
Zumindest in diesem Punkt kann ich zustimmen. Denn säße ich auf dem Jury-Stuhl: Ich hätte auf jeden Fall kein Foto für sie.

1 Antwort

  1. moneypenny sagt:

    Für diesen Artikel gibt’s aber definitiv ein Foto 😉 Bitte mehr davon!