Tag der Deutschen Einheit – und niemanden interessiert’s!

Von Jan Schneider | Alle Schüler, Studenten und viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben heute frei. Warum? ,,Is Feiertag” sagen viele. Einige wissen auch, dass da etwas war mit der Einheit. Ja, da war tatsächlich was.

Wir junge Menschen leben in einer Zeit, die nur ein Deutschland kennt. Wohnen wir im Westen, erachten wir dies als selbstverständlich. Wer im Osten wohnt, weiß, dass er irgendwie anders ist. Dass wir aber vor nicht allzu langer Zeit kurz davor standen, uns gegenseitig zu bekriegen, weiß kaum einer.

Zurück in die 1980er Jahre. Das sozialistische Terrorregime der SED regiert im Osten mit harter Hand. Kritiker werden weggesperrt, die Bevölkerung ist verarmt. Die Bevökerung sehnt sich nach Freiheit und Wohlstand. Beides hat man im Westen größtenteils. Doch die westlichen Jugendorganisationen gehen lieber auf die Straße und protestieren für Abrüstung, für Umweltschutz und für den Sozialismus. Was viele Menschen jedoch einte, war der Wunsch nach einem geeinten Vaterland. Und im Laufe der 80er bewegte sich etwas: Aufgrund der hervorragenden Außenpolitik Ronald Reagans und der wirtschaftlichen Lage wurde der Druck auf den Osten immer größer. Zudem lehnten sich die Menschen gegen Totaliratismus auf. Sie hatten genug. All das führte zur friedlichen Revolution und zum Mauerfall 1989. Am 03.10.1990 wurde dann der Traum Wirklichkeit: aus zwei wurde eins. Heute ist Deutschland ein friedlicher Staat, der Lebensstandard ist trotz der zahlreichen Probleme wegen der marktwirtschaftlichen Ordnung sehr hoch.

Nun ist der Deutsche nicht gerade als Patriot bekannt, außer es ist mal wieder Fußball-Welt- oder Europameisterschaft. Denn das ist natürlich voll Nazi und so. Dabei hat diese Nation Faschismus und Sozialismus überwunden beziehungsweise überlebt – seine bloße Existenz ist ein polithistorisches Wunder.

Die Wiedervereinigung war ein friedlicher Triumph des deutschen Volkes. Freiheit und Demokratie haben gesiegt. Von daher: genießt den freien Tag und feiert unser Land und seine Werte!

4 Antworten

  1. Hasko Maiseger sagt:

    Ronld Reagan und hervorragende Außenpolitik..!? Der Mann war als Präsident eine Witzfigur. Gibt genug im Internet über ihn zu lesen.

  2. Andreas Schneider sagt:

    Nachstehendes habe ich heute (mit dem Foto einer Sonderausgabe des “Stern”) in einer geschlossenen Gruppe gepostet:

    “Gedanken zum „Tag der deutschen Einheit“

    Heute findet zum 29. Male besagter Feiertag im wieder vereinten Deutschland statt. Und im Gegensatz zu vielen offiziell und medial verbreiteten Jubelstürmen geht er (wohl nicht nur) an meiner persönlichen Wahrnehmung weitgehend vorüber. Ein Versuch, dies – wenigstens für mich – zu begründen.

    Das Foto zeigt die Sonderausgabe des „Stern“ vom 16.11.1989, mithin eine Woche nach der Grenzöffnung veröffentlicht. An einen „3. Oktober“ war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken. Ich bin wahrlich nicht der Mensch unbedachter Impulskäufe, aber diese Ausgabe habe ich seinerzeit spontan einem Ständer entnommen. Und jedes Mal, wenn ich die – nun schon recht angegriffenen – Seiten wieder hervorhole, kommt ein Stück weit dieses überschwengliche Gefühl zurück, das zu jener Zeit wohl nicht nur mich allein beseelt hat.

    In der Folge der Ereignisse lernte ich weitere Verwandte (aus der Linie meiner Ex-Frau) kennen, die nun erstmals die Möglichkeit hatten, uns zu besuchen. Bis dahin waren es lediglich einige ältere Menschen im Rentenalter gewesen, denen ich hatte begegnen können. Eine „Vereinigung“ auf familiärer Ebene, sozusagen. Daß solche Dinge einen anderen Weg gehen und nehmen als politische Prozesse, versteht sich von selbst. Aber schon nach recht kurzer Zeit mußte die Diskrepanz auffallen, mit der sich diese beiden Wege voneinander entfernten. Und daß man den 3. Oktober 1990 zum offiziellen Festakt wie auch zum neuen „Tag der deutschen Einheit“ festlegte, stieß in meinem persönlichen Umfeld auf alles Mögliche zwischen Desinteresse und Unverständnis. Dies noch nicht einmal knapp ein Jahr nach einem seit Jahrzehnten erhofften und herbeigesehnten historischen Ereignis?

    Am 3. Oktober 1990 hatten wir „Ostbesuch“. Wir saßen einmal mehr beisammen, unterhielten uns, und noch immer erfuhr ich etwas Neues aus der Zeit hinter dem „Eisernen Vorhang“, auch, während ich einem entfernten Verwandten, seinerzeit als Mechaniker für IFA tätig, bei einem Abstecher die damals noch fast neuen Liegenschaften und Einrichtungen meines damaligen Arbeitgebers, eines örtlichen Autohauses, vorstellte. Während des Zusammenseins lief im Hintergrund der Fernsehapparat, da wir uns vorgenommen hatten, den Festakt zu verfolgen. Nur eben, daß die Unterhaltungen überaus angeregt und damit geeignet waren, das Programm gar nicht weiter bewußt zu registrieren. Irgendwann bemerkte ein Onkel meiner Frau plötzlich: „Ach je – wir sind ja schon wieder vereinigt!“ Was die Gesellschaft zu einem kurzen Intermezzo mit Blick auf den Bildschirm animierte, um sich dann doch wieder der Unterhaltung zuzuwenden.

    Aber etwas mehr als einen Monat später, am 9. November 1990, klingelte abends unser Telefon. Der vorgenannte Onkel meldete sich aus den „Neuen Ländern“, hier Thüringen. Ein seltenes Ereignis, auch später. Wie es uns ginge usw., im Grunde Belangloses. Dann aber, völlig unvermittelt, fragte er mich: „Wißt Ihr noch, letztes Jahr?“ Und brach am anderen Ende der Leitung in ein haltloses Schluchzen aus – ein gestandener Mann von 73 Jahren! Seine Frau übernahm das Gespräch, weil er sich nicht mehr beruhigen konnte.

    Der 3. Oktober 1990? Für mich ein reiner Honoratiorentag, ein müdes Ausweichen vor einem Datum, das man wohl aufgrund „1938“ als „historisch belastet“ wahrnahm. Anstatt eben dieses Datum, den 9. November, als einen historischen Brückenschlag des 20. Jahrhunderts unseres Landes zu registrieren, die Wege und Irrwege von 1918 und 1938 mit dem kraftvollen Neustart einer nach Jahrzehnten wieder vereinten Nation zu nutzen. Was ich als DEN Kardinalfehler eines „Wiedervereinigungsprozesses“ ansehe. Und mit dem im Grunde eben das System, das mit den Geschehnissen jenseits der Grenze, die letztlich zu deren Fall führten, fast nichts zu tun hatte, eben diesen aktiven und direkt betroffenen neuen Mitbürgern einfach den abgetragenen, eigenen Mantel überstülpte. Was sich, in weiterem Kontext betrachtet, auch in der Neufassung des Art. 146 GG manifestierte. Ist es nun wirklich so überraschend, wenn mit einem „3. Oktober“ nur relativ wenige Emotionen verbunden sind und keine rechte Feierlaune aufkommen mag? Ein 9. November als Tag der deutschen Einheit hätte die Bedeutung der Kräfte innerhalb der früheren DDR, die letztlich den Anstoß für den Fall der innerdeutschen Grenze lieferten, weitaus besser gewürdigt. So meine persönliche Ansicht.

    Ich habe durchaus wahrgenommen, daß Klaus Kelle Kelle] die Dinge anders sieht und auch seine Einladung nach Düsseldorf registriert. Wenn ich nun heute, am 3. Oktober, wenig Begeisterung für die 29. Wiederholung besagten Honoratiorentages verspüre, stellt dies weder Mißachtung noch Opposition dar – aber er darf sicher sein, daß ich am 9. November abends eine gute Flasche Wein auf die Ereignisse von 1989 öffnen und genießen werde. Und dabei einmal mehr die Sonderausgabe des „Stern“ lese.

    Am Rande: daß wir uns heute in Düsseldorf nicht treffen werden, lieber Klaus, hat mit all dem jedoch nichts zu tun. Nach einem Todesfall vor 15 Jahren verbinde ich mit diesem Datum aus sehr persönlichen Gründen völlig andere Empfindungen.”

  3. Jorgos48 sagt:

    Damals, vor 30 Jahren, stand ich an der Zonengrenze bei Bad Sachsa/ Walkenried und konnte nach Ellrich herüber gucken. An dem Tag warteten wir darauf, das die Grenze geöffnet würde. Von Westen kamen viele Neugierige an den Zaun und irgendwann kamen auch die ersten DDR Bürger. Die Freude war groß und die Neugierde aufeinander auch. Nun ist der Alltag eingekehrt und nach 30 Jahren sind nicht überall die blühenden Landschaften entstanden. Es gibt noch viel zu tun, fangt bei euch selbst an. Fahrt mal zum Point alpha in die Rhön und seht euch an wie es früher war. Das will niemand zurück. Aber vergesst es nicht. Wenn Schulklassen Buchenwald besuchen, sollten sie auch Point alpha besuchen. Das eine gäbe nicht ohne das andere.

  4. Andrés Ramos sagt:

    Ein sehr guter Artikel! Danka dafür. Da ich aus Hamburg stamme und meine liebe Frau aus Rostock, ist der Tag der Einheit für uns immer etwas besonderes. Ohne ihn könnten wir nicht zusammen leben.