Studienbeginn in Corona-Zeiten: Die Ersti-Woche

Von Manuel Freund | Nach dem Abschluss meines Abiturs vor dem letzten Sommer, bin ich nun zum Studieren nach Mannheim gezogen. Da die Uni hier sehr international ausgerichtet ist, hat mein Studium bereits seit wenigen Wochen begonnen. Das heißt, meine Ersti-Woche ist bzw. wäre schon vorbei und ich durfte bereits erste Einblicke in das Leben eines Studenten werfen. 

Es geht hier aber nicht darum, wie mein Studentenleben so ist oder wo man in Mannheim am besten zum Feiern hingehen kann, denn daran stört mich aktuell nichts. Vielmehr habe ich ein Problem damit, wie das (Studenten-) Leben in Mannheim durch Corona unnötig erschwert und quasi sämtliche Ersti-Veranstaltungen aufgrund der Corona-Panik teilweise bis komplett zerstört wurden.

Fangen wir am besten mit dem Anfang an: die Ersti-Woche. Ich weiß leider nur aus Erzählungen, wie eine richtige Ersti-Woche abläuft. Es sind eigentlich jeden Tag irgendwelche Veranstaltungen, bei denen Alkohol getrunken wird und man sich bei dämlichen lustigen Spielen besser kennenlernt. Zudem chillt man ständig auf der sehr gefüllten „Mensawiese“ und spielt dort gegen die anderen Studiengänge Flunkyball, um zu ermitteln, wer eigentlich die größten Alkoholiker auf dem Campus sind. Am Ende der Ersti-Woche oder kurz danach findet dann die erste so genannte Schneckenhof-Party statt. Das ist eine große Feier mit 2000- 3000 Studenten und für die Erstis hier das erste große Highlight ihres Studiums.

Das mag alles etwas nach dummem Besäufnis klingen und im Prinzip ist es das auch, aber es gehört nun mal irgendwie zum Ersti-Sein dazu. Ich würde es durchaus einsehen, wenn man die Ersti-Woche wegen einer ernsthaften Bedrohung einschränkt oder sogar absagt, notwendig ist sie nämlich nicht. Ich sehe jedoch nicht ein, dass wegen einer Krankheit, die weder besonders tödlich ist, noch besonders viele Menschen infiziert hat, die Ersti-Woche stark zu verkürzen und dabei komplett bescheuerte Maßnahmen bei den wenigen Veranstaltungen einzuführen, zumal man Studenten sowieso nicht davon abhalten kann, in der ersten Studienwoche ständig Feiern zu veranstalten – ob nun von der Fachschaft organisiert oder privat.

Stadt-Ralley mit Masken

Unsere einzigen offiziellen Events waren ein Picknick in kleinen Grüppchen auf der so genannten Neckar-Wiese und eine Stadt-Ralley. Dafür, dass die Fachschaft in ihren Möglichkeiten durch bescheuerte Maßnahmen enorm eingeschränkt war, hat diese einen ziemlich guten Job gemacht. Die Maßnahmen haben trotzdem genervt: Wir mussten natürlich beim Ankommen Masken tragen und durchgehend den Mindestabstand einhalten. Zudem mussten wir bei der Ralley beim Laufen durch die Stadt Masken tragen, die Gruppen beim Picknick und der Ralley durften sich auf keinen Fall vermischen und die Fachschaft durfte für jeden bei den Events jeweils nur drei Bier mitbringen und weiterer Alkohol durfte nicht mitgebracht werden.

Diese Maßnahmen haben allesamt nichts gebracht. Die Gruppen mischen sich auf den privaten Partys sowieso. Masken tragen an der freien Luft beim kurzen Vorbeilaufen an Leuten bringt nichts, weil die Leute sich in dem Fall nicht mal anstecken würden. Wenn einer von uns Corona hätte und keine Maske tragen würde, der Mindestabstand war genau in der Sekunde, in der das Event offiziell aufgehört hat, sowieso kein Thema mehr und zu der Geschichte mit dem Alkohol komme ich noch.

Nun ist Mannheim jedoch nochmal ganz besonders im Bezug auf Corona. Wir gelten nämlich seit wenigen Tagen als Risikogebiet, wobei die Bezeichnung schon wieder so geframet wurde, dass sie unnötige Panik erzeugt, die vermutlich die bescheuerten Maßnahmen rechtfertigen soll. Risikogebiet heißt nämlich nur, dass es in den letzten 7 Tagen pro 100 000 Personen mind. 50 Neuinfektionen gab. Mannheim ist nun gerade so knapp über dem Wert; das heißt, in ganz Mannheim gab es in den letzten 7 Tagen gut 150 Neuinfektionen. Das klingt erstmal überhaupt nicht viel – ist es auch nicht.

Trotzdem: Wir dürfen uns drinnen nur noch mit maximal 10 Personen aus max. 2 Haushalten treffen, wir dürfen uns draußen nun noch mir max. 10 Personen treffen. An diversen Orten mit hoher Ballung an Menschen herrscht Maskenpflicht, Restaurants und Bars müssen um 11 Uhr schließen und jetzt die dümmste Corona-Maßnahme seit jeher: Nach 22 Uhr darf Freitag- und Samstagabend kein Alkohol mehr verkauft werden.

Doch warum ist diese letzte Regelung so übertrieben dumm? Erstens: Jugendliche und Studenten (die Hauptansteckungsgruppe gerade in Mannheim) saufen sich erfahrungsgemäß an jedem Tag der Woche voll, diese Maßnahme wird Studenten also nicht von ihren Alkoholexzessen abhalten. Zweitens: Wenn man sich am Freitag- oder Samstagabend volllaufen lassen will und weiß, dass man nach 10 kein Alkohol mehr bekommt, dann kauft man sich im Zweifel vor 10 Uhr einen Vorrat, der größer ist, als die Menge an Alkohol, die man normalerweise an dem Abend zu sich genommen hätte, denn lieber zu viel kaufen als am Ende zu wenig zu haben.

Alkohol und Corona

Drittens: Diese Maßnahme wurde von der Bundesregierung angeregt unter der Annahme, dass Alkohol das Infektionsgeschehen deutlich verschärft. Grund dieser Annahme war, dass private Partys diverse Male viele Neuinfektionen verursachten. Abgesehen davon, dass man diese Feiern nicht durch solche Regelungen unterbinden wird, ist der Zusammenhang zwischen Alkohol und Neuinfektionen vom RKI noch gar nicht erforscht. Es ist tatsächlich eher zu vermuten, dass die Neuinfektionen an den Feiern an sich liegen und nicht am Alkoholkonsum. So gab es konträr zur Vermutung der Bundesregierung in Gaststädten und Restaurants bisher nur 38 verzeichnete Ausbrüche mit 273 Infizierten während 412 Ausbrüche an Arbeitsplätzen bekannt sind und für gewöhnlich trinkt man am Arbeitsplatz keinen Alkohol.

Diese Maßnahmen treffen jedoch nicht in erster Linien Studenten. Wirklich betroffen sind in erster Linie nämlich Besitzer von Gaststätten und die Getränkeindustrie. Ohne triftigen Grund, machen Bars jetzt enorme Einbuße. In vielen Bars beginnt der wirklich aktive Betrieb erst um 11 Uhr, diese Bars können in wenigen Monaten schließen. Alkoholische Getränke wurden bereits vor den neuen Regelungen ca. 16 % weniger konsumiert. Wegfallen tun beispielsweise die Belieferung von Hochzeits-, Tauf- oder Geburtstagsfeiern und das gesamte Duty-Free-Geschäft, da Kreuzfahrtschiffe beispielsweise nahezu gar nicht mehr fahren.

Dass man wegen Corona Maßnahmen ergreift und beispielsweise riesige Feiern wie die auf dem Schneckenhof absagt, ist vielleicht noch gerechtfertigt. Wegen einer vergleichsweise so harmlosen Krankheit durch Polemik und Framing so viel Panikmache betreiben, um dann eine Rechtfertigung zu haben, ganze Wirtschaftszweige in den Ruin zu treiben, ist einfach nur unter aller Sau.

1 Antwort

  1. Tim sagt:

    Hervorragender Artikel – lasst Euch nicht unterkriegen…. würd ja glatt nach Mannheim kommen und noch mal mitmachen, aber das Risiko von der Gestapo wegen Coronavergehen (vermutlich mit 20anderen zusammen) eingesperrt zu werden ist nur als Student lustig…. Arbeitnehmer und Eltern kleiner Kinder können da nur aus der Ferne die Daumen drücken!